Statt Erdöl: Plastik einfach aus Plastik herstellen

von Claudia Träger

Erdöl sparen durch Recycling von Kunststoff - eine einfache Idee, eine nicht ganz so einfache Sache.
Vor dem Recycling steht die richtige Mülltrennung: Ein Brötchen oder Kartons haben im Plastikmüll nichts zu suchen.

Wieso eigentlich wird nicht sämtliches Plastik wiederverwertet wie beispielsweise Wasserflaschen aus PET auch? Das Problem ist, dass Kunststoffe oft nur dann recycelt werden können, wenn sie sortenrein sind. Plastik ist längst nicht gleich Plastik. Das A und O ist deshalb das Sortieren, sodass die einzelnen Plastik-Sorten getrennt vorliegen und dann einzeln recycelt werden können. Aber da reichen „Gelbe Tonne“ oder „Gelber Sack“ nicht aus. Das Projekt waste4future, das von sieben Fraunhofer-Instituten realisiert wird, will die weggeworfenen Kunststoffe in einen möglichst perfekten Kreislauf zurückbringen. Sogar das im Plastik enthaltene CO2 soll nicht durch Verbrennung in die Atmosphäre gelangen, sondern wiederverwertet werden. Dann wäre zusätzliches Erdöl für die Erzeugung von Plastik überflüssig.

So viel Plastik verbraucht die Welt

Kann Erdöl aus Plastik zurück gewonnen werden? Im Prinzip ja.
So viel Plastik verbraucht die Welt - Quelle: OECD, Global Plastics Outlook (2022)

Es gibt mehr als 200 Arten von Plastik

Auf den ersten Blick ist Müll trennen einfach: Papier in die Papiertonne, Glas in den Container und Kunststoff und Metall in die gelbe Wertstofftonne. Besonders in Sachen Plastik sieht die Sache aber schwierig aus. Will man Kunststoffe wiederverwenden, sollten sie sortenrein sein. Es gibt aber heute mehr als 200 Arten von Plastik.

Abgesehen davon, dass die Trennung der Abfälle in den privaten Haushalten oft als aufwendig angesehen wird, erschweren Verbundwerkstoffe die Mülltrennung. Verbundwerkstoffe bestehen aus verschiedenen Plastiksorten und weiteren Materialien, die eben zuhause nicht einfach zu trennen sind. Was nicht weiter sortiert und recycelt werden kann, landet schließlich in der Müllverbrennung. Laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) stoßen diese Anlagen in Deutschland im Jahr über 9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente aus.

Die Idee: Aus Plastik wird wieder Plastik

Recycling ist aufwendig und immer wichtiger
Recycling ist aufwendig und immer wichtiger

Waste4future will genau diese Verbrennung reduzieren bis verhindern und den im Plastik vorhandenen Kohlenstoff möglichst zu 100 Prozent wiederverwerten. Dazu wird in folgenden Bereichen geforscht.

  • Kunststoff-Erkennung
    Sensoren sollen im angelieferten Müllstrom die unterschiedlichen Materialien identifizieren und ihren Zustand erkennen.

  • Kunststoff-Sortierung
    Ist die Müllart erstmal erkannt, muss sie sortenrein getrennt werden. Auch hierzu forscht waste4future an innovativen Verfahren und intelligenten Sortiersystemen.

  • Werkstoffliches Recycling
    Beim werkstofflichen Recycling werden die Kunststoffe mechanisch bestmöglich voneinander separiert, zerkleinert und gewaschen. Die Kunststoffschnitzel werden geschmolzen und zu Granulat verarbeitet. Problem: Da sie nicht sortenrein sind, ist das recycelte Plastik nicht so vielfältig einsetzbar wie seine Ausgangsmaterialien. Die Verfahren sollen optimiert werden.

  • Chemisches Recycling
    Chemisches oder rohstoffliches Recycling bezeichnet die Umwandlung der Kunststoffe in ihre chemischen Grundbausteine oder Basischemikalien. waste4future will die Verfahren praxistauglich machen.

Dr. Jörg Kleeberg vom Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS sagt: „Durch das chemische Recycling entstehen Rohstoffe, die fossiles Erdöl ersetzen und aus denen wieder Kunststoffe hergestellt werden können. Dadurch können auch Kunststoffabfälle wieder genutzt werden, die momentan in der Verbrennung landen und dort große Mengen CO2 in die Atmosphäre freisetzen.“

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(ctr)