Dramatischer Hunger in Ostafrika

Ist bio wirklich besser für das Klima?

von Oliver Scheel

Biologisch angebaute Lebensmittel sind gesund für uns Menschen, sie laugen den Boden nicht so aus und sie wachsen in einem ökologisch funktionierenden System, das heißt, auch die Tier- und Pflanzenwelt profitiert vom Bio-Anbau. Aber: Für das Klima muss bio nicht unbedingt gut sein. Warum ist das so?

Alle News rund um das Thema Klima und Klimakrise

Mit unseren „Klima Update“-Sendungen immer informiert sein

Das Problem beim Bio-Landbau ist der Ertrag

Die Erklärung ist einfach und auch einleuchtend: Der Biolandbau benötigt wegen der geringeren Erträge im Vergleich zum konventionellen Landbau viel mehr Fläche. Im schlimmsten Fall werden dafür Wäldern oder Moore zerstört. So ist sowohl die Bio-Kartoffel für das Klima schlechter als auch tierische Produkte. Die Produktion der gleichen Mengen an Lebensmitteln braucht beim konventionellen Landbau einfach weniger Platz.

Nun kommen wir aber zum großen ABER: Natürlich ist bio in vielen Fällen besser. Denn der Pestizideinsatz ist viel geringer, es geht dem Boden wesentlich besser und die Artenvielfalt wird erhöht. Böden, Wasser und Luft werden beim normalen Landbau viel mehr belastet.

Unser Lese-Tipp: Welche Heizung lohnt sich bei steigenden Energiekosten?

Weniger Fleisch = mehr Fläche für Bio-Landbau

Öko-Landbau
Mitarbeiter eines Bioland-Betriebs ernten Kartoffeln. Die brauchen mehr Fläche als konventionelle.

Beim Ökolandbau bildet sich außerdem mehr Humus in der Erde und der bindet Kohlenstoff, was wiederum gut für unser Klima ist. Für die Böden sind große Monokulturen der Tod. Im Übrigen auch für viele Arten. Denn unzählige Getreide- oder Obstsorten stehen vor dem Verschwinden, weil die Bauern nur die eine besonders resistente Art anbauen. Wenn die dann mal einen Pilz oder eine Krankheit bekommt, sieht es schlecht aus für uns.

Ganz entscheidend ist ohnehin die Art und Weise, wie wir uns ernähren. Natürlich kommt es unseren Körpern zugute, wenn wir Lebensmittel essen, die nicht mit Pestiziden behandelt wurden. Und das Flächenproblem können wir ganz einfach lösen: Indem wir nämlich auf Fleisch verzichten.

Auf mehr als der Hälfte der Agrarflächen in Deutschland wird Tierfutter angebaut. Die könnten wir super selbst nutzen, wenn wir den Fleisch- und Milchkonsum reduzieren würden. Dann hätten wir spielend leicht die Fläche gewonnen, die wir für Bio-Landbau benötigten. Momentan nutzen wir nur ein Viertel der Fläche für pflanzliche Nahrungsmittel. Und ganz nebenbei würden die Methan­Emissionen in den Keller gehen, da wesentlich weniger Vieh auf Weiden und in Stallungen steht. Die Lösung liegt also auf der Hand bzw. auf unserem Teller.

Wo lohnt sich der Griff zu Bio-Produkten wirklich?

Test: Was taugen Billig-Bio-Produkte?

Hilfsorganisationen schlagen Alarm zum Welternährungstag

Die Frage nach dem Bio-Anbau muss den Menschen auf der Welt, die zu wenig zu essen haben, seltsam vorkommen. Fast ein Drittel der Weltbevölkerung, 2,3 Milliarden Menschen, habe nicht genug zu essen, erklärte die Präsidentin von „Brot für die Welt“, Dagmar Pruin.

Besonders schlimm ist die Lage in Ostafrika: „Die dramatischen Folgen der Klimakrise und des Krieges in der Ukraine treffen die Menschen am Horn von Afrika mit voller Wucht“, erklärte die Hilfsorganisation. So bedroht eine katastrophale Dürre derzeit über 20,5 Millionen Menschen in Somalia, Äthiopien und Kenia. Allein in Somalia sind mindestens 7,4 Millionen Menschen - das entspricht fast der Hälfte der Bevölkerung - von einer akuten Notlage betroffen. Zudem verschlechtert sich die Lage beinahe täglich“, schreibt die UN-Flüchtlingshilfe.

500.000 Kinder drohen allein in Somalia in den kommenden Wochen zu verhungern

Amina Ali, a Somali woman affected by the worsening drought due to failed rain seasons, holds her child inside their makeshift shelter at the Alla Futo camp for internally displaced people in the outskirts of Mogadishu, Somalia September 23, 2022. RE
In Somalia sind mehr als 500.000 Kinder im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren nach aktuellen Schätzungen in Gefahr, in den kommenden Wochen aufgrund von Hunger zu sterben.

Die Zahl der hungernden Menschen hat sich auch wieder erhöht. Im vergangenen Jahr waren nach Angaben der Welthungerhilfe bis zu 828 Millionen Menschen unterernährt. Das bedeute nach über einem Jahrzehnt eine Umkehr der Fortschritte, hieß es zu der für Donnerstagvormittag geplanten Vorstellung des jährlichen Welthunger-Index.

Mehr als eine halbe Million Kinder im ostafrikanischen Somalia stehen nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef vor akuter, lebensbedrohlicher Unterernährung. Ohne weitere Hilfsgüter seien 513.550 Kinder im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren nach aktuellen Schätzungen in Gefahr, in den kommenden Wochen aufgrund von Hunger zu sterben, sagte James Elder von Unicef in Genf.

Ein Haupttreiber des Hungers ist die Klimakrise: Dürren und Überschwemmungen erschüttern das Land immer wieder und zerstören Häuser und Ernten. Hinzu kommen Epidemien wie Cholera oder Malaria und die Folgen der Corona-Pandemie. Bewaffnete Konflikte verschärfen die Lage; der 2018 eingeläutete Friedensprozess gerät immer wieder ins Stocken. Die Wirtschaftskrise und rapide steigende Lebensmittelpreise infolge des Krieges in der Ukraine machen Nahrungsmittel für viele Menschen unerschwinglich.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legenkönnen wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Klima-Rekorde - Ist Deutschland noch zu retten? Die Doku im Online Stream auf RTL+

(osc)