Schifffahrt kommt ans Ende

Kein Regen, viel zu trocken - der Bodensee hat Niedrigwasser

von Carlo Pfaff und Oliver Scheel

Der Sommer am Bodensee ist doch eigentlich die schönste Zeit. Aber in diesem Jahr blicken viele, die am und vom See leben, mit einem Stirnrunzeln Richtung Wasser. Denn das „Schwäbische Meer“ hat derzeit sehr wenig Wasser. So wenig, dass in manchen Bereichen die Saison für Bootsfahrten auf dem See schon jetzt beendet wird, anstatt wie üblich im September oder Oktober. In der Schweiz musste auch die Schifffahrtsstrecke zwischen Rorschach und Rheineck wegen des Niedrigwassers eingestellt werden.

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Ein Meter weniger als normal

22.07.2022, Baden-Württemberg, Friedrichshafen: Wegen des niedrigen Wasserstandes im Bodensee kommt es zu ersten Problemen im Schiffsverkehr. Sogar der Niedrigwasser-Rekord für die Jahreszeit könnte bald fallen. (zu dpa «Niedrigwasser am Bodensee ber
Niedrigwasser am Bodensee bereitet Schiffen erste Probleme

Welcher Wasserstand wäre denn eigentlich jetzt normal? Fragen wir doch unseren wetter.de-Meteorologen Carlo Pfaff:

„Am Bodensee wird derzeit ein ungewöhnlich niedriger Pegelstand gemessen. Er liegt fast einen Meter tiefer als zu dieser Jahreszeit üblich und nur etwa 20 Zentimeter vom historischen Tiefstand für Ende Juli entfernt. Grund dafür ist das nur geringe Ausmaß des Schmelzwassers aus den Alpen, wo im Winter viel zu wenig Schnee lag. Außerdem war es auch hier sowie im Einzugsbereich des Bodensees bislang deutlich trockener als normal, sodass der Rhein aus den Alpen nur wenig Wasser in den See transportiert.“

Am Pegel in Konstanz wurde an einem 25. Juli zuletzt im Jahre 2006 ein noch niedriger Bodenseewasserstand gemessen.

Ein paar Fakten über den Bodensee

22.07.2022, Baden-Württemberg, Friedrichshafen: Wegen des niedrigen Wasserstandes im Bodensee kommt es zu ersten Problemen im Schiffsverkehr. Sogar der Niedrigwasser-Rekord für die Jahreszeit könnte bald fallen. (zu dpa «Niedrigwasser am Bodensee ber
Der Bodensee ist in diesem Sommer auf dem Rückzug. So tief stand er zuletzt 2006.
  • Der Bodensee ist Deutschlands größter See. Aber auf der Liste der größten Seen Europas liegt er mit 536 Quadratkilometern gerade einmal auf Rang 39 hinter dem Plattensee und dem Genfer See. Damit ist der Bodensee auch nicht der größte See der Schweiz. Geht man aber nach dem Volumen, also dem Wasser im See ist er wesentlich größer als der sehr flache Plattensee. Übrigens: Sechs der zehn größten Seen Europas liegen in Russland.
  • Die Ufer gehören auch Österreich und der Schweiz, aber innerhalb des Sees gibt es tatsächlich keine Grenze. Da herrscht sozusagen Niemandsland.
  • Sollte die gesamte Weltbevölkerung ein Bad im Bodensee nehmen, würde der Pegel des Bodensees um gerade einmal 90 cm ansteigen. Dann hätte er derzeit als wieder einen normalen Pegel.
  • An seiner breitesten Stelle ist der Bodensee 14 km breit und an seiner tiefsten Stelle (zwischen Fischbach und Uttwil) 254 Meter tief.
  • Übrigens sind die Tage des Bodensees gezählt. Er verlandet. Weil der See größtenteils vom Rhein gespeist wird und der jede menge Geröll und Sand mitbringt. Jedes Jahr 2,5 Millionen Kubikmeter! So würde der See normalerweise pro Jahr 2,5 Hektar Fläche einbüßen und in 19.000 Jahren verschwunden sein. Deshalb gibt es Gegenmaßnahmen wie die Dämme bei Fußach in Vorarlberg.
(Quelle unter anderem: bodensee.de)

Paradox: Wegen der krassen Gletscherschmelze ist ein Stausee randvoll

Während Flüsse und Seen Niedrigwasser haben wegen des ausbleibenden Regens gibt es im Schweizer Kanton Wallis ein seltsames Phänomen zu beobachten: Der Stausee Gibidum ist randvoll. Warum? Weil der Aletschgletscher, der größte Gletscher der Alpen, in der Hitze im Rekordtempo dahinschmilzt. An seinem Abfluss in das Flüsschen Massa werden derzeit Rekordwerte gemessen.

Das Wasser der Massa speist nach einigen Kilometern den Stausee. Und der steht nun so hoch wie noch seit Messbeginn im Jahr 1931. Es ist wirklich ein Drama, das sich derzeit in unseren schönen Alpen abspielt.

Wir können es nicht oft genug sagen: Die Klimakrise ist nichts, was uns bevorsteht, sie erwischt uns gerade mit voller Breitseite.

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(apf, osc)