Klimawandel bedroht Inselstaat

Steigender Meeresspiegel: Fidschi-Dorf versinkt im Wasser

von Zarah Reinders

Der Klimawandel ist auf den Fidschi-Inseln deutlich zu spüren. Hier sucht sich das Meer langsam, aber sicher seinen Weg ins Landesinnere. Schwere Stürme und Erosion besorgen die Bewohner des Inselstaates zunehmend und tragen immer mehr Landmasse ab.

Klimawandel hat Sand weggeschwemmt

Normalerweise ist der Sandstrand von Namatakula eine Talentschmiede für Rugby-Spieler. Nachwuchsstars trainieren hier für ihren großen Durchbruch. Doch der Anstieg des Meeresspiegels aufgrund des Klimawandels hat den Sand weggeschwemmt, starke Wirbelstürme haben für Verwüstung gesorgt. Mittlerweile ist der Strand bedeckt mit großen Steinen und Felsbrocken, um das Dorf vor der nächsten großen Welle zu schützen. „Ich habe wirklich Angst vor dem, was in den nächsten Jahren passiert. Was wird für die nächsten Generationen noch da sein? Ich mache mir wirklich Sorgen wegen unserer Nachkommen, unserer Kinder, unserer Enkel“, so der 43-jährige Dorfvorsteher Josevata Nagausaukula.

Dorfvorsteher von Namatakula, Josevata Nagausaukula, am Strand mit Kindern, Namatakula, Fidschi
"Vorher war es reiner Sand, nur Sand, keine Felsen, keine kleinen Felsen wie hier. Früher war das hier ein Spielplatz. Nur wegen des Klimawandels und des Anstiegs des Meeresspiegels wurde er weggespült."

Meeresspiegel steigt pro Jahr um 3,1 Millimeter

Bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts sei der Meeresspiegel um 20 Zentimeter angestiegen, schreibt das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Grund dafür seien zum einen die höheren Temperaturen, die immer mehr Gletscher schmelzen lassen, deren Wasser dann in die Ozeane fließt. Zum anderen vergrößert sich das Volumen des Wassers mit jedem Grad, um das es sich erwärmt.

Der Copernicus-Meeresumweltüberwachungsdienst schreibt in seinem fünften Bericht, dass der Meeresspiegel pro Jahr weltweit bis zu 3,1 Millimeter steigen wird. Bis Ende des Jahrhunderts erwartet der Weltklimarat einen Anstieg zwischen 26 und 98 Zentimeter. Bei Inseln, die teilweise nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegen, würde dann bis zu einem Meter Landmasse fehlen. Nach Schätzungen der London School of Economics könnten von den 10 Millionen Menschen, die auf den pazifischen Inseln leben, bis zum Jahr 2050 bis zu 1,7 Millionen aufgrund des Klimawandels vertrieben werden.

Das Innere des Dorfes Namatakula überflutet, am 9. Juli 2022.
Am 9. Juli stand das Meerwasser erneut nach einer hohen Springflut im inneren des Dorfes Namatakula.

Fidschi-Dörfer werden umgesiedelt

Es ist fraglich, wie lange es das Dorf Namatakula noch geben wird. Seit 2021 gilt auf den Fidschi-Inseln der Klimanotstand, bis Ende 2022 laufen wissenschaftliche Untersuchungen, welche Dörfer besonders gefährdet sind. Diese werden dann bei einer Umsiedlung bevorzugt behandelt. Mehrere fidschianische Dörfer wurden bereits wegen des steigenden Meeresspiegels oder extremer Wetterbedingungen umgesiedelt, oder haben sich für eine Meeresmauer entschieden.

Dass auch Namatakula bald umgesiedelt werden muss, wäre für die dortigen Einwohner keine Überraschung. Für sie steht aber fest: „Wir wollen unser Dorf nicht verlassen. Wir würden wohl unsere Kultur verlieren. Und das wollen wir nicht“, erklärt Nagausaukula. „Namatakula ist mein Zuhause. Es gibt keinen anderen Ort als mein Zuhause.“

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(zre mit reuters)