Jede Menge Müll und CO2

Feiern mit Folgen: Festivals sind überhaupt nicht nachhaltig

von Letizia Vecchio

 Sputnik Springbreak Festival 2022 Festivalbesucher vor der MainStage waehrend dem Sputnik Springbreak Festival 2022 - Tag 1 - auf der Halbinsel Pouch am 3. June 2022 bei Pouch/Bitterfeld, Sachsen Anhalt, Germany *** Sputnik Springbreak Festival 2022
Auch beim Sputnik Springbreak Festival in Sachsen-Anhalt wurde wieder ausgelassen gefeiert. An die Berge an Müll, die dabei anfallen, denken wohl nur wenige Teilnehmer.

Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause kehrt nun zumindest für die Sommer-Monate so etwas wie Normalität zurück. Und zu einem richtig guten Sommer gehört für viele natürlich auch ein Festival-Besuch: Über mehrere Tage ausgelassen feiern, seine Lieblingsbands live erleben und natürlich auch das obligatorische Campen – Das alles gehört dann einfach dazu. Für die Umwelt sind Festivals aber kein Grund zum Feiern – Viele Veranstalter lenken deswegen ein.

Die Anreise – der CO2 Super Spreader

Wer beim Festival abfeiern will, muss auch irgendwie hinkommen. Und genau das ist für die CO2 Bilanz solcher Veranstaltungen ein Riesenproblem. Rund 44 Prozent der Festival-Besucher reisen nämlich laut der Studie „Going outside“ mit dem Auto an und legen dabei zwischen 100 bis 300 Kilometer zurück.

Gedankenexperiment: Das Reggae-Festival Summer Jam, das jährlich 30.000 Besucher zählt, nutzen wir zur Veranschaulichung. Wenn 13.200 Teilnehmer mit dem Auto anreisen, und selbst wenn man zwei Personen pro PKW rechnet, kommt man immer noch auf 6.600 Autos. Bei einem Weg von 200km mit einem Auto mit durchschnittlichem Benzinverbrauch macht das einen CO2- Ausstoß von mehr als 300 Tonnen!

Zelte werden aufgeschlagen, aber nicht abgebrochen

Zahlreiche Zelte von Festivalbesucher stehen am Sonntag (24.06.2012) in Neuhausen ob Eck auf dem Gelände des Southside-Festival. Das Festival findet bis 24. Juni 2012 statt und war mit 55.000 verkauften Tickets bereits im Vorfeld vollständig ausverka
Zeltstädte wie hier beim Southside-Festival gehören zu jedem Festival dazu, seine Behausung mitzunehmen aber weniger. Bis zu 50 Prozent der Zelte werden einfach von den Teilnehmern stehengelassen.

Das zweite riesige Problem: der Müll. Dabei denken viele erst einmal an Verpackungen für Snacks und Getränke. Das weitaus größere Problem sind aber die Billig-Zelte, die viele Besucher nach dem Feiern offenbar nicht mehr brauchen – teilweise wird sogar die Hälfte an Ort und Stelle einfach stehen gelassen. Bezogen auf unser Beispiel Summer Jam Beispiel wären das bei zwei Personen pro Zelt immer noch 7.500 zurückgelassene Behausungen auf Zeit.

Und was natürlich zusätzlich aufs CO2-Konto einzahlt, sind die enormen Mengen an Energie, Wasser, Catering und Co, die für solche Events gebraucht werden…

Wer es besser macht

Die Umwelt-Bilanz von Festivals ist also durchgängig schlecht – und genau deswegen zeigen viele Veranstalter mit kreativen Lösungen, dass man das Thema Nachhaltigkeit doch auf dem Schirm hat.

  • Beim St. Gallen Open Air Musik Festival gibt es seit 2019 einen Zeltpfand: Nur wer sein Zelt am Ende wieder mitnimmt, bekommt das Geld zurück.
  • Das Paleo-Festival, das jährlich am Genfer See stattfindet, setzt auf zusätzliche Züge für die An- und Abreise – das Auto wird also überflüssig.
  • Beim Glastonbury Festival sind Plastikflaschen verboten – dafür gibt’s aber kostenloses Trinkwasser, das man sich in selbst mitgebrachte Metallflaschen abzapfen kann.
  • Würstchen waren gestern: Das Melt-Festival in Dessau zeigt man mit einer großen Auswahl an veganen und vegetarischen Gerichten, dass es auch fleischlos anders geht.

Dennoch: Die Veranstalter allein können die „Festival-Wende“ nicht schaffen – es kommt auf das verantwortungsvolle Handeln von jedem Einzelnen an!

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(eve)