Meereis-Expertin berichtet aus coronafreier Zone

So lief das Leben auf dem Forschungsschiff Polarstern ohne Corona-Beschränkungen

Verschwinden des Meereises hautnah erlebt

Meereisphysikerin Stefanie Arndt vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven war fünf Monate lang auf der Polarstern ein Teil der Mosaik-Expedition, die das Driften mit einer Eisscholle in der Arktis beinhaltete. Das dramatische Verschwinden des Meereises am Nordpol hat sie hautnah erlebt. Die Forscherin berichtet, welche Folgen das für uns und unsere Jahreszeiten haben könnte.

Wie das Leben auf dem Forschungsschiff ohne Corona-Beschränkungen ablief, erzählt Stefanie Arndt im Video.

Dynamische Eisscholle

Stefanie Arndt ist Meereisphysikerin am Alfred-Wegener-Institut.
Stefanie Arndt ist Meereisphysikerin am Alfred-Wegener-Institut. © RTL Interactive

Das Meereis in der Laptewsee hat Ende Oktober nur minimal angefangen zu wachsen, was sehr spät ist, denn normalerweise beginnt dieser Vorgang bereits Ende August oder Anfang September. Die Polarstern hatte bereits im vergangenen Jahr zu Beginn der Mosaik-Expedition Probleme eine geeignete Eisscholle zu finden, an der sie andocken und ein Jahr lang driften konnten. Auch war die Scholle viel dynamischer, was den Wissenschaftlern Probleme bei ihrer Forschung bereitete. „Wir hatten einen sehr sehr warmen  Sommer und eine sehr geringe Eiskonzentration. Das hatte zur Folge, dass sich der obere Ozean sehr stark aufgewärmt hat und dementsprechend hat es länger gedauert, bis sich das Meereis bilden konnte“, erzählt Arndt.

Ewiges Eis ist nicht ewig

HANDOUT - Arktisches Meereis in der Framstraße zwischen Ostgrönland und Spitzbergen, aufgenommen von der Polarstern-Expedition ARK-XXVII-1 im Sommer 2012.  Foto Sebastian Menze/Alfred-Wegener-Institut/dpa (ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung u
Das Warmwasser verändert arktische Meereslebensräume. © dpa, Sebastian Menze

Dass wir darauf zusteuern, dass der Nordpol wohl irgendwann eisfrei ist, sehen die Wissenschaftler des AWI anhand ihrer Satellitendaten. „Wir sehen die Veränderung und dass das Ewige Eis nicht so ewig ist und wir wohl darauf zusteuern, dass das Eis irgendwann gar nicht mehr da ist“, berichtet Arndt. Messungen zeigten, dass das Meereis immer dünner werde und dadurch dynamischer. „Es ist mehr Bewegung im Eis und das haben wir auch auf der Mosaik-Expedition beobachtet.“

Golfstrom die Heizung Europas

PIK Golfstrom
Der Golfstrom schwächt sich durch den Klimawandel bereits ab.

Doch was bedeutet das für unsere Jahreszeiten? Fest steht, dass die durch die Arktiserwärmung die Windzirkulation auf der Nordhemisphäre schwächer und chaotischer wird, was bereits zu beobachten ist. Das schmelzende Eis hat zur Folge, dass sich der arktische Ozean im Sommer deutlich stärker erwärmt als bisher, was auf dem angrenzenden Festland für Dürre und so beispielsweise wieder zu Waldbränden in Sibirien und Kanada führen kann. Wenn sich die Arktis auch im Winter erwärmt, könnte das den Golf- bzw. Nordatlantikstrom spürbar abschwächen. Kalte Luft und Meereisbildung braucht es aber, um das kaltes Wasser absinken zu lassen, welches dann in der Tiefe des Nordatlantiks nach Süden wandert, während das leichtere wärmere Wasser nach Norden wandert. Der Golfstrom ist so etwas wie die Heizung Europas. Durch sein warmes Oberflächenwasser wird auch die Luft, die uns in Europa angewärmt. Ohne den Golfstrom wäre es bei uns wohl um die 10 Grad kälter im Winter.

Strengere oder wärmere Winter

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Einige Auswirkungen wie die Dürre im Sommer erleben wir bereits. © imago images/Jan Eifert, Florian Karlstedt via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Durch diese atmosphärischen und ozeanographischen Zirkulationssysteme sind wir auf der Erde miteinander verbunden. So war es auch eines der Forschungsziele der Mosaik-Expedition Rückschlüsse ziehen zu können, wie sich die Aufwärmung der Ozeane und der saisonale Rückgang der Meereisausdehnung auf unser Wetter auswirken. Was wir bereits spüren sind die Dürresommer oder Extremwetterlagen. So berichtet Stefanie Arndt auch: „Dadurch, dass sich etwas in diesen Zirkulationssystemen verschiebt, kann es zur Folge haben, dass wir sehr extreme Winter in Nordeuropa, aber auch wärmere Winter haben. Es ist halt beides möglich. Wir wollten besser verstehen,  was die Entwicklung am Ende für uns zur Folge hat, wie können wir darauf reagieren und agieren.“ Man darf also gespannt sein, welche Rückschlüsse die Wissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut aus ihren Forschungsergebnissen ziehen.