Klimawandel am kältesten Ort der Welt

Hitzerekord in der Antarktis: 30 Grad wärmer als üblich

von Christian Häckl und Claudia Träger

Bislang weigerten sich große Teile der Antarktis an der globalen Erwärmung teilzunehmen. Doch in den letzten Jahren mehren sich die Anzeichen, dass auch diese letzte Bastionen vom Klimawandel erfasst werden. Gerade wurde ein unglaublicher Hitzerekord in der Ostantarktis, dem kältesten Teil der Erde, gemessen. Die -12 Grad dort sind nur auf den ersten Blick kalt. Denn vergleichbar sind sie mit 45 Grad am 23. September in Deutschland. Christian Häckl mit den Klimawandel-Fakten zur Antarktis.

Das Ewige Eis schmilzt

Die Antarktis wird immer wärmer, ihr Eis schmilzt.
Die Grafik von Statista zeigt auf Basis von IPCC-Daten den Eisverlust in der Antarktis (in Gigatonnen pro Jahr)

Die gesamte Antarktis hat seit 2009 jährlich fast 252 Milliarden Tonnen Eis verloren. Immer wieder brechen riesige Eisberge von der Schelfeiskante ab. Schelfeis ist die zusammenhängende Eisfläche über dem Wasser rund um das Inlandeis herum. Wenn es verschwindet, können die Festlandgletscher nachrücken und noch mehr Eis kann verloren gehen. Die Folge: Der Meeresspiegel steigt immer weiter.

Antarktische Eisschilde sind bedeutende Kippelemente

Wer das Klima Update regelmäßig verfolgt, hat schon öfter von den sogenannten Kippelementen gehört oder gelesen. Das Westantarktische und das Ostantarktische Eissschild gehören dazu. Wenn sie einen bestimmten Schwellenwert erreichen, können sie nicht mehr in ihren ursprünglichen Zustand zurückgesetzt werden.

Professor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und einige seiner Kollegen haben schon im Sommer 2019 geschrieben, dass der westantarktische Eisschild wahrscheinlich bereits instabil geworden ist. „Damit ist es wahrscheinlich, dass über die nächsten Jahrhunderte sein gesamtes marines Eis in den Ozean fließen wird, und allein dadurch der Meeresspiegel weltweit um mehr als drei Meter ansteigen wird“, sagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

In der Ostantarktis besteht die Gefahr ähnlicher Instabilitäten und in der Arktis ebenso. Laut PIK reicht das noch verbleibende Eis auf Grönland und der Antarktis, um den globalen Meeresspiegel um weitere 65 Meter anzuheben.

Eis-Albedo-Rückkopplung: Eisschmelze verstärkt sich selbst

Klimakrise: Arktis und Antarktis schmelzen dahin.
Die Statista-Grafik auf Basis von Daten des National Snow and Ice Data Center (NSIDC) zeigt die Flächenentwicklung von Arktis und Antarktis seit 1980.

Ganzjährige Eisbedeckung, ob in Grönland, in der Antarktis oder auf einem Alpen-Gletscher kühlt das Klima. Denn das Eis reflektiert die ankommende Sonnenstrahlung größtenteils ins All. Diese Fähigkeit wird Albedo genannt. Schnee und Eis haben eine hohe Albedo. Dunkles Meerwasser oder graues Gestein absorbieren dagegen einen größeren Teil der Sonnenenergie und erwärmen die Umgebung gleich mit. So kann noch mehr Eis schmelzen. Eis-Albedo-Rückkopplung heißt diese Wechselwirkung, die sich selbst verstärkt.

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(ctr)