Ouarzazate: Das größte Solarkraftwerk der Welt entsteht in Marokko

Solarthermiekraftwerk in Marokko
Strom aus der Wüste: Am Rand der Sahara entsteht der größte Solarkraft-Komplex der Welt. © dpa, A9999 Schott

Strom aus Sonnenenergie vom Rand der Sahara

Marokko als Gastgeber der Weltklimakonferenz hat der Welt etwas zu zeigen: Am Rand der Sahara entsteht in Ourzazate der größte Solarkraft-Komplex der Welt. Noor heißt das Solarthermie-Kraftwerk, das - anders als die Photovoltaik - aus der Sonnenenergie zunächst Wärme gewinnt. Klimaschützer hoffen auf ein Aufbruchsignal für den ganzen Kontinent.

Kraftwerks-Komplex Noor: 320 Tage im Jahr scheint hier die Sonne

Der Solarkraft-Komplex bei Ouarzazate.
Umweltministerin Barbara Hendricks besucht den Solarkraft-Komplex bei Ouarzazate. © dpa, Sascha Hilgers

Ouarzazate ist eine tonfarbene Stadt mitten im Nichts. Kilometerweit nur Steine und Sand, in der Ferne zeichnen sich im Dunst die Gipfel des Atlasgebirges ab. Hier wurden unter anderem "Star Wars" und "Game of Thrones" gedreht. 320 Tage im Jahr scheint die Sonne, so viel und so kräftig wie sonst kaum irgendwo auf der Welt. Hier baut das Königreich Marokko an seiner Zukunft. Vielleicht nicht nur an seiner eigenen.

Die Gegend ist wie geschaffen für ein Solarkraftwerk, und der Kraftwerks-Komplex Noor wird eines der größten der Welt. 580 Megawatt Leistung auf rund 30 Quadratkilometern Fläche, in einer Gegend wie dieser ist das kein Problem. Strom aus Sonnenenergie ist in Marokko etwas Neues. Das Land verließ sich bisher weitgehend auf Kohle, Öl und Gas. Aber König Mohammed VI. und seine Regierung haben entschieden, die Produktion von Ökostrom aus Wind, Sonne und Wasserkraft schnell auszubauen: 52 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 sind das Ziel. Deutschland peilt derzeit 55 bis 60 Prozent bis 2035 an.

Eines von vier Noor-Kraftwerken ist schon am Netz, bis Ende 2018 soll alles fertig sein. Die gigantischen Spiegel, die - je nach Kraftwerkstyp - Öl erhitzen oder direkt Salz zum Schmelzen bringen, sollen einmal zwei Millionen Marokkaner mit Strom versorgen. Umgerechnet 2,2 Milliarden Euro müssen investiert werden. Deutschland schießt über die KfW Entwicklungsbank ordentlich zu - auch im Interesse des Weltklimas.

Erneuerbare Energien: Eine Chance für Afrika?

Solarthermie in Indien
Solarthermie: Parabolspiegel stehen in Abu im indischen Rajasthan. © deutsche presse agentur

Solarthermie-Kraftwerke wie bei Ouarzazate, die aus der Sonnenenergie zunächst Wärme gewinnen, produzieren Strom teurer als Photovoltaik. In Marokko hält man sie trotzdem für zukunftsweisend, weil der Strom hier gespeichert wird. Am meisten davon braucht das Land ab 18 Uhr abends, wenn die Sonne untergeht.

Die Autoren einer Studie des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam aus diesem Jahr sehen in erneuerbaren Energien eine große Chance für Afrika. Sie benennen aber auch die Probleme und Risiken: Fehlende Investitionen, lückenhafte oder uneinheitliche rechtliche Rahmenbedingungen, fehlende Kompetenzen für Betrieb und Wartung und die Schwierigkeit, den Ökostrom ins bestehende System einzuspeisen. 

Trotzdem hoffen unter anderem deutsche Politiker darauf, dass die afrikanischen Länder ihre Stromversorgung mit Hilfe von Sonne, Wind und Wasser ausbauen, nicht mit Kohle, Öl und Gas - zum Wohle des Planeten. Afrika könne ein "grüner Kontinent" werden, prophezeit Entwicklungsminister Gerd Müller auf der Klimakonferenz. Sobald es uns gelingt, aus der Sonne der Sahara Energie für die Zukunft Afrikas zu machen, wird dieser Kontinent Entwicklungssprünge machen.