Dürre, Hitze & unfassbare Rekorde

Das war unser Wetter-Jahr 2019

Das drittwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

Es ist mal wieder ein außergewöhnliches Wetterjahr. Und das gleich in vielerlei Hinsicht. Am prägendsten war sicherlich die extreme Hitzewelle im Juli. Der alte Hitzerekord wurde um mehr als 2 Grad überboten. In der Meteorologie sind das Welten. Außerdem erlebten wir 3 Tage hintereinander Temperaturen jenseits der 40 Grad-Marke. Auch das hat es in Deutschland seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen noch nie gegeben.

Damit ist nun das Wetterjahr 2019 unter die heißesten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gekommen. Platz 3 ist es geworden. An Platz 1 liegt unangefochten 2018 mit einer positiven Abweichung von 2,3 Grad. 

Und hier gibt es jetzt den Schnelldurchlauf durch die vergangenen Monate - beginnend mit richtig viel Schnee.

Januar mit krassen Schneemengen

 13.01.2019, Bayern, Buchenhöhe: Einsatzkräfte der Bundeswehr befreien das Dach eines Wohnhauses von Schneemassen. Die Bundesverteidigungsministerin von der Leyen (CDU) besucht die Operation Schneelage 2019 in Berchtesgaden.
Schneereich startete 2019 - vor allem in den Alpen mit einer entsprechenden Lawinenlage. © dpa, Matthias Balk, mbk cvi sja

Der Jahresbeginn brachte uns jede Menge Tiefdruckgebiete. Und die ließen es regnen und schneien, sodass das Niederschlagssoll am Ende übererfüllt sein sollte. Fast 140% des ansonsten üblichen Niederschlags sind zusammengekommen. Am meisten fiel in den Staulagen der Gebirge. Damit rangiert der Alpenrand ganz vorneweg. Dort fiel fast durchweg Schnee. Und das bescherte den Nordalpen Schneemengen, die in Summe teils über 10 Meter lagen - mit einer entsprechenden Lawinensituation.

Im Anschluss daran setzte sich zur Monatsmitte eine Wetterberuhigung mit zum Teil ziemlich winterlichen Temperaturen durch. Die tiefsten Werte gab es mit -18,6 Grad in Deutschneudorf-Brüderwiese in Sachsen am 21.Januar und mit -18,1 Grad im bayerischen Oberstdorf am 22.Januar.

Unbeständiger mit einer schwankenden Schneefallgrenze ging es dann in Richtung Monatswechsel. Wiederholt mit milderer Luft, die am 27. Januar für die höchste Temperatur des Monats sorgte: 11 Grad in Rheinfelden in Baden-Württemberg.

Klimacheck Januar: 1,1 Grad zu warm, 138 % Niederschlag, knapp 100 %Sonne.

Februar mit Frühlingsluft

Der letzte Wintermonat zeigt ein ganz anderes Gesicht. Unter Hochdruckeinfluss dominierten fast schon frühlingshaftes Wetter mit über 130 Sonnenstunden im Durchschnitt. Das ist fast doppelt so viel wie im Durchschnitts-Februar. Dementsprechend warm war es am Ende auch. Am 27.Februar vermeldeten mehrere Stationen Spitzenwerte jenseits der 21 Grad. Am wärmsten war es in Saarbrücken-Burbach mit 21,7 Grad, oft gab es neue Stationsrekorde im zweiten und dritten Monatsdrittel - sogenannte Dekadenrekorde.

Dass es am Ende nicht für einen neuen Rekord-Februar gereicht hat, liegt maßgeblich daran, dass es auch in der Vergangenheit schon mal sehr mild durch den Februar ging. Vorneweg marschierte der Februar 1990 mit fast 5,5 Grad überm langjährigen Mittelwert. Doch auch die positive Abweichung von 3,7 Grad in diesem Februar ist natürlich alles andere als winterlich.

Klimacheck Februar: +3,7 Grad, 67 % Niederschlag, 172 %Sonne.

März mit Sauwetter

An den zu warmen Temperaturen änderte sich nicht viel. Der März brachte es am Ende auf mehr als 3 Grad nach oben. Damit erlebten wir bereits den 12. zu warmen oder deutlich zu warmen Monat in Folge. Jedoch waren die Wetterlagen ganz andere. Die wettersteuernde Strömung war ziemlich stramm unterwegs und brachte uns immer wieder Tiefdruckgebiete mit teils stürmischen Winden und richtig viel Regen. Die stärkste Windböe gab es am 10. März auf dem Feldberg im Schwarzwald mit 163,8 km/h. Und auch in den tieferen Lagen donnerte der Wind teilweise mit Orkanstärke: 126,4 km/h in Alsfeld oder 123,5 km/h in Leipzig/Halle. 

Direkt im Anschluß folgte auch die nasseste Phase. Am 15.März vermeldeten die Wetterstationen verbreitet eine Tagessumme von 30 bis 90 Litern Regen pro Quadratmeter. Das brachte zwar schon mal eine kleine Entspannung der Trockenheit, die uns ja das Dürrejahr 2018 gebracht hat. Aber bis zu einer nachhaltigen Entspannung sollten wir noch bis zum Herbst warten müssen. Zumal der April direkt mal in eine ganz andere Kerbe schlug.

Klimacheck März: +3,1 Grad, 131 % Niederschlag, 104 % Sonne.

April mit Sommertagen

Grundsätzlich war der April zwar phasenweise wechselhaft. Allerdings hielten sich die Niederschläge sehr in Grenzen, sodass sich die Trockenheit aufs Neue verschärfte. Außerdem gab es viel Sonne und zum Teil bereits 5 oder 6 Sommertage - also mit Temperaturen jenseits von 25 Grad. Am wärmsten war es am 24. April in München und Kitzingen mit 28,1 Grad. 

Den Tiefpunkt des Monats erlebten wir in der Monatsmitte als es zwischen dem 11. und dem 14.April gerne mal für Frost und neue Rekorde im zweiten April-Drittel reichte. Unterm Strich konnte aber auch dieser kühlere Abschnitt nichts daran ändern, dass der April über 2 Grad zu warm ausfiel und dass wir damit den 13. zu warmen Monat in Folge erlebten. Ein absolutes Novum seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

Klimacheck April: +2,3 Grad, 57 % Niederschlag, 143 % Sonne.

Mai mit Bibbergarantie

04.05.2019, Hessen, Ronshausen: Auf dem Rastplatz Ronshausen an der A4 liegt Schnee. Der Schneefall in Hessen setzte in den frühen Morgenstunden ein. Ein von Norden kommende Kaltfront sorgt in fast ganz Deutschland für ein deutlich unterkühltes Woche
Winter statt Wonne. Der Mai 2019 zeigte uns die kalte Schulter und beendete eine Serie von 13 zu warmen Monaten in Folge. © dpa, Bernd März, bernd märz lop

Die überhitzte Phase geht zu Ende. Ausgerechnet der Wonnemonat startet direkt mal mit Polarluft und Schnee bis in die mittleren und unteren Berglagen. Und weil die Kälte bis über die Eisheiligen und die Monatsmitte hinaus anhielt, war der Mai schlussendlich rund 1 Grad zu kalt. Die Anzahl der Sommertage war demzufolge ebenfalls sehr übersichtlich: maximal 1 bis 3 Tage brachte uns der Mai. Häufig fielen die Sommertemperaturen jenseits der 25 Grad sogar komplett aus. An Hitzetage über 30 Grad war gar nicht zu denken und stattdessen bekamen wir eher frostige Nächte mit vielen neuen negativen Dekadenrekorden.

Klimacheck Mai: -1,0 Grad, 116 % Niederschlag, 90 % Sonne.

Juni brachte uns zum Schwitzen

30.06.2019, Niedersachsen, Göttingen: Ein Mann schützt sich am Kiessee mit einem Regenschirm vor der Sonne. Am letzten Juni-Sonntag wird es noch einmal richtig heiß. Der Deutsche-Wetterdienst (DWD) rechnet mit Temperaturen bis 39 Grad. Foto: Swen Pfö
30.06.2019, Niedersachsen, Göttingen: Ein Mann schützt sich am Kiessee mit einem Regenschirm vor der Sonne. Am letzten Juni-Sonntag wird es noch einmal richtig heiß. © dpa, Swen Pförtner, spf lof jol

Der Maikälte folgte ein Juni, der es wirklich in sich hatte. Er holte so ziemlich alles auf, was der Vormonat versäumt hatte. Vor allem in der Osthälfte gab es recht verbreitet 24 bis 28 Sommertage mit mehr als 25 Grad. In Coschen in Brandenburg erlebten die Menschen sogar 16 Hitzetage mit über 30 Grad. Somit lag auch die bundesdeutsche Hitzespitze im Osten. Die bisher höchste Temperatur in einem Juni wurde am 30.Juni mit 39,6 Grad in Bernburg an der Saale vermeldet. Der alte Rekord lag übrigens bei 38,5 Grad. Zudem wurden besonders im letzten Junidrittel zahlreiche Rekorde an verschiedenen Wetterstationen gemeldet. 

Unterm Strich sorgte die Hitze dafür, dass wir in diesem Jahr den heißesten Juni seit Aufzeichnungsbeginn erlebt haben. Ein Plus von 4,5 Grad. Das war sogar noch heißer als im Fabelsommer 2003. Damals brachte es der Juni auf ein Plus von 3,9 Grad. Gleichzeitig sorgten Hitze und Sonne sowie nur 2/3 des ansonsten üblichen Regens im Juni für eine weitere Verschärfung der Dürre.

Klimacheck Juni: +4,5 Grad, 67 % Niederschlag, 149 % Sonne.

Juli erst kalt, dann heiß

Hitzewelle in Deutschland Die Sonne scheint am 06.08.2018 über einer vertrockneten Sonnenblume auf einem Feld bei Bad Homburg., Bad Homburg Deutschland *** Heatwave in Germany The sun shines on 06.08.2018 over a withered sunflower on a field at Bad H
Selbst den Sonnenblumen ist es zu heiß und vor allem zu trocken. Juni und Juli zeigen sich erbarmungslos und bringen mit zwei massiven Hitzewellen zahlreiche Rekorde. © imago/Jan Eifert, Jan Eifert, imago stock&people

Betrachtet man die Eckdaten des Julis, dann fällt überhaupt nicht auf, wie beispiellos er war. Denn maximal um die 9 bis 11 Hitzetage bei knapp 2 Grad Temperaturabweichung lassen für sich alleine nicht auf einen solchen Sommermonat schließen. Im Detail sah das aber ganz anders aus.

Die erste Juli-Hälfte war durch kühle Nordwinde zum Teil 2 Grad zu kalt und brachte sogar neue Negativ-Dekadenrekorde, bevor es in eine sogenannte Omega-Wetterlage ging. Und die brachte die beispiellose Hitzewelle. Besonders im Westen. Die Temperaturen erreichten an 3 Tagen hintereinander die 40 Grad. Das alleine war zuvor eigentlich unvorstellbar gewesen. Ebenso wie der nächste Rekord, der während dieser Phase pulverisiert wurde. Damit wurde bekanntlich nämlich auch der deutschlandweite Allzeit-Temperaturrekord geknackt. Und das direkt mehrfach: Lingen in Niedersachen mit 42,6 Grad, Tönisvorst und Duisburg-Baerl mit 41,2 Grad, Köln-Stammheim mit 41,1 Grad oder Kleve und Bonn-Roleber mit 40,9 Grad. Und diese Liste ließe sich mit rund 50 weiteren Orten ergänzen, an denen die 40 Grad-Marke am 25.07. erreicht oder überschritten wurde. Das gab es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie. Der letzte Temperaturrekord vor dieser Hitzewelle lag bei 40,3 Grad aus dem August 2015. 

Bei allen nachfolgenden Diskussionen um die Lage der Wetterstation in Lingen ob der Lage des Messfühlers gilt: in der Fläche gab es noch niemals eine derartige Hitze. Und auch die Trockenheit war zu diesem Zeitpunkt so schlimm wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Denn auch der Juli brachte nur 2/3 des ansonsten üblichen Regensolls.

Klimacheck Juli: +2,1 Grad, 66 % Niederschlag, 108 % Sonne.

August mit sommerlichem Anfang, kühler Mitte und heißem Ende

Hitzewelle und Trockenheit in Deutschland 24.07.2019, Oberursel (Hessen): Die Sonne scheint über ausgetrockenetem Ackerbogen. Bei der aktuellen Hitzewelle in Deutschland sind Höchsttemperaturen von 40°C vorhergesagt., Oberursel Deutschland *** Heatwa
Die Trockenheit steuert auf das Maximum zu. Auch der August bringt noch keine Entspannung. Das ändert sich erst im Herbst. © imago images / Jan Eifert, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Der August brachte uns eine kleine Achterbahnfahrt. Damit erlebten die meisten von uns die größte Hitze mit Werten bis 35,6 Grad in Bernburg/Saale (28.08.) erst zum Monatsende. Dementsprechend war der August zwar nicht so außergewöhnlich wie seine zwei Vorgänger. Allerdings ging der meteorologische Dreiklang, der uns - von wenigen Ausnahmen mal abgesehen - seit dem März 2018 begleitete, weiter: zu warm, recht sonnig und vor allem viel zu trocken. 

Klimacheck August: +2,6 Grad, 85 % Niederschlag, 114 % Sonne.

September mit Herbstvorgeschmack

Mit dem Monatswechsel ging die Hitze zu Ende und es empfing uns ein Wechselspiel der Temperaturen. Unterm Strich blieb es aber häufiger frisch, so dass wir oft nur 2 bis 5 Sommertage erlebten. Lediglich der Oberrhein knackte an bis zu 10 Tagen die 25 Grad-Marke. Endlich mal wieder so etwas wie richtiger Herbst, nachdem dieser in 2018 ja komplett ausgefallen war. Und zumindest gab es durch das wechselhaftere Wetter endlich auch mal eine kleine Entspannung der Dürre.

Klimacheck September: +0,8 Grad, 117 % Niederschlag, 108 % Sonne.

Oktober beendete die Trockenheit

Die nasse Phase vom Septemberende zog sich im Oktober weiter fort und damit wurde dann auch die Trockenheit endlich nachhaltig beendet. Besonders heftig regnete es zum Monatsanfang und zur Mitte des Monats mit Tagesmengen von zum Teil über 100 Litern pro Quadratmeter. Gegen Monatsende sorgte dann ein Schwall Kaltluft vielerorts für die ersten frostigen Nächte. Am kältesten war es - mal abgesehen von Deutschlands höchstem Berg der Zugspitze, in Sohland an der Spree mit - 7,7 Grad am 31.Oktober.

Klimacheck Oktober: +1,8 Grad, 151 % Niederschlag, 95 % Sonne.

November mit Wintereinbruch

Autos stehen am 13.01.2017 in der Nähe von Blankenheim (Nordrhein-Westfalen) am Ende der Autobahn A1 Richtung Süden. Nach den starken Schneefällen am frühen Morgen ist der Verkehrsfluß in den Höhen der Eifel gestört. (zu dpa «Sturmtief «Egon» bringt
So sieht es aus, wenn es in der Eifel schneit. Bis zu 20 Zentimeter gab es am 19.November. © dpa, Henning Kaiser, hka gfh

Gerade in der ersten Monatshälfte verlief oft unter Tiefdruckeinfluss und dabei gab sich auch der Winter ein erstes Stelldichein. Definitiv ein erster Hoffnungsschimmer für die Freunde von Eis und Schnee. Zumal die Südalpen so heftig einschneiten wie seit mindestens 3 Jahrzehnten nicht mehr. Und auch die Eifel bekam um die 19.11. herum mal knapp 20 Zentimeter Schnee. 

Klimacheck November: +1,2 Grad, 90 % Niederschlag, 81 % Sonne.

Dezember

Auch wenn zwischenzeitlich mal vieles auf einen nachhaltigen Wintereinbruch hindeutete, so setzten sich schlussendlich doch die wärmeren Luftmassen aus Süden und Südwesten durch. 

Klimacheck Dezember bis jetzt: +3,1 Grad, 84 % Niederschlag, 113 % Sonne.