Das Zelt passt in jeden kleinen Garten

Aus Müll Energie machen: Mit dem eigenen Bio-Müll Gas für die Küche herstellen

aus Israel: Oliver Scheel

Es sind manchmal ganz kleine Ideen, die am Ende große Veränderungen bewirken. Dass bei der Zersetzung von biologischem Abfall Gas entsteht, ist längst bekannt. Es dauerte aber ziemlich lange, bis eine Firma daraus ein Konzept machte. „Home Biogas“ aus Beit Yanai im Norden Israels produzierte ein kleines Zelt, das mit dem Bio-Müll gefüttert wird. Bei der Vergärung entsteht Gas, das über eine Leitung in der Küche zum Kochen benutzt wird. Das Prinzip ist ganz einfach, absolut umweltfreundlich und die Idee im Kampf gegen hohe Gaspreise. Die Firma kann sich momentan vor Aufträgen kaum retten.

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Ein Kilo Abfall - eine Stunde Gas

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Eshik Ofrati ist immer noch begeistert von seiner Idee, aus Biomüll das eigene Gas zum Kochen herzustellen.

„Müll kann so wertvoll sein. Im Prinzip ist der Biomüll besser als Öl oder Erdgas. Denn Öl ist endlich und unser Biomüll wächst ja immer wieder nach. Also nutzen wir doch den Bio-Müll“, erläutert Eshik Ofrati, einer der Gründer von „Home Biogas“ bei meinem Besuch auf dem Firmengelände.

Mit einer kleinen Apparatur im Garten oder auf dem Balkon, etwa so groß wie ein Zweimannzelt, kann jeder sein eigenes Biogas herstellen. Und gar nicht mal so wenig: Von einem Kilo Biomüll kann man eine Stunde kochen. Das ist für den Hausgebrauch schon sehr ordentlich.

Gas zum Kochen und Dünger für den Garten: Ein perfekter Kreislauf

So funktioniert die Biogas-Anlage im eigenen Garten.

Ofrati erklärt das System und vergleicht die kleine Biogas-Anlage im Garten mit dem menschlichen Körper: „Man füttert das System und es wandelt dann die Nahrung in Energie um. Das gleiche geschieht im Inneren der Anlage. Bakterien zersetzen den Müll in Biogas und Flüssigdünger. Den kann man gleich wieder aufs Feld ausbringen und damit die nächste Generation Feldfrüchte düngen“, sagt Ofrati. So entsteht dann der perfekte Kreislauf: „Meine Kinder haben letztens in einem Laden Gasflaschen gesehen. Sie haben nicht verstanden, dass man Gas auch kaufen kann. Sie kennen nur unser eigenes Biogas.“

„Für mich ist das wie Gold“, sagt Avishag Kopelman, die das Zelt schon seit mehreren Jahren im Garten hat. Das Gas ist kostenlos und als Nebeneffekt entsteht bei der Zersetzung des Biomülls auch noch Flüssigdünger. Ebenfalls kostenlos und absolut organisch. Der Dünger kann gleich wieder im Garten verteilt werden.

Eigentlich richtete sich die Idee an die Entwicklungsländer - Gaskrise ändert alles

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Passt in jeden Garten und hält mindestens 15 Jahre: Die Biogas-Anlage für jedermann.

Die Firma besteht schon seit neun Jahren. Ursprünglich richtete sich „Home Biogas“ an die Menschen, die von anderen Energiequellen abgeschnitten sind, also in erster Linie an die in dörflichen Strukturen in den Entwicklungsländern. Denn dort kochen die meisten Menschen immer noch mit oft illegal gerodetem Holz oder mit Holzkohle. „Das ist nicht nur schlecht für die Wälder und die Umwelt, die Menschen atmen in ihren Hütten auch unfassbar viele Schadstoffe ein. Unser Biogas ist da eine klassische Win-Win-Situation“, so Ofrati. Die Menschen bezahlen in kleinen Raten und irgendwann gehört das Zelt ihnen. Es hält mindestens 15 Jahre und kann in einem normalen Karton verschickt werden.

Doch die Gaskrise in Mitteleuropa hat die kleine Biogas-Anlage auch bei uns interessant gemacht. Allein aus Deutschland gibt es schon 2.000 Anfragen. Die meisten Käufer sind Privatkunden, doch auch für Hotels und Restaurants ist das Prinzip interessant. Daher entwickelte „Home Biogas“ auch verschiedene Größen der Anlage. Die kleineren gibt es für weniger als 1.000 Euro. Pro Jahr können mehrere Hundert Euro an Gaskosten gespart werden.

Aber damit nicht genug: Biomüll ist so vielfältig zu verwenden, dass die Firma gerade Toiletten entwickelt, mit denen das eigene Biogas entsteht. Und an Anschlüssen für Heizung und Wasserboiler wird auch gerade geforscht.

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(osc)