Dauerfrost und unter -20 Grad!

Winter-Prognose: Polarwirbel könnte uns im Januar 2024 bibbern lassen

von Oliver Hantke

Das viel zu milde Wetter um Weihnachten wird uns das wärmste Jahr ever sichern. Doch der kalte Winter gibt sich nicht so leicht geschlagen. Helfen könnte ihm ein Polarwirbel-Split, der uns ein eiskalten Start in das neue Wetterjahr bringen könnte.
Oben im Video: Der aktuelle Temperaturfilm für Deutschland für die nächsten 14 Tage

Winter wird im Januar auf kalt gestellt - schwacher Polarwirbel lässt grüßen

dpatopbilder - 22.12.2022, USA, Minneapolis: Charles Zajicek räumt in der Innenstadt von Minneapolis mit einer Kehrmaschine den Schnee vom Gehweg. Ein arktisches Sturmtief bringt über die Weihnachtstage drastische Temperaturstürze und extreme Kälte in die USA. Foto: Alex Kormann/Star Tribune/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Der Start ins neue Jahr könnte eisig kalt werden.

Die aktuelle Lage macht erstmal keine große Hoffnungen auf ein Winter-Comeback. Aber wenn wir ins neue Jahr schauen, sieht die Sache schon ganz anders aus. Denn derzeit deutet sich eine Wetterumstellung an, die uns eine deutlich kältere Witterungsperiode bringen könnte. Mit von der Partie oder anders ausgedrückt der Auslöser ist der Polarwirbel, der Anfang Januar ins Stocken geraten soll. Und das wiederum heißt für uns, dass sehr kalte Luftmassen arktischen Ursprungs zu uns nach Deutschland geführt werden können.

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Januar-Prognose mit eisigem Kälte-Comeback kältere Periode im Januar

Die Grafik zeigt die Durchschnittstemperatur im Januar 2024 in Deutschland (Stand 22.12.2023)
Der zweite Wintermonat Januar soll deutlich zu kalt ausfallen.

Die aktuelle wetter.de-Januar-Prognose startet zwar noch etwas zu mild, aber ab dem ersten Januar-Wochenende geht es steil bergab mit den Temperaturen. Bis Mitte des Monats liegen wir über 10 Grad unter dem Durchschnitt. Eine richtige kleine Eiszeit könnte drohen. Anfangs fällt wohl auch noch etwas Schnee, so dass es die perfekte Winterlandschaft mit viel Sonnenschein geben könnte. Dauerrost und knackige Nachtfröste von unter -20 Grad könnten aber zu Problemen auf Straßen und Schienen sorgen.

Die zweite Monatshälfte sieht dann wieder etwas milder und wechselhafter aus. Vielerorts könnten aber die Niederschläge, die auch in diesem Monat insgesamt wieder sehr üppig ausfallen wollen, häufig als Schnee und nur kurz mal im Flachland als Regen fallen. Der eisige Einschnitt könnte durch einen gestörten Polarwirbel kommen. Am Ende wäre der Januar 2024 viel zu nass und unterdurchschnittlich temperiert unterwegs – so viel zu den Mittelwerten.

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Viele Vorhersagemodellen unterstützen

Insgesamt lässt sich sagen, dass es auch in anderen Vorhersagemodellen Anzeichen gibt, dass für den Polarwirbel eine große Verschiebung in der Stratosphäre, also der höheren Atmosphäre, bevorsteht. Basierend auf dem, was wir wissen, hat ein schwacher Polarwirbel die Energie, die vorherrschenden Wettermuster in den USA, in Europa sowie im Rest der nördlichen Hemisphäre erheblich zu verändern.

Über Europa sehen die meisten Modelle zwar keine größere Kälteanomalien, aber es wird auch keine starke warme Anomalie vorhergesagt. Und das klingt immerhin schon nach mehr Winter als bisher. Denn wenn man alles in Betracht zieht, zeigt der Januar ein völlig anderes Wettergesicht als der viel wärmere Dezember. Es scheint alles vorbereitet für eine kältere Zeit im Januar – dank des schwächelnden Polarwirbels. Wir bleiben dran.

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Polarwirbel: Darum ist der Tiefdruckwirbel über dem Nordpol so wichtig

Polarwirbel leicht erklärt: Wenn er schwächelt , kann es bis nach Mitteleuropa sehr kalte Witterungsabschnitte geben.
Das steckt hinter einem schwachen Polarwirbel: Eisige Luft kann weit nach Süden, warme Luft weit nach Norden kommen. Ein starker Polarwirbel sorgt dafür, dass die ganz kalte Luft ganz im Norden bleibt.

Der Polarwirbel ist ein Tiefdruckwirbel in der Höhe über dem Nordpol. Sein Gegenstück wirbelt auf der Südhalbkugel über dem Südpol. Für das Winterwetter in Deutschland kann nur der Polarwirbel über dem Nordpol wirksam werden. Er bildet und verstärkt sich im Winter, weil dann im Norden die Sonneneinstrahlung fehlt und die Atmosphäre immer kälter wird. Normalerweise jagt dann die kalte Luft gegen den Uhrzeigersinn von West nach Ost mit ihrem Zentrum über dem Nordpol und kann aus dem Wirbel nicht ausbrechen. Deutschland bekommt dann oft durch westliche bis südwestliche Strömung eher mildes Winterwetter.

Es gibt aber Ausnahmen, beispielsweise durch eine Erwärmung der Stratosphäre, wenn warme Luft vom Pazifik bis in die Polarregion vordringt. Dann schwächt sich die Zirkulation ab, wird instabil und es entstehen Ausbuchtungen oder sogar ein Polarwirbel-Split, die die Kaltluft weit in den Süden der Nordhalbkugel bringen können. Wintervorstöße aus Norden und Osten werden dann in Deutschland wahrscheinlicher.

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(oha)