Sonnenenergie aus der Wüste

Ist Solarstrom aus Nordafrika wirklich die Lösung für Europa?

von Karim Belbachir

In mehreren nordafrikanischen Ländern sammeln Solarparks Sonnenenergie für klimafreundlichen Strom. Das könnte eine Lösung für die Energieversorgung Europas darstellen. Aber ob die Länder in Nordafrika in Lage sind, genügend Strom zu liefern oder überhaupt gewillt sind, dies zu tun, steht auf einem anderen Blatt.

Viel Sonne in äquatornähe

ARCHIV - Die Sonne scheint über einem Parabolspiegel mit in der Mitte plazierten Solarreceivern eines solarthermischen Parabolrinnenkraftwerks in der Nähe von Las Vegas (Foto vom 02.03.2005). Am kommenden Montag (13.07.2009) soll in München von versc
Solarstrom aus der Wüste erscheint auf den ersten Blick als eine ideale Lösung, aber ist er das wirklich?

Gerade der dauerhafte Sonnenschein in der Wüste scheint prädestiniert, um mit Hilfe von Solarparks Sonnenenergie in Strom umzuwandeln. Gerade in äquatornähe scheint die Sonne besonders lang. So verwundert es nicht, dass Länder wie Marokko, Algerien, Tunesien oder Ägypten sich mit dem Thema näher befassen. Einige Solarparks gibt es bereits und viele weitere sind geplant.

Ägypten zum Beispiel hat sich vorgenommen bis zum Jahr 2035 rund 42 Prozent des eigenen Energiebedarfs mit Solarstrom zu decken. Dafür wurden bereits Projekte umgesetzt. So erstreckt sich der Solarpark Benban auf 37 Quadratkilometern Fläche. 3,8 Terrawatt Strom liefert die von der Berliner Firma IB Vogt gebaute weltgrößte Solaranlage jährlich.

Mehrere Projekte in Nordafrika umgesetzt oder in Planung

Ein großer Solarpark
Ein Solarpark im Süden Ägyptens.

Auch Marokko und Algerien haben ähnliche Projekte in Planung, wenn auch kleiner. Algerien hat vor wenigen Monaten ein Projekt zur Gewinnung von 1 Gigawatt (1.000 Megawatt) Solarstrom ausgeschrieben. Das Verfahren endet am 30. April. Das Land strebt bis zum Jahr 2035 an rund 15 Gigawatt Strom aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Die Zahl soll gleichzeitig jedes Jahr mit der Umsetzung weiterer Projekte um 1 Gigawatt erhöht werden.

Auch im Nachbarland Tunesien sollen bis zum Jahr 2030 ganze 30 Prozent des benötigten Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Um das zu erreichen, werden momentan zwei Solaranlagen mit einer jeweiligen Leistung von 10 Megawatt errichtet. Den Kredit für die Projekte vergab die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Bisher ist das Land noch sehr abhängig von fossilen Rohstoffen, die 97 Prozent des jährlichen Energiebedarfs decken. Die beiden kleinen Solarparks sollen helfen, das zu ändern.

In Marokko ist das Kraftwerk Noor 1 eines der Aushängeschilder des Landes in Sachen Sonnenenergie. Das Sonnenwärmekraftwerk Noor 1 setzt Jährlich 370 Megawatt Strom um.

Transport des Stroms stellt Problem dar

10.03.2022, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Das Steinkohlekraftwerk im Seehafen Rostock ist mit seinem Kühlturm von über 141m Höhe weithin sichtbar, Hochspannungsleitungen transportieren den Strom. Das Kraftwerk, das seit 1994 in Betrieb ist und 553
Dass Kohlekraftwerke auf Dauer nicht die Lösung darstellen können, ist unstrittig.

Bei all diesen Projekten stellen sich gleich mehrere Fragen. Die eine ist, wie der Strom zu uns gelangt. Bisher gibt es nur zwei Unterwasserleitungen, die den Strom aus Afrika zu uns bringen. Das ist natürlich viel zu wenig in absehbarer Zeit genügend Strom für den Energiefresser Europa transportieren. Die Kosten für die Verlegung weiterer Verbindungen ist enorm hoch, was viele Länder bisher abschreckt. Die Kosten für eine ausreichende Versorgung würden sich auf mehrere Billionen Euro belaufen. Hinzu kommt der Spannungsverlust, der beim Transport anfällt.

Eine weitere Frage bleibt, ob die in Frage kommenden Länder überhaupt genug Strom liefern könnten. Bereits jetzt ist abzusehen, dass die Länder in Nordafrika noch damit beschäftigt sind, ihre eigene Energieversorgung umzustellen. Für das Erreichen der Klimaziele im Jahr 2030 erscheint es eher utopisch, sich auf eine ausreichende Versorgung aus Nordafrika verlassen zu können.

Eigene Solarparks als sicherere Lösung

Hinzu kommt die politische Lage in einigen Ländern. Ob beispielsweise Algerien gewillt ist, es sich mit Russland zu verscherzen, zu dem es sehr gute Beziehungen pflegt, scheint zumindest fragwürdig. Erst vor kurzem stießen die USA mit ihrer Forderung, den „Gashahn“ für Europa aufzudrehen, auf taube Ohren.

Vielleicht ist es doch besser, wenn wir uns mit dem Anblick weiterer Windkrafträder und neuer Solarparks in Deutschland anfreunden, als neue Abhängigkeiten zu schaffen. Auch wenn die Sonne am Äquator stärker scheint.

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(kfb)