Sommer 2024 im Check

Extremwetter oder freundlich - Das kommt auf uns zu

von Amelie von Kruedener

Sommer – überall wird geklagt. So wie wir ihn haben wollen, war er nicht. Aber stimmt das auch? Und was haben wir noch zu erwarten? Ein Blick auf die letzten und auch auf die kommenden sechs Sommerwochen sind aufschlussreich.
Im Video: So entwickeln sich die Temperaturen in Deutschland in den kommenden zwei Wochen.

Wechselhaft und Unwettergeplagt

Bis zur Halbzeit gestaltete sich der Sommer 2024 äußerst wechselhaft. Neben den statistischen Daten haben die Gewitter und Unwetter uns alle ziemlich durchgeschüttelt. Gefühlt gab es kaum einen Tag ohne Blitz und Donner, Hagel und Gewitterböen. Die Schäden sind immens.

Extreme Temperaturunterschiede

Diesen Sommer gab es in Deutschland krasse Wetterunterschiede. Insgesamt war es 1,2 Grad wärmer als im Durchschnitt von 1961 bis 1990, aber regional ging's ordentlich zur Sache. Im Westen gab es kaum Abweichungen, was sich fast kühl anfühlte, weil wir die alten Durchschnittssommer einfach nicht mehr gewohnt sind. Im Norden war es nur 0,5 bis 0,7 Grad wärmer, während der Osten mit 1,5 bis 2 Grad und der Südosten sogar bis zu 2,6 Grad heißer war.

Hitziger Juni und noch leicht zu warmer Juli

Der Juni war mit +1,42 Grad ein echter Hitzemonat (kühler im Nordwesten, wärmer im Südosten) und auch der Juli lag mit +0,8 Grad über dem Schnitt, wieder mit ähnlichen regionalen Schwankungen.

Regenrekorde mit extremen Werten

Beim Regen hat der Juni mit 107 Prozent des Durchschnitts ordentlich geliefert, etwa 90 Liter pro Quadratmeter. Dabei gab es krasse Unterschiede durch heftige Gewitter: An der Greifswalder So fielen 263 Prozent der normalen Menge, in Dresden nur 26 Prozent. Der Juli war ähnlich verrückt: 8 Prozent des üblichen Niederschlags in Hahn (Rheinland-Pfalz) und satte 221 Prozent in Pinnow (Brandenburg). Insgesamt lag der Niederschlag bei 57 Prozent.

Sonne im Soll, aber ungerecht verteilt

Die Sonne schien insgesamt 48 Prozent im Vergleich zu einem normalen Sommer, liegt also voll im Soll – wir haben ja noch einen halben Monat vor uns. Sonnensieger ist dabei die breite Mitte des Landes mit 50 bis 60 Prozent. Im Norden und Süden gab es weniger Sonnenstrahlen. Schaut man auf die beiden Sommermonate, die wir bereits erlebt haben, liegt der Juni bei 102 Prozent, die Mitte liegt auch hier über dem Schnitt, der Norden darunter. Im Juli liegen wir bei 40 Prozent, der Osten bekam tendenziell mehr Sonne ab.

Wie geht es mit dem Sommer weiter?

Blick auf diese Woche: In manchen Bundesländern haben die Ferien begonnen oder beginnen sie bald. Reichen die Temperaturen zum Baden, kann man Ausflüge schon planen? Ein Blick in das Wetterorakel lohnt sich also. Jetzt gerade scheint uns fast überall die Sonne auf den Kopf, doch dieses Traumwetterchen lässt uns nur kurz ausruhen, dann geht es schon wieder los:

Aus dem Westen ziehen kräftige Gewitter zu uns, begleitet von einer Kaltfront. Die energiereiche Luft kann lokal erneut für Unwetter sorgen, mit Starkregen, Sturmböen und Hagel inklusive.

Nach einem teils unruhigen Wochenstart durch eine Kaltfront kommen in der zweiten Wochenhälfte wärmere bis heiße Luftmassen ins Land, mit Temperaturen über 30 Grad. Unter leichtem Hochdruckeinfluss bleibt es endlich mal meist sonnig und trocken, nur an den Alpen sind kräftige Gewitter möglich. Bis Samstag sind in weiten Teilen des Landes also hochsommerliche Temperaturen angesagt. Nun der Dämpfer: Am Wochenende steigt die Wahrscheinlichkeit von Neuem Regen.

Blick auf den Juli

Langzeittrend Wetter Juli
Die Langfristprognose für den Juli sieht hier keine Hitze und auch recht viel Niederschlag.

Die Monatsprognose für Juli zeigt jedenfalls schon mal einen Aufwärtstrend der Temperaturen Richtung Beginn der Hundstage. Allerdings starten wir auch von einem recht bescheidenen Niveau von Top-Werten um die 25 Grad. Nach einem kurzen Einbruch der Temperaturen gehen sie zum Ende des Juli tatsächlich steil. Ein Temperaturmittel von 24 Grad läge rund 5 Grad über dem Vergleichswert von 1991 bis 2020.

Blick auf den August

Lanzeittrend wetter August
Beim Blick auf die Temperaturen im August kommt man leicht ins Frösteln.

Es startet kühl, doch dann geht es kontinuierlich nach oben. Hitze ist auch hier nicht zu erkennen, eher viele Tage im Bereich sogar unterhalb der 20 Grad. Auch hier sind immer mal wieder Niederschläge zu sehen. Nach einem stabilen Hoch sieht auch der Langzeittrend im August nicht aus. Dies ist jedoch das Wetter der gesamten Republik zusammengefasst, ein Blick in die Langfristprognosen der einzelnen Regionen würde sich lohnen. Das kann man bei und im 42-Tage-Wettertrend mit Hilfe von Grafiken und Analysen der Daten genau nachlesen.

Blick auf die Wettercomputer für den Sommer

Es wird trockener und wärmer, die gefürchteten Hitzewellen und Dürreperioden bleiben weiterhin aus, wenn die Langfristprognose von wetter.de Recht behält. Im Norden fallen die Temperaturen erst, dann wird es wieder wärmer. Der Osten sieht heiß aus, der Westen bleibt eher wechselhaft, bekommt aber auch eine Trocken-Pause, im Süden gehen wir warm und trocken durch den Sommer. Mehr und genauer betrachten wir die Wetterberechnungen der Modelle im 42-Tage-Wettertrend.

Blick auf die Bauernregeln: Hundstage oder Siebenschläfer

Jetzt wird es spannend, ob der Sommer 2024 noch Richtung heiß und trocken dreht. Wir nähern uns laut bauernregel der heißesten Zeit des Jahres: den Hundstagen, die vom 23. Juli bis 23. August gehen. Statistisch sind das die Tage mit den höchsten Temperaturen. Müssen wir uns also auf 30 bis 40 Grad einstellen? Und bleibt es dann auch eine Weile so?

Die Siebenschläfer-Regel sagt allerdings, dass die Chancen auf ein stabiles Sommer-Hoch in diesem Jahr eher schlecht stehen. Laut dieser Regel wird das Wetter im Juli und August so, wie es Ende Juni und Anfang Juli war – und das war ziemlich wechselhaft. Natürlich ist das nur eine Bauernregel und keine Garantie.

Insgesamt lassen uns diese beiden Regeln ziemlich verwirrt zurück, daher belassen wir es bei den Fakten der berechneten Wettermodelle.

Klimacheck: So ist das Wetter im deutschen Sommer

Wie sieht das Wetter in Deutschland im Sommer aus? Hier ein kurzer Überblick für die Monate Juni, Juli und August:

  • Sommerstart: Meteorologisch beginnt der Sommer am 1. Juni und endet am 31. August.
  • Regen: Im Durchschnitt bekommt Deutschland in dieser Zeit etwa 230 Liter Regen pro Quadratmeter.
  • Sonnenschein: Jeder Sommermonat hat im Schnitt etwa 210 Sonnenstunden, was insgesamt rund 630 Stunden Sonne ergibt.
  • Heiße Sommer: Besonders heiße Sommer waren 2003 (Durchschnittstemperatur über 19,5 Grad) sowie 2018 und 2019 (jeweils knapp 19,3 Grad).
  • Trockenheit: Extrem trockene Sommer erlebten wir in den Jahren 2018 und 2019.
  • Regenreiche Sommer: Sehr nass verliefen die Sommer 2011, 2017 und 2021. Auch 2015 und 2016 gab es regional viele regenintensive Unwetter.
  • Hitzewellen: Die heißesten Phasen mit Temperaturen um die 40 Grad gab es ebenfalls in den letzten Jahren.

(avo)