Schluss mit Abholzung für den Konsum

Neues EU-Gesetz soll Amazonas besser schützen

von Christian Häckl und Letizia Vecchio

In einer globalisierten Welt ist vieles komplizierter geworden – besonders der Konsum. Selten kann man sich ganz sicher sein, ob das, was man isst, trinkt oder auf der Haut trägt, dem Planeten nicht in irgendeiner Weise geschadet hat. Und das fängt schon beim Frühstück an – bei der Tasse Kaffee oder dem süßen Kakaoaufstrich. Oft wird für den Anbau dieser Produkte nämlich Regenwald abgeholzt. Ein neues Gesetz der EU will genau das ändern.

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Gesetz soll bereits Ende 2022 in Kraft treten

Brasilien, Jaci Parana: Eine Luftaufnahme von Holzbrettern, die aus dem abgeholzten Amazonas Regenwald stammen.
Die "grüne Lunge" des Planeten wird abgeholzt - für den Anbau von Soja, Getreide oder die Fleischproduktion.

Kaum zu glauben! Die Europäische Union, und damit letzten Endes auch wir Verbraucher, sind durch den Import von Waren wie zum Beispiel Fleisch, Soja, Kakao und Kaffee für 10 Prozent der Zerstörung von Tropenwäldern verantwortlich. Paradox, wenn man überlegt, dass genau diese im Kampf gegen die Klimakrise unersetzlich sind. Das hat auch die EU erkannt – und ist derzeit dabei, ein Gesetz zu verabschieden, was genau das in Zukunft unterbinden soll. Pressereferent Thilo Kunzemann geht davon aus, dass das Gesetz hierfür bereits Ende 2022 in Kraft treten könnte.

Nicht nur Fleisch, Kakao und Kaffee sollen kontrolliert werden

Die EU will also den Import von Gütern verbieten, die auf Flächen angebaut oder produziert werden, für die tropischer Regenwald weichen musste. „Zusätzlich sollen auch so genannte „degradierte Flächen“ ausgenommen werden. Das sind beispielsweise große Trockenflächen südlich des Amazonas, die für Monokulturen genutzt werden“, erklärt Thilo Kunzemann.

Die EU-Komission will das Verbot auf auf Rinder, Kakao, Kaffee, Palmöl, Soja und Holz beschränken – das EU-Parlament will es auf Schweinefleisch, Schafe und Ziegen, Geflügel, Mais und Kautschuk sowie Holzkohle und bedruckte Papierprodukte ausweiten. Was am Ende dann tatsächlich auf der roten Liste landet, wird derzeit noch verhandelt.

Kontrolle durch Geo-Tracking

Dichte Vegetation im Amazonas Regenwald, Tambopata Naturschutzgebiet, Madre de Dios, Peru / Dense vegetation of the Amazon rain forest, Tambopata National Reserve, Madre de Dios, Peru
Selten gewordene Bilder: Ein intakter Regenwald, hier im Naturschutzgebiet Tambopata im Amazonas.

Bleibt natürlich noch die Frage der Kontrolle – denn woher soll man wissen, ob die Produkte wirklich nachhaltig im Sinne des Regenwalds angebaut worden sind? „Dafür gibt es verschiedene Kontrollmechanismen. Beispielsweise über Geo-Tracking. Man kann dann über GPS schauen, wie es genau in der Anbauregion aussieht“, so Kunzemann. Das sei relativ einfach. Umso aufwendiger ist die Kontrolle über so genannte „Isotopentests“. Hierbei wird das Produkt im Labor auf seine genaue Herkunft hin analysiert. „Die Kontrollen übernehmen die Verbraucherschutzbehörden – das ist natürlich nochmal eine Menge Zusatzarbeit“, erklärt der EU-Experte.

Staaten bekommen Risiko-Rating

Die einfachste Art der Kontrolle ist die Risikobewertung der Länder: Beispielsweise würde ein Land wie Brasilien unter dem eher umweltfeindlichen Präsidenten Bolsonaro die Einstufung „high risk“, also „hohes Risiko“ bekommen. Staaten und Regierungen, die sich verantwortungsbewusster zeigen als „low risk“. „Damit würden intensive Kontrollen nicht mehr so oft nötig“, so Kunzemann.

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(eve, hha)