Das ist bisher passiert!

Sturmtief ZEYNEP hat in ordentlich zugeschlagen: Tote, Verletzte und viele Schäden

von Amelie von Kruedener

Orkan ZEYNEP hat sich über Deutschland extrem ausgetobt, für eine schwere Sturmflut an der Nordseeküste gesorgt, schwere Schäden, Verletzte und Tote hinterlassen. Das Orkantief zieht jetzt über das Baltikum nach Russland weiter.

Die kurzfristigen Wetteraussichten

Am frühen Vormittag wurden alle Unwetterwarnungen vor Orkanböen aufgehoben - stürmisch bleibt es jedoch noch. Nach einer kleinen Wetterberuhigung kommt erneut ein neues Tief vorbei. Schon in der Nacht beenden die Ausläufer von Tief WENJIN die Ruhe und bringen von Nordwest nach Südost etwas Regen, im Bergland auch Schnee und - Wind! In der Mitte und im Süden in Böen können wir mit Böen bis zu 60 Kilometern pro Stunde rechnen, auf höheren Bergen auch mit teils schweren Sturmböen bis 100 km/h.

Zuz aktuellen Wettervorhersage

Die Böen von ZEYNEP

Exreme Böen durch Sturmtief
Sturm- und Orkanböen von Zeynep am Samstag.

In der Nacht zum Samstag hat es ordentlich geweht. Am Nordsee-Leuchtturm "Alte Weser" blies ZEYNEP mit rund 162 Kilometer pro Stunde. In Hiddensee wurde sogar eine Orkanböe mit 172 km/h gemeldet.

Schwere Sturmflut mit hohen Pegeln

Sturmtief Zeynep - Hamburg
Feuerwehrleute im Einsatz in der Speicherstadt, während einer Sturmflut. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

In Hamburg wurden Windstärken zwischen 9 und 11 gemessen. Am Samstagmorgen hat die Stadt an der Elbe eine sehr schwere Sturmflut erlebt. Der Wasserstand am Pegel St. Pauli erreichte am Morgen gegen 5.30 Uhr 3,75 Meter über dem mittleren Hochwasser, das entspricht etwa 5,90 Metern über Normalhöhennull. Auch Teile der Speicherstadt und der Hafencity wurden überflutet. Ab 3,5 Metern über dem mittleren Hochwasser spricht man vor einer sehr schweren Sturmflut. Laut Sturmflutwarndienst sind die Hochwasserschutzanlagen bis zu einer Höhe von 7,30 Metern über Normalhöhennull ausgelegt. Mit Durchsagen und Böllerschüssen wurde in der Nacht vor der Sturmflut gewarnt. Um kurz nach 8 Uhr wurde die Stumflutwarnung wieder aufgehoben.

Weitere Warnung für Samstagabend

Für den Samstagabend wird wieder vor einer Sturmflut gewarnt, allerdings ist diemal keine Gefahr für eine Schwere Sturmflut mehr da. nicht vor einer schweren: Das Wasser in der Elbe fließt jetzt erstmal ab. Die Pegelstände bleiben auch bis in die kommende Woche erhöht. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie rechnet mit einem Pegel von 3,90 bis 4,40 Metern über Normallnull, also 1,75 bis 2,25 über dem mittleren Hochwasser gegen 18.45 Uhr.

In der überfluteten Speicherstadt rettete die Feuerwehr am frühen Samstagmorgen zwei Männer, die mit ihrem Auto eingeschlossen waren. Laut Polizei waren die Männer stark unterkühlt - sie wurden vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht. Mehr dazu hier.

An vielen Pegeln an der niedersächsischen Nordseeküste überschritten die Wasserstände die Schwelle zur schweren Sturmflut, was einem Wasserstand von mehr als 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser entspricht.

Was ist passiert? ZEYNEPP hinterlässt Tote, Verletzte, viele Schäden

19.02.2022, Schleswig-Holstein, Norderstedt: Ein zerstörter Ford steht nach dem Unfall auf der Autobahn. Mehrere Autos sind am Samstagmorgen auf der Autobahn 7 verunglückt. Ein Wagen überschlug sich, ein Mensch kam verletzt ins Krankenhaus, wie ein S
Mehrere Autos sind am Samstagmorgen auf der Autobahn 7 verunglückt. Ein Wagen überschlug sich, ein Mensch kam verletzt ins Krankenhaus,

In der niedersächsischen Gemeinde Wurster Nordseeküste war ein Mann während des Sturms von einem Dach gestürzt und gestorben. Der 68-Jährige habe in der Nacht auf Samstag versucht, das beschädigte Dach eines Stalls zu reparieren, teilte die Polizei mit. Dabei sei er durch das Dach gebrochen und rund zehn Meter in die Tiefe gestürzt.

Ein 56 Jahre alter Autofahrer starb nach Angaben der Polizei am Freitagabend bei Altenberge in Nordrhein-Westfalen, als er mit dem Auto gegen einen quer auf der Fahrbahn liegenden Baum prallte. Etwa zur selben Zeit war ein Mann mit seinem Wagen im nahen Saerbeck unterwegs, als sich das Fahrzeug nach Polizeiangaben überschlug. Der 33-Jährige starb demnach ebenfalls noch am Unfallort. Ob es sich hier um einen wetterbedingten Unfall handelte, war zunächst unklar.

In Lehrte in der Region Hannover traf ein umstürzender Baum einen Mann, der schwer verletzt wurde. Im bayerischen Reimlingen brachten starke Windböen und eine abschüssige Fahrbahn zwei Fahrradfahrerinnen ins Schleudern, eine 15-Jährige verletzte sich beim Sturz schwer.

Viele Einsätze von Feuerwehr und Polizei

Bei den Feuerwehren und der Polizei war die Hölle los. Die Einsätze überschlugen sich. In Brandenburg war der Notruf so überfordert, dass die Menschen aufgefordert waren, nur noch bei Lebensgefahr anzurufen.

Die Einsätze waren zahlreich, allerdings blieb es für die Einsatzkräfte bei umgestürzten Bäumen, umherfliegenden Gegenständen und beschädigten Gebäuden. In Bremen stürzte ein 55 Meter großer Baukran in einen Rohbau eines Bürogebäudes und verursachte damit ein ziemliches Chaos: Ein gerade vorbeifahrender Laster war von dem Kran erwischt worden. Der Fahrer sei laut der Polizei unverletzt geblieben.

In Gronau bei Hildesheim (Niedersachsen) wehte der Sturm eine rund 80 Kilogramm schwere Kupferplatte von einem Kirchturm. Sie sei etwa 80 Meter weiter in ein Haus eingeschlagen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Einige Kilometer entfernt, auf der Autobahn 7 bei Hildesheim, fiel nach Angaben der Polizei am Freitagabend eine Verkehrstafel wegen des Sturmes auf die Fahrbahn. Ein Sattelzugfahrer habe nicht mehr ausweichen können und sei über die Hindernisse gefahren. Dabei riss der Tank auf und 400 Liter Diesel-Kraftstoff ergossen sich über die Fahrbahn.

In Hamburg stürzten bei einem viergeschossigen Wohnhaus im Stadtteil Eilbek am Freitagabend Teile der Fassade ein. Insgesamt seien im Giebelbereich rund 25 Quadratmeter Mauerwerk abgefallen, sagte ein Feuerwehrsprecher. In den Häfen in Emden und Wilhelmshaven mussten mehrere Schlepper die größeren Schiffe sichern, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei.

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Bäume fielen wie Streichhölzer

18.02.2022, Hamburg: Feuerwehrleute auf einer ausgefahrenen Drehleiter zersägen im Stadtteil Bergedorf einen auf ein Haus gestürzten Baum. Sturmtief Zeynep sorgt für Schäden im Norden. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bilder wie dieses aus Hamburg konnte man in der Nacht auf Samstag fast überall sehen.

Bahverkehr im gesamten Norden fast nicht mehr existent

Der Bahnverkehr im Norden Deutschlands und in den nördlichen Teilen Nordrhein-Westfalens war auch am Samstag stark eingeschränkt. Teilweise ging nichts mehr. Menschen wurden in Wartezüge oder Hotels verteilt, damit sie die Nacht dort verbringen konnten. Nördlich von Dortmund, Hannover und Berlin ist es wahrscheinlich, dass bis mindestens 18 Uhr keine Fernverkehrszüge fahren.

Am Vormittag war auch der Regionalverkehr weiter flächendeckend ausgefallen. Vor der Wiederaufnahme seien umfangreiche Erkundungsfahrten nötig, hieß es von der Bahn.

Der Service: Fahrgäste können ihre für den Zeitraum von Donnerstag bis Sonntag gebuchten Fahrkarten bis zum 27. Februar flexibel nutzen oder kostenfrei stornieren, wenn sie Reisen wegen des Sturms verschieben.

Brückensperrungen in NRW und Schleswig-Holstein

 40-Tonnen LKW kippt auf Fehmarnsundbrücke um am 19.02.2022, Fehmarn, Fehmarnsundbrücke In der Nacht zum Samstag ist auf der Fehmarnsundbrücke ein 40-Tonnen-LKW von einer Böe des Orkans Zeynep erfasst worden. Dabei kippte er auf der Brücke um. Ein we
Ein 40-Tonnen LKW kippt auf Fehmarnsundbrücke um, anschießend wurde die Brücke zwischen Festland und Insel gesperrt.

In Nordrhein-Westfalen ist die Rheinbrücke Emmerich bis auf weiteres gesperrt. Grund dafür seien umgestürzte Gerüstteile, die in die Fahrbahn ragen, teilte die Polizei am frühen Samstagmorgen mit. Im Norden wurde die Fehmarnsundbrücke gesperrt, die die Insel Fehmarn in der Ostsee mit dem Festland verbindet. Zuvor waren in der Nacht zwei Laster umgekippt. Ein Fahrer wurde dabei verletzt, wie ein Polizeisprecher sagte.

Strand von Wangerooge fast ganz verschwunden

Die Nordseeinsel Wangerooge büßte im Sturm etwa 90 Prozent ihres Badestrandes ein. "Auf einer Länge von einem Kilometer gibt es kaum noch Sand", sagte Wangerooges Inselbürgermeister Marcel Fangohr. Die Schutzdünen vor dem Trinkwasserschutzgebiet hätten kein Deckwerk mehr, dies müsse wie der Strand neu aufgeschüttet werden. Dennoch sei der Sturm glimpflich ausgegangen.

Auch auf Sylt hat ZEYNEP ganze Arbeit geleistet und große Teile des Strandes weggespült.

Andere Länder mit ähnlichen Schäden schon seit Freitag

A man cleans up a driveway after a flat roof from a nearby block of flats was blown off and landed on a house in Bitterne, Southampton, England, Saturday Feb. 19, 2022. Crews cleared fallen trees and worked to restore power to about 400,000 people in
In England haben die Menschen jetzt schon mit den Aufräumarbeiten begonnen.

Auch in anderen europäischen Ländern sorgte der Sturm für viele Schäden, teils schon am Freitag: In den Niederlanden kamen drei Menschen durch umstürzende Bäume ums Leben, darunter war auch ein Radfahrer. Großbritannien meldete ebenfalls drei Todesopfer. In London wurde das Dach der O2-Arena im Stadtteil Greenwich zerfetzt. Am Samstagmorgen waren Hunderttausende Menschen weiter ohne Strom. Auf der Isle of Wight im Süden von England wurden Windgeschwindigkeiten von 196 Stundenkilometern gemessen, was dort als Rekord gilt. In Irland starb ein Mann infolge des Orkantiefs.

Im Norden Frankreichs waren am Abend rund 130 000 Haushalte ohne Strom. Schäden und Stromausfälle gab es auch in Polen und Tschechien. So waren allein in Polen wegen beschädigter Leitungen Zehntausende Haushalte vor allem in Westpommern ohne Strom. Vom Nationalmuseum Stettin (Szczecin) wurde ein großes Blech gerissen.

Erst YLENIA, dann ZEYNEP

ZEYNEP war das zweite Orkantief innerhalb weniger Tage. Zuvor waren bei YLENIA in Deutschland mindestens drei Autofahrer in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt bei wetterbedingten Unfällen gestorben: Zwei wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen, ein dritter starb, als sein Anhänger im Sturm auf die Gegenfahrbahn geriet und es dabei zu einem Unfall kam.

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(avo/dpa)