Dauerregen hat Folgen

Hochwasser in Deutschland und Europa – neuer Höhepunkt in Sicht

von Paul Heger

Was für ein Schmuddelwetter! Der Regen ist zwar für das dürregeplagte Grundwasser super, aber regional ist es zu viel des Guten: Hochwasser und Überflutungen sind in Deutschland und Europa die Folge. Und neue sowie intensive Regenfälle stehen an.

Wo gibt es aktuell Hochwasser in Deutschland und Europa?

07.11.2023, Frankreich, Boulogne-Sur-Mer: Französische Feuerwehrleute helfen einem Anwohner auf einer überschwemmten Straße, aus dessen Haus in ein Rettungsboot zu steigen. Nach heftigen Niederschlägen in der Nacht kam es entlang der Flussläufe Aa und Liane in Nordfrankreich zu Überflutungen, bei denen mehrere Menschen verletzt wurden. (zu dpa Sieben Verletzte bei Hochwasser in Nordfrankreich) Foto: Denis Charlet/AFP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Überschwemmungen in Frankreich

Im Sommer war es teils schon klitschnass. Besonders im Nordwesten hatte man mit den Regenmengen zu kämpfen. Das Wacken Open Air wurde mal wieder zu einer Schlammschlacht. Und auch jetzt im Herbst sind der Westen aber besonders der Nordwesten stark von überdurchschnittlichen Regenfällen betroffen.

Dementsprechend gibt es derzeit besonders im Westen von Schleswig-Holstein und vereinzelt in Niedersachsen an kleinen Flüssen Hochwasser. An der Nordseeküste erschwert der kräftige auflandige Wind das Abfließen des Wassers durch hohe Pegelstände der Nordsee.

In Europa hatten bereits die Britischen Inseln und zuletzt der Nordwesten Frankreich mit den Wassermassen zu kämpfen. In Frankreich nehmen die Überflutungen in und um Calais und in der Normandie langsam historische Ausmaße an. Tausende sind ohne sauberes Trinkwasser, nahezu 200.000 Menschen von den Fluten betroffen. Gleichzeitig gab es zuletzt auch am zentralen Mittelmeer Überflutungen in Italien.

Wie geht es mit den Überflutungen weiter?

Europakarte zeigt die Regenfälle am 13. November: Die nächste Woche bringt besonders in den ersten Tagen von Westen wieder viel Regen in weiten Teilen Europas und Deutschlands.
Nasse Angelegenheit: Die nächste Woche bringt besonders in den ersten Tagen von Westen wieder viel Regen in weiten Teilen Europas und Deutschlands.

Ein neuer Höhepunkt der Regenfälle steht bevor. Damit dürfte sich die Lage regional zuspitzen. Nach einer kurzen Regenpause gibt es bis nächsten Freitag nochmals viel Regen:

  • Nordwestküsten Frankreichs: ca. 40 bis 100 Liter pro Quadratmeter
  • Schleswig-Holstein: ca. 20 bis 50 Liter pro Quadratmeter
  • Westen und Süden Deutschlands: etwa 40 bis 80 Liter pro Quadratmeter
  • Weststau der deutschen Mittelgebirge: teils um 200 Liter pro Quadratmeter!

Auf dem platten Land fließt das Wasser aber kaum ab. Daher sind in den derzeitigen Überflutungsgebieten in Norddeutschland und in Frankreich auch 50 Liter sehr viel. Im Westen und Süden ist die Lage derzeit noch entspannt. Das könnte sich mit den erwarteten Regenmengen ändern.

Neue Unwetter-Hotspots in Europa

Schneetreiben überrascht am 13.9.1998 auf einer Almwiese bei Davos in der Schweiz. Mit Unwettern in Italien, Stürmen in Griechenland und ersten Schneefällen im Schwarzwald hat sich der Sommer in Europa am Wochenende des 12./13.9. verabschiedet. Selbst im westlichen Mittelmeer sanken die Temperaturen auf eher ungemütliche Werte. In den Alpen sank zehn Tage vor dem kalendarischen Ende des Sommers die Schneefallgrenze auf 1500 Meter. Auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, erhöhte sich die Schneedecke um 20 Zentimeter. In der Schweiz zeigten sich die Vorboten des Winters noch deutlicher - acht Pässe waren am Wochenende schneebedeckt. |
Die Schneefallgrenze in den Alpen ist das Zünglein an der Hochwasser-Waage. Je niedriger sie ausfällt, desto mehr Niederschlag bleibt als Schnee liegen und desto geringer ist die akute Hochwassergefahr.

Der Blick weiter südlich zeigt zwei weitere Regen-Hotspots. Weiter dabei sind die Westküsten des Balkans mit 40 bis 100 Litern, in Spitzen auch knapp darüber. Meist sollte sich die Unwettergefahr hier noch in Grenzen halten.

Neu dazu kommen die Süd- und Westalpen. Bis Freitagmorgen sind im Bergland durchaus 100 bis 300 Liter drin. Manche Modelle gehen sogar deutlich darüber hinaus. Die Gefahr von Erdrutschen steigt deutlich. Auch die Hochwassergefahr legt zu. Entscheiden hier: Wie viel Niederschlag fällt im Hochland in Form von Schnee und landet nicht in den Flüssen.

Wo lässt wann der Dauerregen nach?

04.11.2023, Italien, Campi Bisenzio: Von den Wassermassen eines Unwetters übereinandergetürmt liegen Autos in den immer noch überfluteten Straßen. Nach den heftigen Unwettern in Teilen Italiens räumen die Menschen auf. Foto: Adriano Conte/LaPresse via ZUMA Press/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Nach den Unwettern in Italien vor wenigen Tagen laufen die Aufräumarbeiten. Derzeit ist es ein wenig ruhiger, die nächsten kräftigen Regenfälle deuten sich aber bereits an.

In Westeuropa entspannt sich die Lage nach der Wochenmitte deutlich. Die Westwetterlage mit fast dauerhaften Regenfällen vom Atlantik wird zu einer etwas wechselhafteren. Zwischendurch gibt es also auch trockene Phasen mit etwas Entspannung.

Besorgt schauen wir auf die Entwicklung in der folgenden Woche in Südeuropa. Der Unwetter-Schwerpunkt könnte sich ans zentrale Mittelmeer verlagern, eventuell auch bis zu Ägäis. Die Details sind allerdings noch unklar.

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(phe)