Schnee- und Unwetterchaos in den Alpen im November: Jeder Liter könnte jetzt zu viel sein

Lage bleibt noch sehr kritisch

In Kärnten und Osttirol herrscht auch am Dienstag nach wie vor Ausnahmezustand. Denn es  regnet und schneit wieder verbreitet. Auch wenn es nicht mehr so viel Regen geben soll, drohen weitere Muren und Lawinen abzugehen. Jeder Liter, der jetzt noch fällt, könnte zu viel sein für die Böden und Dächer! Zahlreiche Straßen sind weiter gesperrt, mehrere Orte sind immer noch von der Außenwelt abgeschnitten.

Dächer ächzen unter der Schneelast +++ Neuer Schnee und Regen kommen

Es besteht die Gefahr durch örtliche Überschwemmungen. Murenabgänge und Lawinen sind möglich. Das neue NIederschlagsgebiet bringt zwar keine Regen- und Schneemassen mehr, aber jeder Tropfen oder jede Schneeflocke könnte das Fass zum Überlaufen bringen.

Die Gefahren im Einzelnen: Schnee. Der Schnee in den Dörfern ist sehr nass. Und damit schwer. Viele Menschen in Ost- und Südtirol versuchen, ihre Dächer vom Schnee zu befreien. Denn der nasse Schnee wiegt ungeheuer viel. Ein Kubikmeter Pulverschnee wiegt bei -5 Grad etwa 60 Kilogramm. Aber nasser Pappschnee wiegt schon 200 Kilogramm. Da kann sich jeder ausrechnen, welche Last auf den Dächern ruht. Vor allem Flachdächer wie die von Supermärkten sind gefährdet.

Hangrutsche haben großes Zerstörungspotenzial

HANDOUT - 17.11.2019, Italien, Martell: Schnee und abgebrochene Äste liegen in einer Straße. Unwetter sind über große Teile Italiens hinweggezogen. In Südtirol herrschte Schneechaos, eine Lawine traf das Dorf Martell. Foto: Rene Holzknecht/Gemeinde M
In Martell in Südtirol ging schon eine Lawine ab. © dpa, Rene Holzknecht, cul

Hangrutsche und Muren: Die vielleicht größte Gefahr bei einsetzendem Tauwetter geht von solchen Ereignissen aus. Denn durch den vielen Regen ist der Boden voll gesättigt mit Wasser. Darauf lastet nun noch der schwere Schnee. Gerade da, wo keine Bäume den Boden festhalten, drohen Hangrutsche und Muren. Auch Schlammlawinen können sich lösen. Je nach Größe stellen die ein riesiges Gefahrenpotenzial da, denn auch Häuser können dieser Gewalt mitunter nicht Stand halten. 

Lawinen: Klar ist, dass bei dieser Menge an gefallenem Schnee und dem einsetzenden Tauwetter Lawinen abgehen können. Auch in diesem Fall birgt der nasse Schnee eine große Gefahr. Wer als Fußgänger erwischt wird, hat schlechte Karten. Auch in Autos ist man nicht sicher. Häuser hingegen sollten in Ortschaften meist nicht gefährdet sein.

Hochwasser so lange eine Gefahr, wie es regnet

Umstürzende Bäume: Je schwerer der Schnee, desto größer die Last auf den Bäumen. Es ist ziemlich klar, dass manche vor allem geschwächte Bäume oder Laubbäume, die noch nicht das gesamte Laub verloren hatten, unter der Last umstürzen werden. Ausflüge in die Wälder sind derzeit ein absolutes NoGo. Aber auch in Autos ist man gefährdet.

Hochwasser: Derzeit besteht eine Hochwassergefahr vor allem an den kleinen Alpenbächen, die das Wasser nicht mehr aufnehmen können. Kurzzeitige Überschwemmungen sind möglich, vor allem, wenn es stark taut und dabei regnet. Generell aber ist das Hochwasserrisiko in den Alpen gering. Denn das Gefälle ist groß, das Wasser fließt also sehr schnell ab. Die Schneeschmelze allein lässt in den Alpen keine Flüsse über die Ufer treten. Wenn also die Niederschläge nachlassen, ist wenigstens diese Gefahr gebannt.

Das heißt aber nicht, dass es nicht im Alpenvorland und im Süden der Alpen in flacherem Gelände zu Hochwasser kommen kann. Denn vor allem auf der Alpensüdseite hat es sehr viel geregnet, die Flüsse sind also schon voll und die Böden nehmen nicht mehr viel Wasser auf.