Klimawandel verstärkt Hochwasser in Deutschland

10 Beweise für den Klimawandel
10 Beweise für den Klimawandel Hochwasser, Hurrikans, Hitzewellen 01:56

Nicht nur bei den Temperaturen macht sich der Klimawandel bemerkbar, auch bei den Regenmengen. Hochwasserereignisse dürften laut einer Studie in Nordwesteuropa zunehmen. Im Osten und Süden des Kontinents sieht es ganz anders aus.

Wärmere Atmosphäre nimmt mehr Wasser auf

Der Sommer 2019 wird als einer der heißesten in die Geschichte eingehen. Auch die Trockenheit beschäftigte uns und vor allem die Bauern und die Trinkwasserversorger. Da mutet es seltsam an, dass der Klimawandel auch die Hochwassergefahr erhöht. Es ist aber so, denn eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasser speichern, wie Günter Blöschl von der Technischen Universität Wien bei Bekanntgabe seiner Studie mitteilte. "Das Hochwassermanagement muss sich an diese neuen Realitäten anpassen, sonst werden die jährlichen Hochwasserschäden noch schneller steigen als bisher", sagte er.

Blöschl leitete eine Studie, an der sich insgesamt 35 Forschungsgruppen beteiligten. Die Wassermenge der Flüsse bei Hochwasser sei in einigen Regionen Nordwesteuropas in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Die Studie ist im Fachjournal "Nature" veröffentlicht.

Dabei gebe es kein europaweit einheitliches Bild, "aber die regionalen Entwicklungen entsprechen alle den vorhergesagten Klimaveränderungen." 

Was noch dazu kommt: Durch die Trockenheit kann der Boden das Wasser schlechter aufnehmen. Es versickert nicht, sondern wird von den Flüssen aufgenommen. Die Aufnahmekapazität der Flüsse, die oft begradigt sind und denen die Auen fehlen, können das Wasser nicht restlos aufnehmen und treten über die Ufer. Überschwemmungen sind die Folge. 

Tiefdruckgebiete ziehen langsamer

ARCHIV - 21.05.2019, Bayern, Straßlach: Feuerwehrmänner fahren mit einem Boot über den Deininger Weiher, der durch den starken Regen einen hohen Wasserstand hat und bereits einen Biergarten überflutet hat. (zu dpa «Studie: Klimawandel verschärft Hoch
Hochwasser: So sah es im Mai in Straßlach in Bayern aus. © dpa, Sven Hoppe, shp fdt dul

Flüsse, die über die Ufer treten, richten den Angaben zufolge jährlich weltweit Schäden von mehr als 90 Milliarden Euro an. Der Studie zufolge wirkt sich der Klimawandel nicht überall gleich auf das Hochwasser aus. In Nordwesteuropa inklusive Deutschlands würden die meisten Hochwasserereignisse immer schwerer, in Südeuropa und in Osteuropa nehme das Ausmaß der Hochwässer eher ab. "In Russland zum Beispiel ist die Temperatur um rund zwei Grad gestiegen, was viel weniger Schnee bedeutet", sagte Böschl. Damit sinke auch die Hochwassergefahr. 

Ein wichtiger Grund für die Zunahme von Überflutungen in Nordwesteuropa seien Veränderungen in der atmosphärischen Zirkulation. "Die großen Tiefdruckgebiete ziehen langsamer und weiter nördlich über Europa", erläuterte Blöschl. Deshalb trete in Südeuropa der gegenteilige Effekt ein.