Kein Handynetz, kein Strom, kein GPS

Sonnensturm trifft Erde: Droht uns der totale Blackout?

Polarlichter über Deutschland
Sonnenstürme können Polarlichter bis nach Süddeutschland bringen. © Laura Kranich

Sonnensturm kann Strom- und Handynetz stören

Nachdem die Sonnenaktivität über mehrere Jahre sehr gering war, nimmt sie nun wieder Fahrt auf. Ein massiver sogenannter Flare, zu Deutsch „Fackel“, ereignete sich bereits am Montag letzter Woche auf der Sonne. Dabei wurden neben starker UV- und Röntgenstrahlung auch große Mengen geladener Teilchen in Richtung Erde geschleudert. Durch so einen Sonnensturm können ganze Stromnetze, das GPS oder unser Telefonnetz gestört werden. Und das war noch nicht alles: Ein weiterer Sonnensturm traf in der Nacht zu Donnerstag auf die Erde.

Zunehmende Sonnenaktivität kann dicke Probleme machen

Die Aktivität der Sonne schwankt, mal gibt es kräftige Sonnenstürme, dann ist sie wieder ruhig.
Ein kräftiger Sonnensturm ereignete sich am Montag auf der Sonne. © NASA/ESA

Die Aktivität der Sonne schwankt in einem Zyklus von etwa 10 bis 12 Jahren, im Durchschnitt dauert ein Sonnenzyklus elf Jahre. Es gibt Phasen mit sehr geringer Aktivität. Sie dauern meist einige Jahre. Auf sie folgen regelmäßig kürzere Phasen, die das Maximum der Sonnenaktivität erreichen – mit häufigen Sonnenstürmen und Strahlungsausbrüchen.

Bei solchen Ausbrüchen wird extreme UV- und Röntgen-Strahlung freigesetzt. Die Auswirkungen können Störungen von Funkverbindungen und des Erdmagnetfeldes sein. Das wiederum kann zu großflächigen Stromausfällen führen, wie beispielsweise im März 1989 im Osten Kanadas. Der jetzige Sonnensturm verursachte aber zunächst keine größeren Störungen.

Solare Superstürme könnten dramatisch werden

Sonnenstürme oder solare Superstürme stören GPS, Funk- und Stromnetze.
Kein Netz! Und zwar für einige Monate. Das könnte eine Auswirkung von Sonnenstürmen sein. © dpa, Oliver Berg, obe wst

Die neuere Forschung geht sogar davon aus, dass sogenannte solare Superstürme deutlich häufiger sind als angenommen. Im Jahre 1859 beschädigte ein solches Ereignis das noch junge Telegrafennetz. Auch 1882 und 1921 wurden elektrische Systeme durch heftige Sonnenstürme zerstört.

Heute hätte ein solcher Supersturm womöglich noch weit schlimmere Auswirkungen für unsere technologieabhängige Gesellschaft. Stromnetze, Telekommunikationseinrichtungen und Navigationssysteme wie das heute überall verwendete GPS könnten massive Schäden erleiden, die über Monate hinweg nicht behoben werden können.

Erst im Jahr 2012 entkam die Menschheit laut NASA zuletzt einem solchen Ereignis nur knapp: Die Erde war glücklicherweise gerade außerhalb der Schussbahn eines solchen Supersturms, der womöglich sogar alle früheren weit in den Schatten gestellt hätte.

Prognosen: Kommender Sonnenzyklus wieder stärker?

Polarlichter in Kiel - die Folge eines Sonnensturms.
Polarlicht am 18.03.2018 bei Kiel. Bei einem starken Sonnensturm können Polarlichter sogar in Deutschland beobachtet werden. © Laura Kranich

Prognosen verschiedener Forschungseinrichtungen für den nächsten Sonnenzyklus gehen in unterschiedliche Richtungen:

  • Viele Forschungsarbeiten der letzten Jahre deuteten darauf hin, dass die Sonne erneut einen sehr schwachen Zyklus erleben könnte.
  • Eine neuere Studie amerikanischer Wissenschaftler hat jedoch kürzlich ergeben, dass der kommende Zyklus sogar einer der stärksten bisher beobachteten werden könnte.

Allerdings können laut Wissenschaftlern der NASA solare Superstürme auch in Phasen mit geringer Sonnenaktivität auftreten.