Erst durchwachsen, dann extrem heiß

Siebenschläfer mit Blick auf den Hochsommer: Juli am Ende mit Hitzerekorden in Deutschland

von Oliver Hantke & Björn Alexander

Am Dienstag, dem 27. Juni, ist Siebenschläfer-Tag. Dann entscheidet sich – zumindest den Bauernregeln mit einer gewissen Treffsicherheit nach – wie der Sommer sich entwickelt. Und damit könnten wir gut leben, aber was dann Ende Juli abgehen soll, ist krass und rekordverdächtig.

Das Wetter an Siebenschläfer: Sommer auf Tauchstation

Die Karte zeigt die Temperaturen in Deutschland am Siebenschläfertag 2023.
Sommerwerte sind am Siebenschläfertag nur noch im Südwesten mit dabei.

Wer es gerne sonnig und heiß mag, für den sind die nachfolgenden Aussichten wohl eher ein graus. Denn pünktlich mit dem Siebenschläfertag am Dienstag, 27. Juni geht der Sommer baden. Bezogen auf die sogenannte Siebenschläfer-Regel - wie das Wetter am Siebenschläfertag so es sieben Wochen bleiben mag - wäre uns damit ein durchwachsener Sommerverlauf wohl gewiss.

Allerdings bezieht sich diese Volksweisheit eher auf den Zeitraum bis ins erste Juli-Drittel, so dass die Hitzeverliebten auf jeden Fall noch Chancen haben. Was jetzt folgt, hat hingegen mit Sommer im klassischen Sinne nichts zu tun.

Bis Ende Juni bleibt der Sommer wechselhaft

Die Computermodelle haben nämlich momentan keine stabile Hochdruckwetterlage im Programm. Stattdessen wird sich demnach eine durchwachsene West- bis Südwestlage einstellen, in der immer wieder Fronten mit teils gewittrigen Schauern durchziehen. Immerhin: Regional bestehen in den sonnigeren Abschnitten Optionen auf sommerliche Werte - insbesondere im Süden.

Wetter-Prognose für Juli 2023: weiter extreme Hitze und Dürre

Die Monatsprognose für Juli: Viel zu heiß und viel zu trocken.
Bitte neu berechnen: Wenn der Juli so heiß und trocken ausfällt, wie die Grafik zeigt, werden nur so die Temperaturrekorde fallen.

Unsere Monatsprognose für den Juli sieht leider alles anderes als einen gemäßigten zweiten Sommermonat. Nach einem normalen Start ist weiter brutale Hitze angesagt, die das Monatsmittel am Ende fast 6 Grad zu warm da stehen lässt im Vergleich zum eh schon dem Klimawandel angepassten Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. Das wäre beispiellos. Hinzu käme, wenn die Prognose Recht behält, eine ausgewachsene Dürre-Periode. Fast 60 Liter zu wenig Regen wären fatal für Wiesen und Wälder, Land- und Forstwirtschaft. Die Waldbrandgefahr stände ruckzuck wieder auf dem Plan.

Lesetipp: Extrem wird normal - Die heißesten Sommer in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Ende Juli Hitzewelle im Süden und Südwesten mit 40 Grad und mehr?

Die Grafik zeigt den aktuell berechneten Temperaturverlauf für Freiburg für die nächsten 6 Wochen.
41 Grad sind Ende Juli für Freiburg berechnet.

In unseren Langfristprognosen hält sich seit einigen Tagen ab Mitte Juli hartnäckig extreme Hitze. Werte von über 35 Grad sind berechnet, Richtung Monatsende geht es sogar in Richtung 40 Grad. In Freiburg soll es mit knapp 41 Grad noch höher gehen. Somit kommen wir in den Bereich des absoluten Rekords für Deutschland. Der liegt derzeit bei 41,2 Grad.

Was noch erschwerend hinzu kommt, ist, dass sich die Hitze über mehrere Tage halten soll. Und auch in den Nächten ist kaum an Abkühlung zu denken. Die Tiefstwerte liegen sogar noch im sommerlichen Bereich bei 25 oder 26 Grad. Da ist an Schlaf wohl kaum noch zu denken.

Obacht bei den Computer-Langfristtrends

Langfristberechnungen sind mit entsprechender Vorsicht zu genießen. Denn mit den Computertrends über einen Zeitraum von fünf bis bis zehn Tagen im Voraus oder gar mit Blick auf ganze Monate oder Jahreszeiten hinaus, verlassen wir die klassischen Wetterprognosen und wechseln in den experimentellen Bereich. Das sind eigentlich eher Hilfsmittel, die zum Beispiel der Energiewirtschaft dienen können.

Wie ist das Wetter im Sommer in Deutschland?

Hier ein Klimacheck für unsere Sommermonate Juni, Juli und August:

  • Meteorologischer Sommeranfang ist der 1. Juni, das Ende ist am 31. August, kalendarisch beginnt der Sommer um den 21. Juni herum
  • In diesen drei Monaten bekommen wir im Deutschlandschnitt normalerweise um die 230 Liter Regen pro Quadratmeter
  • In Sachen Sonnenschein ergattert jeder Sommermonat im Schnitt um die 210 Sonnenstunden, so dass es am Ende gerne mal um die 630 Stunden Sonne sind
  • Besonders heiße Sommer waren beispielsweise der Sommer 2003 (Durchschnittstemperatur über 19,5 Grad) oder die Sommer 2018 und 2019 (im Mittel knapp 19,3 Grad)
  • Außergewöhnliche Trockenheit brachten uns in Summe unter anderem die Sommermonate in den Jahren 2018 und 2019
  • Sehr nass verliefen zum Beispiel die Sommer 2011, 2017 oder 2021. Aber auch in den Sommern 2015 oder 2016 gab es regional etliche regenintensive Unwetterlagen
  • Die heißeste Phase mit vielen Stationen von um die 40 Grad und mehr erlebten wir im Juli 2019 als mit 41,2 Grad in Duisburg-Baerl auch der aktuelle deutsche Hitzerekord aufgestellt wurde

Unsere Wettertrends und Themenseiten

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(oha,bal)