Auf dem Pfad von 2018/19

NOAA-Prognose: Dürre verschärft sich folgenschwer

von Paul Heger

Dürremonitor für Deutschland
Deutschland brennt - so sieht es jedenfalls auf dem Dürremonitor aus. Überall fehlt Wasser. So, wie schon 2018 und 2019.

Derzeit wird viel über die anstehende Hitze gesprochen und das Thema Dürre kommt deutlich zu kurz. Dabei verursacht sie schon diverse Probleme und die Lage wird sich weiter verschärfen. Erinnerungen an die Dürresommer 2018 und 2019 werden wach und die Sorgen sind begründet, denn die Ausgangslage ist ähnlich angespannt wie damals.

Ausgangslage: „Außergewöhnliche Dürre“ in vielen Regionen

Der letzte Monat, in dem die Speicher auch in tieferen Bodenschichten aufgefüllt werden konnten, war der Februar 2022. Im März wurde dieser „Erfolg“ der Natur aber schon wieder zunichte gemacht, denn der war einer der trockensten seit Messbeginn 1881. Tatsächlich fiel im Osten an einigen Stationen kein einziger Liter Regen.

Der April verlief zwar wieder etwas besser und im Deutschlandmittel waren wir fast im Soll. Mai und Juni machten das mit deutlich negativen Abweichungen jedoch wieder zunichte. Und so verwundert der Blick auf den Dürremonitor dieser Tage nicht. Bis auf wenige Regionen sprechen wir in ganz Deutschland von einer Dürrelage im Gesamtboden (bis 1,8 Meter Tiefe). In den rotbraunen Regionen herrscht sogar eine „außergewöhnliche“ Dürre, wie es sie von 1951 bis 2015 so gut wie nie gab.

Erschreckend ist vor allem der Vergleich mit den heftigen Dürrejahren 2018 und 2019. Die Ausgangslage Anfang Juli ist mit diesem Jahr durchaus vergleichbar. Zwar unterscheiden sich die Regionen etwas, aber die Intensität der Dürre für ganz Deutschland betrachtet, ist ähnlich heftig.

Aussichten: Verschärfung der Dürre vorprogrammiert

Der Blick in die nahe Zukunft ist staubtrocken. Die kommende Hitze wird weiter Feuchtigkeit aus dem Boden saugen und abgesehen von lokalen Unwettern sind in der Fläche keine nennenswerten Niederschläge in Sicht. Dabei bräuchte es genau die langanhaltenden mäßigen Regenfälle, die auch tief in den Boden eindringen können. Und das immer und immer wieder.

Blickt man auf das experimentelle Langfristmodell der NOAA (amerikanische Wetterbehörde), dann staut man nicht schlecht. In braun und dunkelbraun gefärbt sind riesige negative Niederschlagsabweichungen zu sehen. Rechnet man die Zahlen in dieser Berechnung hoch, dürfte den gesamten Monat kaum noch etwas fallen. Und bisher gab es im Juli nur an einem Tag wirklich nennenswerte Niederschläge und das auch nur in der Nordosthälfte.

Dürre zu jeder Jahreszeit

Der Höhepunkt der Dürre 2018 fand übrigens erst im Dezember statt, weil bis dahin zu wenig Regen gefallen ist. Wir beobachten einen generellen Trend mit mehr stabilen Hochs, auch im Herbst. Dadurch verlängert und verschärft sich eine Dürrelage. Umso wichtiger sind die Regenfälle jetzt im Sommer.

Lese-Tipp: Die aktuelle Hitzewelle im Live-Ticker

Das Wasser fehlt überall, auch im Brunnen

NOAA-Berechnungen, Niederschlagsabweichung Juli 2022
Berechnungen des Amerikanischen Langfristmodells NOAA mit einem deutlich zu trockenem Juli in Mitteleuropa.

Auch die Landwirtschaft fürchtet eine Trockenheit wie 2018, wo ganze Felder einfach verdorrt sind und große Ernteausfälle zu beklagen waren. Existenzen von Landwirten und Landwirtinnen standen auf dem Spiel und der Staat musste mit großen Finanzspritzen helfen. Kommt in den kommenden Wochen kein Regen, droht regional eine ähnliche Lage.

Der Wald leidet ebenso unter der Trockenheit. Auch wenn Bäume im Wald nicht immer sofort vertrocknen und absterben, so sind sie geschwächt und anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer oder auch für Stürme durch Gewitter oder kräftige Tiefs im Herbst und Winter.

Der Grundwasserspiegel sinkt in manchen Regionen stark und die Entnahme wurde bereits untersagt. Auch die öffentliche Trinkwasserversorgung könnte beim Blick auf die Verschärfung der Dürre wieder in Bedrängnis geraten, so wie auch im Dürre- und Hitzejahr 2019.

Der schneearme Winter belastet Flüsse zusätzlich

Das Wasser fehlt überall, auch in den Flüssen. Die meisten Flüsse führen derzeit weniger Wasser als normal, Tendenz deutlich sinkend. Der Rhein bei Düsseldorf steuert auf einen Pegelstand von nur 100 cm zu. Die Schifffahrt wird bereits Stück für Stück eingeschränkt.

Alpenflüsse wie der Rhein haben in diesem Jahr noch ein anderes Problem. Aufgrund des schneearmen Winters fließt weniger Schmelzwasser als sonst aus den Bergen. Aufgrund des wiederum schon sehr früh sehr heißen Sommers, sind die ohnehin spärlichen Schneevorkommen bereits größtenteils getaut. Nur direkte Gletscheranrainer führen noch recht viel Wasser, weil – und das ist auch keine gute Nachricht – die Gletscher aufgrund der sehr warmen bis heißen Witterung in diesem Jahr stärker schmelzen als ohnehin schon.

Die niedrigen Flussstände führen zu einem weiteren Problem, welches besonders an der Elbe bereits betrachtet wurde: Die Flüsse erwärmen sich schneller. Dazu kommt die Hitze. Steigende Wassertemperaturen reduzieren den Sauerstoffgehalt in den Flüssen. Im Schlimmsten Fall sterben wie auch schon 2018 und 2019 zahlreiche Fische.

Augen auf im Verkehr und im Garten

Gerade mit dem Blick auf die kommenden Tage kommt nun noch der Wind mit ins Spiel. Er kann den sehr lockeren, staubigen Boden schnell aufwirbeln und zu Staubstürmen führen. Gerade im Norden Deutschlands ist das ein Thema, besonders wenn Felder dieser Tage bereits abgeerntet werden. In ländlichen Regionen sollte auf solche Situationen geachtet werden, um Unfälle zu vermeiden.

Der Wind trocknet zusätzlich zur Hitze den Boden aus. Die Waldbrandgefahr steigt in den kommenden Tagen wieder auf Stufe fünf – die höchste Kategorie. Auch hier gilt also erhöhte Vorsicht. Grillen oder das Entzünden von Feuern ist dann strengstens verboten.

Und ja, auch die Gärten leiden aktuell und in Zeiten der Inflation überlegt der eine oder die andere wahrscheinlich, ob man den Garten mit Trinkwasser wässern sollte – verständlich, wenn nicht. Leider brauchen vor allem die Stadtbäumen in den kommenden Tagen und Wochen wohl wieder unsere Unterstützung in Form von einigen Kannen Wasser.

Lese-Tipp: Hitze – So schützen Sie Ihre Pflanzen nachhaltig

Die Tiere nicht vergessen

Vogeltränken helfen den Vögeln während der Hitze.
Vogeltränken helfen Stadtvögeln während der Hitze. Auch die Insekten freuen sich darüber.

Und wir sollten die Tierwelt nicht vergessen. Gerade Vögel finden bei der aktuellen Trockenheit regional schwer Wasser. Eine kleine Schale voll Wasser hilft ihnen ungemein und tut dem Geldbeutel nicht weh.

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(phe)