Die Ahr transportierte so viel Wasser wie der Rhein

Fluten an Ahr und Erft im Juli 2021: Welche Rolle spielte der Klimawandel?

Klimawandel verstärkt solche Ereignisse und macht sie auch häufiger

Der Schock über die Fluten an der Ahr und der Erft sitzen den betroffenen Menschen natürlich noch tief in den Knochen. Die Zerstörung war beispiellos und sehr großräumig verglichen mit anderen Sturzfluten. Das wirft natürlich die Frage auf, welche Rolle der Klimawandel bei dieser Katastrophe gespielt hat.

Ein Team von 39 Wissenschaftlern, die der „World Weather Attribution“-Initiative angehören, versucht auf diese schwierige Frage eine Antwort zu finden. Kurz gesagt: Der Klimawandel verstärkt solche Ereignisse und macht sie auch häufiger. Bei steigenden CO2-Emissionen und einem weiteren Temperaturanstieg wird es also immer öfter zu solchen Starkregenfällen kommen.

Klimawandel verschärft die Gefahr - Wissenschaftler sehen dringenden Handlungsbedarf

Nach dem Jahrhunderthochwasser in der Eifel durch heftige Regenfälle und Dauerregen mit Überschwemmungen und Überflutungen laufen die Aufräumarbeiten im Ahrtal.
Selbst Industrieländer können sich vor solchen Naturgewalten zunehmend schlecht schützen, o die Meinung der Wissenschaftler*innen. © imago images/Future Image, Christoph Hardt via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Enno Nilson vom Bundesanstalt für Gewässerkunde gibt Einblick in das, was an der Ahr am 15. Juli passierte. „Wir haben zu wenig Daten, was auch daran liegt, dass das Wetterereignis unsere Messgeräte zerstört hat. Nur so viel: Für eine kurzen Moment floss über die Ahr so viel Wasser ab, wie der Rhein normalerweise abtransportiert“.

Die Ahr wurde also sozusagen zum größten Fluss Deutschlands. Unvorstellbar, wenn man das Flüsschen sonst gemächlich fließen sieht.

Lisa Thalheimer vom Environmental Change Institute in Oxford fasste es kurz zusammen: „Die Regenmengen waren weit größer als die früheren Rekorde.“ Was aber bedeutet das in der Wirkung des Klimawandels?

Dr. Friederike Otto vom Environmental Change Institute in Oxford leitete die Studie und sagte, die Wissenschaft lasse keine Zweifel: „Durch die Überschwemmungen wurde deutlich, dass selbst Industrieländer nicht vor den schweren Auswirkungen solcher Extremwetterereignisse geschützt sind und dass sich dies mit dem weiteren Klimawandel noch verschärfen wird. Das stellt für uns alle eine globale Gefahr dar, der wir dringend Einhalt gebieten müssen.“

In wärmerer Luft sind größere Niederschläge möglich

Bad Neuenahr-Ahrweiler Flutkatastrophe im Ahrtal, Bad Neuenahr
Die Zerstörung an der Ahr ist beispiellos. Für die forscher ist klar: Der Klimawandel verstärkt solche Ereignisse und macht sie häufiger. © imago images/Eibner, Joerg Niebergall/Eibner-Pressefo via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Dr. Frank Kreienkamp, der Leiter des Regionalen Klimabüros in Potsdam, erklärt den Klimawandel schlichtweg physikalisch: „Die erhöhte Temperatur in der Atmosphäre führt einfach dazu, dass die Wahrscheinlichkeit von Starkregenereignissen größer wird. Wir sind da generell sehr, sehr konservativ und zurückhaltend, aber die Tendenz ist klar“, erklärte er.

Einfach und kurz ausgedrückt heißt das: Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Und die muss sich irgendwo abregnen.

Kreienkamp und die anderen Wissenschaftler blickten für die Studie in die Vergangenheit und kamen zu folgendem Schluss: „Wieder einmal zeigte sich im Jahr 2021, dass die Schäden und negativen Auswirkungen der aktuellen, durch den Klimawandel verstärkten Extremwetterereignisse die Auswirkungen früherer Unwetter seit Beginn der Aufzeichnungen bei Weitem übersteigen können. Sie können überall auftreten und starke Schäden sowie menschliche Verluste verursachen.”

39 Wissenschaftler haben an der Studie der "World Weather Attribution“-Initiative mitgewirkt

An der „World Weather Attribution“-Initiative haben 39 internationale Wissenschaftler*innen von 22 Institutionen wie dem Deutschen Wetterdienst (DWD), der Universität Oxford, der ETH Zürich und dem britischen Met-Office mitgewirkt.

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(osc)