Milliarden überleben

Der mit den Bienen tanzt - Start Up aus Israel macht Bienenrettung möglich

Aus Israel: Oliver Scheel

Jedes Jahr überleben ungefähr 150.000 Bienenvölker allein in Deutschland den Winter nicht. Der Hauptgrund für das Bienensterben ist neben Pestizidbelastung und Monokulturen die Varroamilbe. Nun hat ein Start up aus Israel dem Bienensterben den Kampf angesagt – und geht einen wirklich außergewöhnlichen Weg.

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Der Roboter als Bienendoktor

Quelle Beewise
Hallel Schreier (ganz links) mit den vier weiteren Gründern des Start ups "Beewise". (Quelle: Beewise)

“To bee or not to be” – das ist hier die Frage. Unter diesem Motto geht es das israelische Start-up-Unternehmen Beewise (ein Wortspiel „be wise“ bedeutet „sei schlau“) an. Sie gehen dabei einen völlig neuen Weg. Die Start-up-Gründer lassen die Bienen in ihrem Bienenstock per Computer überwachen und ein Roboter führt dann Maßnahmen durch, wenn im Bienenstock etwas nicht stimmt. Das Ganze kann der Imker per App vom eigenen Rechner verfolgen. Der Computer schlägt anhand seiner Messungen auch Maßnahmen vor, wie den Bienen geholfen werden kann.

„Das klingt verrückt, aber es funktioniert. Wenn beispielsweise die Temperatur im Bienenstock nicht stimmt, dann kann der Computer reagieren. Weil auch die Bienenwaben gescannt werden, erkennt der Computer, ob es der Brut gut geht, ob die Kolonie Nahrung braucht oder ob der Königin etwas fehlt“, erklärt einer der fünf Gründer des Unternehmens, Hallel Schreier. Da Solarpaneele auf dem Dach des Bienenstocks installiert sind, haben Computer und Roboter immer Energie.

Die Idee kam von einem Imker

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Ein Blick ins Innere des Bienenstocks. Hier die Waben.

Selbst gegen den Milbenbefall kann der Computer vorgehen. Im Bienenstock wird dann eine Temperatur eingestellt, die gut für die Biene, aber maximal schlecht für die Milben ist. So werden die Bienen die Milben oft los.

„Die Idee kam tatsächlich von einem Imker aus den USA. Er musste täglich die Bienenstöcke kontrollieren, immer die Schutzkleidung anziehen, den Rauch fertig machen, jede einzelne Wabe rausholen, nur um zu schauen, ob alles stimmt. Da dachte er sich: Das kann doch ein Roboter viel besser. Also suchte er sich Leute, die Lust hatten, einen so technischen Bienenstock zu bauen“, erläutert Schreier die Anfänge.

Wenn etwas nicht stimmt, schlägt der Computer Alarm

Aber mit den Bienenstöcken ist es ja nicht getan. Es wurde eine App entwickelt, über die die Imker permanent den Bienenstock überwachen können. „Und wenn etwas nicht stimmt, gibt es eine Art Alarm, dann wird der Imker vom Computer von den Vorgängen im Bienenstock auf dem Laufenden gehalten“, so Schreier. Wenn zum Beispiel die Pestizidbelastung in der Umgebung zu hoch ist, meldet der Computer das und der Imker kann den Bienenstock woanders aufstellen.

In nur vier Jahren ist Beewise von den fünf Firmengründern auf etwa 100 Angestellte gewachsen: „Wir haben Software-Entwickler, wir haben Ingenieure, die Bienenstöcke bauen, das ist hoch komplex. Und es geht ja immer noch besser, wir sind noch sehr jung.“ In einem Bienenstock können bis zu 24 Völker leben. In der Hochzeit der Saison leben bis zu 500.000 Bienen in einem solchen technischen Meisterwerk.

Ohne Bienen wären unsere Teller leer

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Die Farben helfen den Tieren, nach Hause zu finden.

Seinen Sitz hat das Unternehmen im Kibbuz Beit Ha Emek. „Die Leute hier bauen vor allem Avocados an. Sie freuen sich, dass wir da sind und wir können uns hier ausprobieren“, so Schreier. „Das ist ein bisschen unser Spielplatz.“

Mittlerweile stehen mehrere hundert solcher Bienencontainer in Israel und den USA in den Feldern. „75 Prozent aller Früchte und Nüsse sind auf Bienenbestäubung angewiesen“, sagt der Firmengründer. Tatsächlich sind Bienen für fast 30 Prozent von allem, was auf unseren Tellern landet, durch ihre Bestäubung verantwortlich.

Modernes Start up - bald auch in Deutschland?

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In einem solchen Container leben bis zu 24 Bienenvölker

Die Firma ist das, was man ein modernes Start up nennt. Die Büros sind offen, überall liegt Obst für die Mitarbeiter herum, sie machen zusammen Lunch und sind im ständigen Austausch miteinander. In einem Labor werden die Bienenstöcke ständig verbessert.

„Die Bienen überleben vor allem, weil wir das Milbenproblem in den Griff bekommen haben. Wir haben natürlich keine exakten Zahlen, gehen aber davon aus, dass es Milliarden sind, die überleben“, so der Firmengründer. Die Imker geben sehr positive Rückmeldung auf das Projekt, das 80 Millionen Dollar an Investitionshilfe bekommen hat.

Dank einer App und eines Roboters im Bienenstock haben die fleißigen Nektarsammler nun bessere Karten, den Winter zu überleben. Vielleicht ja auch bald in Deutschland.

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(osc)