Winterluft und Grenzwetterlage

Kalter Ostwind mit Schneechancen - Gold-Herbst eiskalt abserviert

von Björn Alexander und Oliver Hantke

Der Winter gibt eine erste Kostprobe bis herunter ins Flachland. Vor allem der Nordosten und der Osten werden das zu spüren bekommen. Wetter.de-Meteorologe Björn Alexander zu unseren wichtigsten Fragen rund um den Winter- und Glätte-Fahrplan.

Aus dem goldenen Herbst ab in den Winter - wie kommt es dazu?

Björn Alexander: „Im Prinzip haben wir in den kommenden Tagen zwei große Wettersysteme, die Einfluss auf unser Wetter nehmen. Einerseits der ehemalige Hurrikan NICOLE, der vom Atlantik her feuchte Luft nach Mitteleuropa schickt. Andererseits die Kombination von Skandinavienhoch ERIC und Osteuropatief SUE. Dadurch wird Winterluft aus Osten Richtung Deutschland transportiert. Dazwischen bildet sich eine Luftmassengrenze aus.”

Welche Bereiche sind vom Winterwetter betroffen?

„Intensivere Nachtfröste, kalter Ostwind und Schneeflocken bis runter ins Flachland konzentrieren sich vor allem auf die Regionen nordöstlich der Elbe”, prognostiziert Alexander. Im Süden und Westen bleibe es hingegen spürbar milder. Eine klassische Grenzwetterlage bahne sich genau über Deutschland an.

Wie ist der Fahrplan für die Grenzwetterlage?

Alexander blickt auf die Entwicklung am Donnerstag und Freitag: „Der Donnerstag verläuft oft wechselhaft oder nass und windig, an der Küste auch stürmisch. Dabei sind im Südwesten noch bis zu 16 Grad möglich, während es im Nordosten und Osten mit teils nicht mehr als 4 Grad deutlich kühler ist. Spannend in Sachen Schnee wird es dann ab der Nacht zum Freitag.”

Was sind die Einzelheiten?

Für die Details sieht der Wetterexperte noch größere Unsicherheiten: „Die Einzelheiten bewerten die verschiedenen Wettermodell noch unterschiedlich. Geht es aber beispielsweise nach dem Deutschen oder dem Europäischen Wettermodell, dann bildet sich etwa vom Berliner Norden bis herauf an die Ostsee eine erste dünne Schneedecke der Saison aus. Auch Glätte ist bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zu erwarten.”

Das Bild zeigt den RTL- und wetter.de-Meteorologen Björn Alexander
RTL- und wetter.de-Meteorologe Björn Alexander

Und am Freitag tagsüber?

Alexander: „Wird es besonders entlang der Elbe etwa von Hamburg bis nach Magdeburg bis herüber nach Brandenburg und Sachsen spannend. Schnee und Schneeregen sind wahrscheinlich - auch gefrierender Regen mit entsprechender Glätte ist denkbar. Einzig die Intensität ist noch unklar. Sollte das Europäische Modell recht behalten, dann wird es aber einige Zentimeter Neuschnee geben - mit entsprechenden Behinderungen auf den Straßen. Gefühlt wird es im Nordosten jedoch so oder so winterlich sein.”

Vorhersage und Prognose: Wahrscheinlichkeit einer geschlossenen Schneedecke am Freitag, 15.11.2022
Entlang der Elbe und generell im Nordosten fallen Flocken bis in die tiefsten Lagen

Wieso?

„Weil dort bei Höchstwerten knapp über dem Gefrierpunkt ein lebhafter Ostwind weht. Dadurch liegt die gefühlte Temperatur, der Windchill, am Freitagabend im Nordosten und Osten gerne mal bei minus 2 bis minus 7 Grad. Und auch die gemessenen Werte sinken dort in der Nacht zum Samstag auf 0 Grad und darunter.”

Wetter-Wissen: Wetterlexikon mit der Windchill-Temperatur

Prognose der Tiefstwerte in der Nacht zum Samstag, 19.11.2022
Nachts bekommen wir verbreitet Werte um den Gefrierpunkt oder darunter

Bekommen der Westen oder der Süden überhaupt etwas vom Wintereinbruch mit?

„Wenig bis gar nichts”, weiß Alexander und fährt fort: „Zwar wird es auch im Nordwesten und Süden am Freitag unbeständig mit Regen und kühler. Aber bei 10 bis 12 Grad beispielsweise am Rhein ist vom Winter nichts zu spüren. Einzig auf den höheren Bergen können sich Flocken untermischen.”
Am Samstag sinke die Schneefallgrenze im übrigen Land ebenfalls weiter ab. Dafür lassen die Niederschläge aber wohl insgesamt nach, bevor es ab Sonntag von Westen erneut nass wird.

Deutschland, Europa und weltweit: Alle Wetterkarten und -vorhersagen im Blick

Gold-Herbst eiskalt abserviert - Wetterwechsel im Schnellcheck:

  • Zur Wochenmitte wird es von Westen immer nasser und teilweise stürmisch
  • Der Osten bleibt hingegen trockener. Allerdings breitet sich dort mit einem zum Teil unangenehmen Ostwind kältere Luft aus
  • Eine Grenzwetterlage zwischen der milderen und der kälteren Luft entsteht
  • Ab Donnerstagabend sind im Nordosten Schneeflocken bis ins Flachland sowie Glätte möglich
  • Dabei weht ein winterlicher kalter Wind mit Höchstwerten von 1 bis 4 Grad und gefühlten Temperaturen im Frostbereich
  • Im Süden und Westen bleibt es mit 6 bis 12 Grad am Freitag unterdessen deutlich milder
Lese-Tipp: Für Spannung ist gesorgt – Winterprognose Deutschland aktuell: Januar und Februar eiskalt?

Der Polarwirbel - Motor des Winters in der Vorhersage

In der Vorhersage wird die Temperatur in einigen Kilometern Höhe dargestellt. Je gleichförmiger die blauen, also kalten Bereiche zusammenhängen, umso stärker ist der Polarwirbel. Werden hingegen große Lücken und mildere Einschübe in Richtung Nordpol berechnet, dann ist der Wirbel instabiler. Bei einem Polarwirbel-Split teilen sich die blauen Flächen in zwei Teile auf.

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(bal, oha)