Rätsel um Walsterben gelöst?

Ausgehungerte Grauwale stranden an der Ostpazifikküste

Grauwale legen die weitesten Tierwanderungen unter Säugetieren zurück. Vom Nordpolarmeer nach Mexiko und zurück. Das sind zwischen 10.000 und 15.000 Kilometer. Dabei stranden viele von ihnen ausgehungert an der Küste. Das könnte mit der Eisschmelze zu tun haben.
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Ungewöhnlich viele tote Grauwale an Land gespült

A dead grey whale on the beach near the town of San Juanico. Fishermen tried to get it back into deep water before the onset of low tide without luck. Baja California Sur, Mexico.
Eine Menge Grauwale stranden gerade an der nordostpazifischen Ostküste Nordamerikas.

Die Wanderungen der Grauwale sind bemerkenswert: Die Paarungszeit im Winter verbringen sie in den Gewässern vor der mexikanischen Halbinsel Baja California, während sie im Sommer Tausende Kilometer nordwärts in die Arktis ziehen, um nach Nahrung zu suchen. Seit dem Ende des kommerziellen Walfangs hat sich die Population der Grauwale (Eschrichtius robustus) im Nordostpazifik erholt. Doch seit vier Jahren beobachten Wissenschaftler ein rätselhaftes Phänomen: Entlang ihrer Route von Baja California bis in die Arktis werden ungewöhnlich viele tote Grauwale an Land gespült, einige davon abgemagert, andere ohne äußerliche Verletzungen.

Die Wissenschaft rätselt über die Ursachen dieses Massensterbens und vermutet Kollisionen mit Schiffen oder Angriffe von Killerwalen. Da jedoch die gestrandeten Wale kaum Verletzungen aufweisen, vermuten Forscher aus den USA nun, dass die Ursache in der Arktis zu finden ist. Eine im Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass das Abschmelzen des arktischen Eises und der Rückgang der Flohkrebse mit den Bestandsschwankungen der Wale zusammenhängen könnten. Möglicherweise finden die Grauwale an ihrem üblichen Futterplatz nicht mehr genug Nahrung.

Abnahme der Flohkrebspopulation

Diamond Beach
Die Eisschmelze in der Arktis hat sich verlangsamt.

Bereits zweimal seit dem Ende des kommerziellen Walfangs hat es unerklärliche Walsterben gegeben. In den Jahren 1987 bis 1989 und 1999 bis 2000 verloren die Grauwale jeweils 15 bis 25 Prozent ihrer Gesamtpopulation. Eine aktuelle Studie untersuchte die Bestände der Grauwale im östlichen Nordpazifik seit den späten 1960er-Jahren sowie die Strandungen an der US-Küste. Dabei wurden auch die körperliche Verfassung und die Geburtenrate berücksichtigt. Diese Daten wurden mit der eisbedeckten Fläche in der Arktis und der Biomasse der dort lebenden Flohkrebse verglichen. Das Ergebnis zeigt, dass die drei großen Walsterben mit einem Rückgang der Eisfläche in der Arktis und einer Abnahme der Flohkrebspopulation einhergingen.

Das Abschmelzen des arktischen Eises infolge des Klimawandels erweiterte zunächst das Nahrungssuchgebiet der Grauwale. In den vergangenen Jahrzehnten wuchsen die Bestände daher zunächst, doch langfristig könnte das Abschmelzen des Eises katastrophale Auswirkungen haben. Grauwale ernähren sich von bodenbewohnenden Flohkrebsen, die wiederum von Algen leben, die unter der Eisdecke wachsen. Wenn die Eisdecke schmilzt, sinkt die Menge der Algen, und die Flohkrebse sterben aus. Da Grauwale acht Monate lang fasten und sich nur in den Sommermonaten in der Arktis ernähren, müssen sie genügend Energiereserven für ihre lange Wanderung, die Paarung und die Geburt des Nachwuchses ansammeln.

Arktis erwärmt sich stärker als andere Regionen

A gray whale surfaces at the Ojo de Liebre lagoon in Guerrero Negro, Mexico, Monday Feb. 21, 2011. The coastal lagoon is located in the middle of the Baja California peninsula and is one of three primary breeding and calving grounds for the gray whale. As of Feb. 14, 2011, 1,406 gray whales between adults and calves were registered at Ojo de Liebre lagoon, according to Mexico's Commission on Natural Protected Areas. (AP Photo/Guillermo Arias)
Grauwale reisen bis in die Arktis, um sich dort mit Nahrung zu versorgen.

Das vergrößerte Nahrungssuchgebiet kann langfristig den Rückgang der Flohkrebse nicht ausgleichen. Das Walsterben war besonders dramatisch in Jahren, in denen die Biomasse der Krebse bereits abgenommen hatte, aber die Eisfläche wieder zunahm. Die neuen Krebsarten, die den Platz der Flohkrebse einnehmen, bieten den Walen weniger Energie.

Warum das aktuelle Walsterben länger dauert als in der Vergangenheit, ist unklar. Das Abschmelzen des Eises infolge des Klimawandels hat sich verlangsamt, aber die Bestände der Grauwale nehmen weiter ab. Die Arktis erwärmt sich stärker als andere Regionen, was zu einer Besiedlung mit weniger nahrhaften Beutetieren führen könnte.

Trotzdem sind die Forscher optimistisch, denn sie glauben nicht, dass die Grauwale aussterben werden. Sie könnten sich an die neuen Bedingungen anpassen, wie sie es in den letzten Zehntausenden von Jahren taten. Bis dahin werden wahrscheinlich weniger Grauwale im östlichen Nordpazifik schwimmen als heute.

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(kfb)