Nordseeinsel in besonderer Gefahr

Klimawandel lässt Meeresspiegel steigen: Wird Langeoog verschwinden? Familie verklagt die EU

Langeoog und die Küstengebiete drohen zu verschwinden

Verschwindet Langeoog? Die Nordseeinsel droht aufgrund des Klimawandels und des steigenden Meeresspiegels komplett zu versinken! In Hannover auf der Internationalen Konferenz "Coastal Structures 2019" diskutieren Experten, wie man Küsten und Meere retten kann. Einer Familie von Langeoog geht das alles viel zu langsam. Sie hat sich einer Sammelklage gegen die EU angeschlossen.

Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht hier eine ganz persönliche Existenz

Familie Recktenwald auf Langeoog
Maike Recktenwald: "Wir hoffen für unsere nächste Generation, also die Kinder, Neffen, dass auch die die Möglichkeit haben hier zu leben, hier zu arbeiten, wenn sie das wünschen."

Die Frage nach der Gefahr für Langeoog belastet auch Familie Recktenwald - sie betreibt ein Hotel, nur 99 Schritte vom Meer entfernt - ihre und die Existenz ihrer Kinder ist komplett bedroht.

Prognosen sehen eine düstere Zukunft

Der aktuelle Bericht des Weltklimarats sieht düster aus. Bis 2100 steigt demnach der Meeresspiegel um einen Meter, wenn sich die Erde weiter erwärmt, Langeoog würde zunehmend überschwemmt. Schmilzt auch noch das Eis in Grönland, könnte es sogar noch schlimmer kommen. Im Video sieht man, welche Gebiete weltweit besonders gefährdet sind.

Langeoog besonders gefährdet

ARCHIV - 22.07.2013, Niedersachsen, Langeoog: Die Luftaufnahme zeigt die ostfriesische Insel Langeoog (Niedersachsen) im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Die neue IPCC-Studie zeigt auf, dass die menschengemachte Erderwärmung Meere und Eisma
Nur die Dünen halten auf Langeoog das Meer ab. © dpa, Ingo Wagner, iwa sv pzi jol js

Professor für Küstenwasserbau Jürgen Hensen betont, dass jeder Küstenbewohner, egal ob auf dem Festland, den Halligen oder auf Inseln vom Meeresanstieg bedroht ist. Laut Hensen hat Langeoog eine besondere Situation „Die Insel hat keinen Deichschutz, sondern wird nur durch die Dünen geschützt.“

Die regelmäßige Erosion hat sich laut dem Experten durch den Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten drastisch intensiviert. Naturangepasste Schutzmaßnahmen wie Sandaufschüttungen und Dünenerhöhung seien hier das notwendige Mittel, um die Insel zu schützen.

„Es ist Handlungsbedarf."

"Wir fühlen uns ein wenig auch ohnmächtig, vor den Gefahren der Zukunft, weil diese Stürme ja zunehmen werden, weil sie höher auflaufen werden und weil wir da als Insulaner keine Chance haben, das alleine in den Griff zu kriegen.", so die Michael Recktenwald.

Jeder darf sich seinen Wohnort selbst aussuchen, sagt das Grundgesetz. Deshalb hat sich die  Familie einer Sammelklage gegen die EU angeschlossen. Die will zwar bis 2030 den Austoß von CO2 um 40 Prozent senken im Vergleich zu 1990. Doch das reicht nicht, sagen die Recktenwalds und ihre Mitstreiter. Sie fordern 50 Prozent weniger. Die Familie mahnt: „Es ist Handlungsbedarf."

In erster Instanz wurde die Klage abgelehnt, Rechtsexperten machen den Recktenwalds auch keine großen Hoffnungen auf Erfolg - aber ein Zeichen setzen sie mit ihrer Klage auf jeden Fall - für ihre Heimat und für unser aller Zukunft.

Auf der Internationalen Konferenz Coastal Structures 2019 geht es um Küstenschutz und Klimawandel.

ARCHIV - Urlauber gehen bei teils sonnigem, teils wolkigem Wetter auf der Nordseeinsel Sylt vor Westerland spazieren (Archivbild vom 01.10.2005). Der Sylter Meeresforscher Karsten Reise will die Nordseeküste an den beschleunigten Anstieg des Meeressp
Die Themen der Konferenz reichen von den neuesten Erkenntnissen über Küstenkatastrophen bis zu innovativen Maßnahmen für den Küstenschutz. © dpa, Kay Nietfeld

Es geht um wichtige Fragen wie: Wie hoch steigt der Meeresspiegel und wie stark und häufig können in Zukunft Sturmfluten werden? Wie können Ingenieurinnen und Ingenieure Küsten und Flussmündungen rund um den Globus vor extremen Einwirkungen sichern? Diese Fragen beschäftigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rund um den Globus. Vom 30. September bis zum 2. Oktober sind etwa 240 internationale Expertinnen und Experten aus 40 Ländern zu Gast am Forschungszentrum Küste der Universitäten Braunschweig und Hannover.