Neue Studie beweist: Mikroplastik auch im Schnee

Ein Schneemann steht am 03.12.2017 auf dem Johannisberg in Bielefeld (Nordrhein-Westfalen). Weite Teile von Ostwestfalen liegen zum ersten Mal in diesem Winter in Schnee gehüllt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Foto: Friso Gentsch/dpa +++(c) dpa
Dieser Schneemann könnte mal ein Autoreifen gewesen sein. © dpa, Friso Gentsch, frg wie

Leise rieselt das Mikroplastik

Dass die Meere voller Plastikmüll sind, ist inzwischen allgemein bekannt. Jedes Jahr landen Millionen Tonnen von Kunststoffabfällen in Flüssen, in Küstengewässern und sogar in der arktischen Tiefsee. Die winzigen Kunststoffteilchen werden aber auch über die Atmosphäre transportiert und landen – im Schnee!

Selbst in so entlegenen Regionen wie der Arktis und den Alpen. Das zeigt eine aktuelle Studie von einem Expertenteam vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).

Schnee wäscht das Plastik besonders gut aus der Atmosphäre

Schneeproben aus Helgoland, Bayern, Bremen, den Schweizer Alpen und der Arktis zeigen, dass dort überall eine hohe Konzentrationen an Mikroplastik existiert – selbst in den entlegenen arktischen Gebieten, auf der Insel Spitzbergen und sogar im Schnee auf treibenden Eisschollen. Laut den neuen Forschungsergebnissen werden die Teilchen über sehr große Distanzen durch die Atmosphäre transportiert und vor allem mit dem Schnee aus der Luft ausgewaschen.

„Wahrscheinlich kommt ein Teil davon sogar aus Europa“, so Dr. Melanie Bergmann.

Interessant an der AWI-Studie ist auch, dass die Mikroplastikkonzentrationen deutlich höher sind, als in Studien anderer Forscher, die beispielsweise Staubablagerungen untersucht haben. Dr. Gunnar Gerdts vermutet: „Schnee wäscht das Mikroplastik offensichtlich besonders effizient aus der Atmosphäre aus.“

Unsichtbare Gefahr in Luft & Nahrung: Mikroplastik
Unsichtbare Gefahr in Luft & Nahrung: Mikroplastik 02:04

Bayern voll mit Plastikschnee

Die höchsten Werte im Schnee fanden die AWI-Forscherinnen und Forscher in Proben an einer Landstraße in Bayern – hier lag die Konzentration bei 154.000 Partikeln pro Liter. Der Schnee in der Arktis enthielt immerhin noch bis zu 14.400 Partikel pro Liter. Je nach Standort konnten die Forschenden ganz verschiedene Kunststoffe nachweisen.

28.10.2018, Bayern, Unterthingau: Junge Kühe weiden auf einer schneebedeckten Wiese. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Diese jungen Milchkühe in Unterthingau in Bayern weiden wohl inmitten einer großen Menge Mikroplastik. © dpa, Karl-Josef Hildenbrand, kjh

Autoreifen, Schläuche und Lack im Schneemann

In der Arktis fanden die Forscher vor allem Nitrilkautschuk, Acrylate und Lackteilchen, die in einer Vielzahl von Anwendungen zum Einsatz kommen. Aufgrund seiner Beständigkeit gegenüber vielen Kraftstoffen und großen Temperaturspannen wird Nitrilkautschuk zum Beispiel häufig in Dichtungen und Schläuchen verwendet. Kunststoffhaltige Lacke finden in vielen Bereichen Anwendung, so etwa in den Oberflächen von Gebäuden, Schiffen, Autos und Offshore-Anlagen.

An der Bayerischen Landstraße enthielten die Proben vor allem verschiedene Arten von Kautschuk. Dieses wird in einer Vielzahl von Anwendungen eingesetzt, unter anderem auch bei Autoreifen.

Atmen wir das Plastik auch ein?

Plastikbecher, viele verschiedene Arten, Formen, Farben, Einwegbecher, Plastikmüll, *** Plastic cups many different types of shapes colors disposable cups plastic trash
Plastik in unserer Atemluft? Auch hier sei es lohnend, künftig genauer hinzuschauen, sagt Dr. Melanie Bergmann.. © imago images / Jochen Tack, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Eine Frage treibt die Forscherin um. „Bislang gibt es kaum Studien, die untersuchen, wie stark Menschen mit Mikroplastik belastet sind, hier ist noch vieles unklar.“ Man habe bislang fast ausschließlich untersucht, inwieweit Tiere oder Menschen Mikroplastik mit der Nahrung aufnehmen. „Doch wenn wir feststellen, dass große Mengen an Mikroplastik über die Luft transportiert werden, stellt sich natürlich die Frage, inwieweit wir Plastik einatmen und auf diesem Wege belastet werden. Ältere Ergebnisse aus der medizinischen Forschung liefern erste Anhaltspunkte in diese Richtung.“ Ein Punkt, mit dem sich die Wissenschaft dringend auseinandersetzen muss, so Bergmann.