Karneval im Sturm: Wer über die Absage des Rosenmontagzuges entscheidet

Kriege, Verbote und Unwetter

Es kommt nicht häufig vor, dass in Deutschlands Karnevalshochburgen der Rosenmontagszug ausfällt. Kriegswirren, Verbote durch die preußische Regierung oder Besatzungsmächte, die Weltwirtschaftskrise oder Unwetter waren bisher die Gründe. Stürme waren vor allem in den vergangenen Jahren häufig im Gespräch und bedrohten die Karnevalsumzüge. Für den Karnevalsbeginn an Weiberfastnacht und am Freitag sieht es mit den Wettervorhersagen noch recht gut aus. Die Wetterprognosen für das Wochenende und den Beginn der darauffolgenden Woche, sehen hingegen sehr ungemütlich aus und lassen eine Absage des Rosenmontagszuges zumindest in den Bereich des Möglichen rücken. Doch wer entscheidet das und wann?  

ARCHIV - 08.02.2016, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Narren flüchten am Rosenmontag in Düsseldorf vor Regen und Sturm. 2016 hat Düsseldorf wegen eines heftiger werdenden Sturms kurzfristig den Rosenmontagzug abgesagt. In diesem Jahr könnte Tief «Ben
Ab Samstag könnte es für die Freunde von Karneval und Fasching etwas windig werden. © dpa, David Young, fg jhe aba nic

Risikofreude mit Sonne belohnt

Dass 1991 wegen des Golfkrieges der Rosenmontagszug in den meisten Karnevalshochburgen ausfiel, dürfte noch bekannt sein. Dass es in Köln im Jahr zuvor auch fast zur Absage gekommen ist, dürfte einigen vielleicht nicht mehr allzu präsent sein. Orkantief „Vivian“ stürmte über Deutschland. Die Kölner ließen sich zwar trotzdem nicht bändigen und warteten mit einer abgespeckten Version ihres Zuges auf, die Düsseldorfer sagten ihren Zug jedoch ab.

Ähnlich war es 2016. Sturmtief „Ruzica“ hatte den Westen fest im Griff. Düsseldorf und Mainz hatten ihre Züge schon abgesagt, die Kölner gingen das Risiko ein und wurden mit Sonnenschein belohnt. In Bonn und Aachen gingen die Züge auch los. Die Karnevalisten trotzten dort dem Regen. Andere Städte wie Essen, Duisburg, Dortmund oder Münster folgten dem Düsseldorfer Beispiel und sagten ebenfalls ihre Züge ab. Die Häme über die Absage in Düsseldorf ließ im Netz nicht lang auf sich warten.

Sicherheit geht vor

In Köln entscheidet das Festkomitee Kölner Karneval über mögliche Absagen des Rosenmontagzuges. Pressesprecherin Tanja Holthaus erklärte, wie man auf einen möglichen Sturm reagieren könne: „Wir haben viele verschiedene Optionen auf einen Sturm zu reagieren — Wagen mit großen Aufbauten wegzulassen, Planen von den Tribünen zu holen, Fahnen und Kinder nicht mitzunehmen. Wir können am Montag-Morgen sogar noch entscheiden auf die Wagen im Zug zu verzichten und den Zugweg zu Fuß zu gehen. Das können wir individuell nach Wetterlage entscheiden.“ Ob Pferde im Zug mitgehen, müsse allerdings schon am Sonntag entschieden werden, um ihnen die Anfahrt zu ersparen. So geschehen auch am Rosenmontag 2019, als Sturmtief „Bennet“ den Jecken und Narren das Karnevalsleben schwer machte. Da wurde auf Pferde, Kutschen und Großfiguren verzichtet — Seitenwände an den Tribünen wurden abmontiert. 

Alle Entscheidungen werden in enger Abstimmung mit den Behörden getroffen und die Sicherheit steht an erster Stelle“, sagt Holthaus weiter. Wie auch immer das Festkommitee spätestens am Rosenmontag entscheidet, den Karnevalisten ist zu wünschen, dass das Wetter die bisherigen Prognosen nicht wahrmacht.