Ärgernis mit Aroma
Giersch - bekämpfen oder essen?

Er ist zäh, wuchert ohne Gnade – und ist trotzdem mehr als nur Unkraut. Giersch treibt viele in den Wahnsinn, doch mit der richtigen Strategie lässt er sich bezwingen. Oder einfach essen. Denn das grüne Ärgernis hat durchaus Potenzial.
Plagepflanze mit Potenzial – Giersch bekämpfen oder genießen
Er breitet sich heimlich, still und leise aus, erobert Beete im Sturm und lässt selbst hartgesottene Gärtner kapitulieren: Giersch. Wer einmal mit ihm Bekanntschaft gemacht hat, weiß, was echte Ausdauer bedeutet. Doch statt nur zu fluchen, lohnt sich ein zweiter Blick auf dieses widerspenstige Wildkraut – denn der ungeliebte Wucherer hat auch überraschend gute Seiten.
Wo er einmal ist, bleibt er auch
Giersch gehört zu den Wurzelunkräutern – und das mit voller Überzeugung. Selbst kleinste Wurzelreste im Boden treiben munter neue Triebe aus. Wer ihn also einfach nur oberflächlich ausrupft, bekommt bald die grüne Quittung. Am effektivsten ist daher das systematische Ausgraben mit Grabegabel oder Handschaufel, Stück für Stück, möglichst tief. Und selbst dann: regelmäßig nachkontrollieren, denn Giersch gibt nicht kampflos auf.
Flächendeckend eindämmen
Wer keine Lust auf Dauerausgrabungen hat, kann Giersch auch durch konsequente Abdeckung schwächen. Schwarze Mulchfolie oder dicke Lagen aus Pappe und Rindenmulch nehmen ihm das Licht – und damit die Kraft. Wichtig dabei: mehrere Monate abdecken, am besten eine ganze Saison. Danach ist zwar nicht alles weg, aber der Bestand meist so geschwächt, dass Nacharbeiten leichter fallen.
Der trickreiche Gegenspieler: Konkurrenzpflanzen
Auch mit der richtigen Bepflanzung lässt sich Giersch die Show stehlen. Stauden wie Beinwell, Waldmeister oder Funkien sind so wüchsig, dass sie ihm den Platz streitig machen. Ein guter Gegenschlag klappt mit diesen Kollegen:
- Funkien (schattig bis halbschattig)
- Waldsteinie (schattig bis halbschattig)
- Storchschnabel (halbschattig bis sonnig)
- Elfenblume (schattig bis halbschattig)
- Beinwell (halbschattig bis sonnig)
- Purpurglöckchen (halbschattig bis sonnig)
- Polsterphlox (sonnig)
- Sedum-Arten (sonnig)
- Katzenminze (sonnig)
- Frauenmantel (halbschattig bis sonnig)
Oder einfach essen?
So paradox es klingt: Giersch ist essbar – und gar nicht mal schlecht. Die jungen, zarten Blätter schmecken leicht nach Petersilie und Möhre und lassen sich wunderbar zu Pesto, Suppe oder Kräuterquark verarbeiten. Auch in Smoothies oder als Salatbeigabe macht er sich gut. Wichtig: Nur frische, junge Triebe ernten, ältere schmecken eher zäh und streng.
- Giersch-Pesto - Ein Klassiker unter den Wildkräuter-Rezepten. Junge Gierschblätter mit Olivenöl, Knoblauch, Parmesan und Nüssen (z. B. Walnuss oder Sonnenblumenkerne) zu einem cremigen Pesto pürieren.
- Kräuterquark mit Giersch - Magerquark oder Frischkäse mit gehacktem Giersch, etwas Schnittlauch, Salz, Pfeffer und Zitronensaft mischen.
- Giersch-Smoothie – Ein paar Gierschblätter mit Apfel, Banane und Zitronensaft in den Mixer. Schmeckt überraschend mild und gibt dem Körper einen Frischekick. Am besten nur junge Blätter verwenden, sonst wird’s zu herb,
- Giersch-Spinat als Beilage - Einfach wie Spinat zubereiten: Giersch kurz blanchieren, ausdrücken, dann mit Zwiebel, Knoblauch und etwas Sahne in der Pfanne schwenken.
- Giersch im Salat – jung, zart, würzig - Junge Blätter fein schneiden und als würzige Note unter gemischten Salat mischen.
- Giersch-Limonade – der überraschende Frische-Kick - Eine Handvoll frische Gierschblätter mit Zitrone, Honig und Mineralwasser aufgießen, ziehen lassen – fertig ist eine erfrischend herbe Limonade mit Wildkräuter-Flair.
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Heilpflanze mit Geschichte
Früher wurde Giersch sogar als Heilpflanze geschätzt – bei Gicht, Rheuma und Verdauungsproblemen. Daher auch sein zweiter Name: Zipperleinskraut! Wer ihn nicht gänzlich loswerden kann, hat also immerhin eine ziemlich robuste Hausapotheke im Beet.
Ein bisschen Frieden mit dem Feind
Giersch komplett auszurotten ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Wer’s trotzdem versucht, braucht Geduld, Konsequenz und dicke Handschuhe. Oder eben einen neuen Blick auf das Unkraut mit Superkräften – das manchmal einfach nur in die richtige Richtung gelenkt werden muss.
(avo)