Klima noch stärker geschützt

Kommt das Tempolimit jetzt doch? Umweltbundesamt spricht von deutlich größeren CO2-Einsparungen

von Julian Hirmke

Mehr als die Hälfte aller Deutschen sind schon dafür. Das Umweltbundesamt erhitzt die Gemüter rund um die Tempolimit-Diskussion mit einer Studie jetzt noch stärker. Ein Geschwindigkeitslimit auf unseren Autobahnen spart wohl doch viel mehr CO2 ein, als bisher angenommen. Für Hobby-Raser wird die Luft jetzt ganz dünn.

Genauere Studie zeigt gewaltige CO2-Einsparung

ARCHIV - Ein Verkehrsschild mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern montiert Streckenwart Walter Stamm an der Bundesautobahn 2 bei Hannover (Archivfoto vom 28.1.2002). Ein Tempolimit 120 auf allen Autobahnen wäre aus Sicht des Umweltbundesamtes (UBA) ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz. «Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde lässt sich der Kohlendioxid-Ausstoß um 10 bis 30 Prozent reduzieren», sagte UBA-Präsident Troge der «Berliner Zeitung» am Donnerstag (28.12.2006). Foto:  Holger Hollemann  dpa  (zu dpa 4305 vom 28.12.2006) +++(c) dpa - Bildfunk+++
So wie hier an der A2 bei Hannover bald überall? Das Umweltbundesamt fordert Geschwindigkeitsbegrenzungen an allen deutschen Autobahnen.

Das Umweltbundesamt (UBA) hat neues Feuer in der Debatte rund um das Tempolimit auf Autobahnen geschürt. Laut einer Studie vom UBA könnten jährlich rund 6,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid gespart werden, wenn man ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde (km/h) auf den Autobahnen einführt. Die Behörde war bisher nur von 2,6 Millionen Tonnen ausgegangen. ,,Die höheren CO2-Einsparungen im Vergleich zu früheren Studien kommen daher, dass der Verbrauch der Fahrzeuge genauer bestimmt wurde und neu auch eine veränderte Routenwahl und Verkehrsnachfrage berücksichtigt wurde’’, erklärte UBA-Präsident Dirk Messner. Müssen wir uns jetzt bald auf eine Umstellung gefasst machen?

Einsparung gleichzusetzen mit drei Millionen Elektroautos

Drei Millionen Teslas ähnlicher Effekt wie Tempolimit.
Ähnlicher Effekt auf das Klima: Drei Millionen Teslas oder das Tempolimit.

Das UBA macht eine eindrucksvolle Rechnung: Führen wir 2024 das Tempolimit auf den Autobahnen ein und nehmen eine Begrenzung von 80 auf Außerortstraßen dazu, dann kommt ein ganz schöner Brocken zusammen! 47 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gäbe es bis 2030 weniger. Um die gleiche Minderung wie für das Tempolimit zu erreichen, müssten im Schnitt drei Millionen mehr reine Elektrofahrzeuge auf den Straßen fahren. Im letzten Jahr waren nicht mal eine Million E-Autos angemeldet.

Lese-Tipp: 1,5 Grad Ziel: In 6 Jahren ist das CO2-Budget verbraucht

Umstellung auf Tempolimit auch eine günstige Alternative

ARCHIV - 19.02.2020, Niederlande, Meppel: Ein Verkehrsschild mit Tempo 100 ist an einer Autobahn in Meppel über einem Schild mit dem Tempolimit 120 angebracht, aber noch überklebt. Im Kampf gegen gefährliche Stickoxide beginnen die Niederlande mit der Einführung von Tempo 100 auf Autobahnen. (Zu dpa: «Niederlande fangen mit Tempo 100 auf Autobahnen an») Foto: "wilbert Bijzitter"/ANP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Ein Tempolimit ist seit fast drei Jahren schon Standard in Holland. Das Bild zeigt eine holländische Autobahn bei Meppel kurz vor der Umstellung auf die Geschwindigkeitsbegrenzung.

Ein durchschnittliches Elektroauto kostet heutzutage zwischen 30.000 bis 50.000 Euro. Würde der Bund drei Millionen Fahrzeuge fördern, zahlt er noch rund 13 Millionen obendrauf. Die Umstellung auf das Tempolimit funktioniert quasi ohne größere Mehrkosten. Einen positiven Nebeneffekt gäbe es sogar noch gratis dazu: Wenn es keine schnellen Autos mehr braucht, wird in der Fahrzeugindustrie wohl schnell das Augenmerk auf langsamere, aber CO2 neutralere Motoren gelegt. Unsere Nachbarländer haben schon längst ein Tempolimit. In Frankreich darf maximal 130 km/h, in der Schweiz nur 120 km/h oder in Holland beispielsweise nur 100 km/h auf den Autobahnen gefahren werden.

Lese-Tipp: Der Kampf um saubere Luft: Neue Diskussion um Tempolimit und Feinstaub-Grenzwerte

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(uhi)