Klimaschutz digital

Wer das Klima schützen will, muss die Kamera ausschalten

Digitalisierung ist ein Stromfresser

Die Digitalisierung ist eine riesige Herausforderung. Sie ist enorm wichtig und hinkt in Deutschland noch etwas hinterher, aber sie ist alles andere als klimafreundlich. Mehr Daten im Netz verbrauchen mehr Strom. In nur 10 Jahren ist der Stromverbrauch in diesem Bereich um 75 Prozent gestiegen. Was kann man tun? Drei Tipps von Bernd Fuchs im Video.

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Wie grün sind grüne Internetdienste?

Wer bei Ecosia einen Suchbegriff ins Eingabefeld tippt, lässt Bäume in Äthiopien wachsen. Zumindest, wenn man der Eigenwerbung des Anbieters glaubt. Die grüne Google-Alternative ist nicht der einzige Anbieter im Netz, der mit einem nachhaltigen Image um Kunden buhlt. Die Mailservices Posteo und Mailbox.org werben mit Ökostrom, Mailbox-Mitarbeiter nutzen laut Website beruflich Bahn oder Car-Sharing.

Geschickte Marketingstrategie oder tatsächlich ein Gewinn für die Umwelt? Solche Unternehmen seien ein Beispiel dafür, dass „umweltschonende Konzepte marktfähig sind“, sagt Marina Köhn vom Umweltbundesamt (UBA). Auch Greenpeace schätzt die Strategien grüner Internetdienste als sinnvoll ein. Die Umweltorganisation bietet Verbrauchern abseits des Nischenmarktes im Clicking Clean Report außerdem einen Überblick, welche Internetunternehmen die größten Umweltsünder sind (Anm. d. Red.: letzter Report von 2017).

Streaming treibt den Stromverbrauch in die Höhe

Digitalisierung und Klimaschutz passen nicht zusammen.
Wie kann ein so kleines Smartphone schlecht fürs Klima sein?

Die größten Stromfresser im Netz sind Streamingdienste. „Wir wissen, dass das Ansehen von Filmen über Videostreaming, Youtube und ähnliche Videoplattformen für etwa 70 bis 80 Prozent des gesamten Datenverkehrs verantwortlich ist“, rechnet Köhn vor. Der globale Verbrauch aller Rechenzentren wurde laut einer UBA-Studie 2014 auf weit über 300 TWh pro Jahr geschätzt und steigt ständig.

Label für die Umwelt

Dem umweltbewussten Verbraucher helfen unter anderem Label, die auf Ökostrom, also auf nachhaltige Stromerzeugung hinweisen. In Deutschland gibt es knapp 20 davon. „Alle Label dieser Art verlangen, dass wirklich 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien oder vergleichbaren CO2-neutralen Quellen, wie etwa Gas aus Mülldeponien, erzeugt wird", sagt Roman Bansen vom Branchenverband Bitkom. Grüne Internetanbieter, E-Mail-Dienstleister, Hoster oder Suchmaschinen erkennt man zum Beispiel am Ökostrom-Label „Grüner Strom" oder ok-Power“.

Außerdem gibt es das Label „The Gold Standard“ bei einigen Diensten, die mit Ausgleichszahlungen ihren Treibhausgasausstoß kompensieren. Das hat laut Bansen aber eine deutlich geringere positive ökologische Wirkung. „Die Hauptbelastung liegt beim Stromverbrauch“, ergänzt Elke Mohrbach vom Umweltbundesamt. Sparmaßnahmen seien daher höher einzuschätzen als die Verwendung von Ökostrom. Stichwort: Energieeffizienz. Auch hierfür gibt es ein Label, den „Blauen Engel“.

Halten die Label, was sie verprechen?

Das Problem: Wenn Unternehmen nicht offensiv damit werben, ist für Verbraucher kaum nachzuvollziehen, wo der Strom herkommt - genauso wenig, inwiefern Nachhaltigkeitsversprechen auch tatsächlich eingelöst werden. Die Experten sind sich aber einig, dass die Verlässlichkeit solcher Werbeversprechen grundsätzlich hoch einzuschätzen ist.

Laut Greenpeace-Sprecher Niklas Schinerl ist außerdem davon auszugehen, dass die Betreiber rein aus ökonomischen Gründen ein Interesse an sparsamem Stromverbrauch haben. Und auch die User können etwas tun: Zum Beispiel nicht alle paar Minuten das Smartphone nach Nachrichten checken.

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(dpa)