Ganze Populationen ausgelöscht
Seeigel-Seuche wird zur weltweiten Pandemie

Eine neue Pandemie hat sich auf der Erde ausgebreitet. Dieses Mal trifft es nicht uns Menschen, sondern die Seeigel. Ein Parasit verwandelt die gesunden Tiere innerhalb von zwei Tagen zu Skeletten. Dabei bedroht das Massensterben nicht nur die Seeigel selbst, sondern auch unsere Korallenriffe sind dadurch zunehmend in Gefahr.
Parasitenbefall der Seeigel verwandelt die Tiere in Skelette

Das Massensterben von Seeigeln breitet sich immer weiter in unseren Weltmeeren aus. Laut dem Fachjournal „Current Biology“ habe die Seuche nun auch den Indischen Ozean erreicht. Zuletzt seien tote Seeigel am Strand der Insel la Réunion knapp 700 Kilometer östlich von Madagaskar gefunden worden.
Der Grund für das Massensterben seien Wimperntierchen, die sich als Parasit an die Seeigel haften. Innerhalb von zwei Tagen würden sie ihren Wirt in ein Skelett verwandeln und töten ihn dabei. Wimperntierchen sind Einzeller mit kleinen Härchen an der Oberfläche, mit denen sie sich fortbewegen. Sie kommen im Wasser vor und sind in der Regel harmlos. Doch sie wurden auch schon für das Massensterben von andern Meerestieren in der Vergangenheit verantwortlich gemacht.
Ganze Populationen sind in Israel bereits ausgelöscht
In Israel gab es 1983 schon einmal einen Parasitenbefall bei Seeigeln. Die Population brach vollständig zusammen und die Tiere haben sich bis heute noch nicht davon erholt. Vermutlich war es derselbe Erreger wie heute.
Dieses Mal fiel das Massensterben der Seeigel durch die Wimperntierchen im Januar 2022 in den USA auf Virgin Island auf. Monate später gab es ähnliche Beobachtungen in weiten Teilen der Karibik und im Roten Meer. Laut den Forschern seien seit Dezember 2022 im Roten Meer hunderttausende Seeigel weltweit vernichtet worden. Im Riffsystem der israelischen Küstenstadt Eilat beispielsweise seien die Populationen der am häufigsten vorkommenden Seeigeln vollständig verschwunden. Die Erreger verbreiteten sich laut den Daten aus dem Roten Meer im Wasser entlang menschlicher Transportwege.
Die belasteten Korallenriffe werden noch stärker angegriffen

Die Seeigel-Seuche stellt für die Korallenriffe weltweit eine riesige Bedrohung dar, denn die Tiere leben zusammen in einer Gemeinschaft. Die Seeigel sind Pflanzenfresser, die sich von den Algen an den Korallen ernähren. So regulieren sie die Algenbiomasse und erleichtern das Korallenwachstum. Wenn die Seeigel fehlen, dann sind die Korallen von Algen überwuchert. Als Folge sterben sie.
Der Grund der Seuche ist noch nicht bekannt

Bisher gibt es keine Möglichkeit, den infizierten Seeigeln zu helfen. Die gefährdeten Arten müssten laut den Forschern in abgetrennten Zuchtsystemen neu angesiedelt werden, damit die gesunden Tiere in der Natur wieder eine Chance hätten.
Außerdem sind die genauen Faktoren, die zum Ausbruch der Seuche führten, noch nicht erforscht. Bisher geht man davon aus, dass veränderte Umweltbedingungen der Grund sein könnten.
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(nzo)