Greta Thunbergs Rede in Madrid: "Die Hoffnung kommt von den Menschen"

Greta Thunberg bei der Klimakonferenz: "Es gibt Hoffnung"

Greta Thunberg hat auf der Klimakonferenz in Madrid dazu aufgerufen, den Wandel selbst einzuleiten. "Lasst uns Menschen die Welt verändern. Wir sind dazu bereit", sagte sie bei ihrer Rede, die sie am Mittwochmorgen sehr ruhig vortrug. "Ich habe oft genug die Politik in die Pflicht genommen. Das mache ich heute nicht", sagte sie. "Aber es gibt Hoffnung! Diese Hoffnung kommt aber nicht von der Politik, sie kommt von den Menschen! Die Menschen sind bereit für den Wandel. Dieser Wandel wird aber nicht an den Wahlurnen stattfinden, sondern jede Sekunde in unserem Leben", sagte sie. Der Politik warf sie keine Führung vor, sondern Irreführung. Den Ankündigungen seien keine Taten gefolgt.

Greta Thunberg: "Wir gehen in ein entscheidendes Jahrzehnt"

Thunberg wies in ihrer Rede darauf hin, dass nur noch acht Jahre bleiben, um die Pariser Klimaziele erreichen zu können. "In drei Wochen gehen wir in ein neues Jahrzehnt. Ein Jahrzehnt, dass über unsere Zukunft entscheiden wird." Thunberg legt ihre Hoffnung dabei nicht länger in die Politik. "Es kommt von den Menschen", sagte sie.

Dann präsentierte sie ein neues Bild: "Wenn ein Kind auf der Straße sitzt und ein Auto nähert sich, dann retten wir es von der Straße. Wenn wir in einer Notsituation sind, ändern wir unser Verhalten. Warum tun wir das jetzt nicht?" Da die Politik sich nicht ändere, müssten eben die Menschen die Veränderung vornehmen.  

Video: Faktencheck Klimawandel

Klimaforscher Johan Rokström: "Uns bleiben noch acht Jahre"

Johan Rokström, der Leiter des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) hatte kurz vor Gretas Rede noch einmal mit eindrücklichen Fakten auf den Ernst der Lage hingewiesen. "Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind mittlerweile so sicher, dass wir sagen können, uns bleiben noch acht Jahre. Acht Jahre, in denen wir verhindern können, dass die Lage außer Kontrolle gerät. Es gab im Jahr 2019 12.000 Extremwetter. Es hängt alles miteinander zusammen. Wenn das Süßwasser in Grönland schmilzt, kann das Auswirkungen auf den Monsun haben oder auf die Regenfälle in der Sahelzone!"

Schon am Vortag hatten Wissenschaftler und wichtige Politiker mehr Tempo bei den Verhandlungen angemahnt. "Von meinem Job her und auch persönlich kann ich nur eine Botschaft an die Verhandlungsdelegationen geben: Wir brauchen eure Führungskraft. Denn wir haben keine Zeit mehr", forderte die Chefin der Klimakonferenz, die Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention, Patricia Espinosa.

Australische Aktivistin: "Meine Freunde haben ihre Häuser verloren. Andere sogar ihr Leben"

Zuvor hatte einmal mehr Petteri Taalas, der Generalsekretär der "Weltorganisation für Meteorologie" (WMO) seine Warnung in den Raum gerufen: "Die Erderwärmung geht weiter. Die Durchschnittstemperatur auf der Erde ist um 1,1 Grad angestiegen. Die Meere sind ein halbes Grad wärmer. 220 Millionen Menschen litten letztes Jahr unter Hitzewellen, wir erleben, dass wieder mehr Menschen unter Hunger leiden. Mehr als 800 Millionen Menschen auf der Erde haben nicht genug zu essen", so Taalas. 

Emotionale Appelle gab es auch von jungen Frauen, die der "Friday for Future"-Bewegung angehören. "Meine Freunde haben ihre Häuser verloren. Andere sogar ihr Leben. Aber unsere Regierung macht nur weitere Rückschritte", rief die Australierin Daisy Jeffrey. Ihre kenianische Kollegin sagte, in Kenia würde mittlerweile fast jeder unter dem Klimawandel leiden. "Aber wir ignorieren das Problem einfach immer weiter", so die Aktivistin Elizabeth Wanjiru Wathuti.