Klimalüge: Ist der Klimawandel nur ein Mythos?

Klimawandel
Treibhauseffekt: Alles nur eine Klima-Lüge? © picture alliance, CHROMORANGE / Ernst Weingartner

Fünf Halbwahrheiten über den Klimawandel

Immer wieder hört man Thesen wie, dass sich der Klimawandel gar nicht voraussagen lässt, dass sich das Klima immer schon verändert hat, wir Menschen einen viel zu geringen Einfluss auf das Klima haben, oder dass es jetzt eh schon zu spät ist für eine Umkehr. Wir haben uns diese Klima-Mythen und ihren Wahrheitsgehalt genauer angeschaut.

Mythos 1 - Menschen haben keinen Einfluss auf den Klimawandel.

Klimaschutz hat keine Auswirkungen auf die weltweiten Temperaturen. Schaut man sich diese Aussage von der wissenschaftlichen Seite an, so scheint einem der CO2-Ausstoß wirklich gering. Denn während die Natur jedes Jahr mehr als 550 Milliarden Tonnen Kohlendioxid freisetzt, sehen die von Menschen verursachten 25 Milliarden Tonnen fast schon gering aus. Der ausschlaggebende, und bei den Klimaskeptikern oft vernachlässigte Unterschied ist jedoch: Das CO2, das auf natürlichem Weg entsteht, wird auch auf natürlichem Weg wieder gebunden. Es lagert sich im Boden, im Meer oder in Holz ein. Im Kohlenstoffzyklus wird ständig zwischen Atmosphäre und anderen Depots wie z. B. Meere, Lebewesen und Böden ausgetauscht. Anders passiert es bei den freigesetzten CO2-Gasen – wenn z.B. Kohle, Öl oder Gas verbrannt werden, setzt dieser Vorgang das eingelagerte CO2 frei und bringt unsere Atmosphäre langfristig durcheinander.

Die Erde wird von einer Hülle umgeben, die fast ausschließlich aus Stickstoff, Sauerstoff und Argon besteht. Kohlendioxid macht nur einen winzigen Teil von 0,04 Prozent aus, der in Teilchen pro Million (parts per million, ppm) angegeben wird. Es ist jedoch das bedeutsamste Treibhausgas und ist für die Stärke des Treibhauseffektes verantwortlich. Vor der Industrialisierung lag der durchschnittliche Monatswert bei 280 ppm, und ist inzwischen auf über 400 ppm gestiegen, die Hälfte davon ist nach 1980 dazugekommen. Zwar ist der Großteil (60 Prozent) für die Erwärmung auf Wasserdampf zurückzuführen, dieser hängt jedoch mit der Durchschnittstemperatur der Erde zusammen und lässt sich daher nicht direkt beeinflussen. CO2 ist also das wichtigste Treibhausgas, das wir direkt beeinflussen können.

Der augenscheinlich geringe Teil in der gasförmigen Hülle ist dafür verantwortlich, dass die globale Mitteltemperatur seit der Mitte des 19. Jahrhunderts schon um 0,85 Grad (Stand 2013) gestiegen ist.

Auf den Punkt gebracht: Würden wir so weitermachen, würde eine Verdopplung der Werte vor der Industrialisierung von 280 auf 560 ppm, laut momentanem Stand der Wissenschaft, zu einer globalen Erwärmung von 3 Grad führen.

Mythos 2 - Meteorologische Vorhersagen sind nicht in der Lage, das Klima in 100 Jahren zu bestimmen.

Das ist, als ob man Äpfel mit Birnen vergleicht, so unser Meteorologe Oliver Hantke. Das eine seien Vorhersagen, die sich mit Wetter, also Wind, Niederschlag und Temperatur zu einem bestimmten Zeitpunkt auseinandersetzen - und bei den Klimamodellen handelt es sich um Prognosen, die eine Zeit von 30 Jahren berücksichtigen. Immerhin hätten sich diese Prognosen in den letzten 15 bis 30 Jahren – leider - auch einigermaßen bestätigt. Klima beschreibt einen Durchschnitt aus mindestens 30 Jahren. Verändern sich die Rahmenbedingungen, so kann man anhand von statistischen Daten daraus ablesen, dass sich das System in eine bestimmte Richtung verschiebt. Es gibt weltweit ungefähr 20 Modelle (die wichtigsten beim Hadley Center in Großbritannien und am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg), die immer wieder abgeglichen werden.

Mythos 3 - Das Klima hat sich immer schon verändert

Ja, das stimmt – aber nun kommt das ABER: Das Klima hat sich immer durch Veränderung der Strahlenbilanz verändert. Die Gründe dafür sind variabel: Die verschiedenen Eiszeiten waren das Ergebnis der Erdbahnzyklen, die warme Kreidezeit entwickelte sich aufgrund hoher Kohlendioxid-Werte, als sich die Erdplatten verschoben hatten. Und nun stehen wir vor der selbstgemachten Klimaveränderung wiederrum wegen zu hoher Kohlendoxid-Werte. Wir können sicher sein, dass jetzt, wo der Mensch in die Strahlungsbilanz stark eingegriffen hat, das Klima wieder reagiert. Jedes Jahr lassen wir künstlich so viel vom Treibhausgas CO2 frei, wie sich vorher in hunderttausenden von Jahren natürlich in Kohle und Öl abgelagert hat. Und Menschen, Pflanzen und Tiere haben, anders als damals, keine Zeit sich auf die Veränderungen einzustellen. Dazu kommt, dass es damals keine 7,28 Menschen gab, die Wasser und Nahrung brauchen.

Mythos 4 - Auch Wissenschaftler glauben nicht daran, dass wir Menschen an der Klimaveränderung Schuld sind.

Ja, auch das stimmt – aber es sind nur verschwindend wenige und die meisten Wissenschaftler sind von der menschlichen Veränderung des Klimas überzeugt. Der Weltklimarat (IPCC) ist dabei äußerst korrekt und lässt keine Meinung ungeprüft. Die UN-Organisationen für Meteorologie (WMO) und Umwelt (UNEP) lassen alle Kollegen an den Reports mitschreiben. Der letzte und fünfte Sachstandsbericht wurde 2013 und 2014 erstellt. Der nächste soll spätestens im Jahr 2022 erscheinen. 2500 Wissenschaftler, über 800 Autoren und 450 Redakteure aus 130 Ländern arbeiteten über mehrere Jahre an dem Report. Ein Verfahren, das beispiellos ist und sich rühmen kann neutral zu arbeiten.

Aber ja, es gibt auch Klimaskeptiker. Die Reihen dieser Zweifler haben sich jedoch in den letzten Jahren, aufgrund immer deutlich werdenden Beweisen, gelichtet. Viele der Experten, die am menschengemachten Klimawandel zweifeln, stehen im Vertrag mit der Öl- und Kohleindustrie. Ganz aktuell wurde bekannt, dass der Ölkonzern Exxon 31 Millionen Dollar dafür ausgegeben hat, um die Klimawissenschaft zu diskreditieren. Die US-Behörden ermitteln derzeit.

Mythos 5 - Jetzt ist eh schon alles zu spät. Die Politik kann am Klima nichts ändern.

Die Gletscher schmelzen rasant, Grönland verliert in rasantem Tempo sein Festlandeis, der Meeresspiegel steigt. Anscheinend passiert alles noch viel schneller, als es Modelle prognostiziert haben. Eine Tatsache, die es umso wichtiger macht, nun endlich zu reagieren. Wie vorher schon erwähnt, hat sich die Erde (bis 2013) in 150 Jahren um 0,85 Grad global erwärmt. Atmosphäre und Ozeane sind träge, daher ist ein weiterer Anstieg gar nicht mehr aufzuhalten. Laut dem Weltklimarat IPCC sind es im besten Falle 1,8 Grad, in den schlimmsten Szenarien sogar 6 Grad, die sich unsere Erde weiter erwärmt. Laut dieser Zahlen ist eine Erwärmung von knapp 2 Grad eh nicht mehr zu verhindern. Wird es noch wärmer, sind die Folgen kaum mehr abzusehen. Also bleibt uns jetzt nur noch, schnell die Reißleine zu ziehen.

Amelie von Kruedener