Pollenalarm: Länger, stärker, mehr

Bald gibt es keine Pollensaison mehr - irgendwas fliegt immer

von Christian Häckl & Claudia Träger

Pollen-Allergiker haben es nicht leicht – in Zeiten des Klimawandels erst recht nicht. Denn durch die immer milderen Winter beginnt auch die Pollensaison immer früher. Es ist sogar schon so, dass sich in Deutschland das Ende einer Saison inzwischen fast mit dem Beginn der nächsten überschneidet, also rund ums Jahr die Pollen fliegen. Und damit nicht genug schlechte Nachrichten für Allergikerinnen und Allergiker. Christian Häckl erklärt im Klima Update, welche Faktoren die Leidenszeit der Heuschnupfen-Geplagten noch verstärken.
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Was ist eine Allergie?

Frühjahr und Sommer sind beliebt dafür. Dann heißt es: Augen tränen, es wird geniest und der Kopf schmerzt. Allergiker kennen diese Symptome nur zu gut. Denn in diesen Jahreszeiten tritt Heuschnupfen (Fachausdruck: Pollinosis vom lateinischen pollen = feines Mehl) besonders häufig auf. Denn dann ist Hauptblühperiode und die Pflanzen verbreiten ihre Pollen, also das männliche Erbgut im Blütenstaub. (Den vollständigen Text finden Sie nach dem Download der Hires-Vektor-Datei bzw. der Hires-Datei im PDF-Dokument.) Grafik: Athanassios Zafirlis, Andreas Brühl, Redaktion: Ira Kugel, Datenerhebung: einmalig
Eine Pollenallergie ist eine übersteigerte Körperreaktion gegen Blütenstaub.

Für die meisten Menschen sind Pollen von Haselnuss, Birke oder auch Ambrosia usw. völlig unauffällig. Personen mit einer Pollenallergie aber reagieren überempfindlich auf die aus den Pollen freigesetzten Substanzen und bilden – unnötigerweise – Abwehrstoffe. Die Hauptfunktion dieser Antikörper ist die Abwehr von sogenannten Endoparasiten, wie beispielsweise Bandwürmer. Bei einer Allergie stürzen sich die Antikörper auf eigentlich harmlose Substanzen aus unserer Umwelt.

Sind die Antikörper erst einmal entwickelt, legen sie sich gleich ins Zeug, wenn wieder ein Eindringling – in diesem Fall eben harmlose Blütenpollen – in den Schleimhäuten von Augen, Nase und in den Bronchien angreift. Als Reaktion werden körpereigenen Substanzen freigesetzt, was sich in triefender Nase, tränenden Augen, Husten u.a. äußert. Die Symptome sind leider vielfältig.

Gefürchtete Ambrosia - was macht das Beifußblättrige Traubenkraut so besonders gefährlich?

(Avhtung: Diese Grafik ist nur in Farbe erhätlich!) Mit Vogelfutter und Saatgut ist eine Pflanze nach Nordeuropa gelangt, gegen die viele Menschen allergisch sind. Die Klimaerwärmung begünstigt ihre Ansiedlung. Jetzt haben Forscher vorausberechnet, wo künftig die Beifuß-Ambrosie Allergiker quälen wird; Querformat 135 x 90 mm, Redaktion: B. Jütte; Grafik: D. Dytert, Bökelmann
Die hochallergene Beifuß-Ambrosie ist auf dem Vormarsch. Bis zum Jahr 2080 wird sie weit in den Norden und Osten Europas vorankommen.

Die aus Nordamerika stammende Ambrosia breitet sich nicht nur in Deutschland immer mehr aus. Ihre Pollen können schon in kleinsten Mengen heftige allergische Reaktionen auslösen. Da die Pflanze sich nur durch Samenbildung vermehren kann, produzieren die Blüten davon auch noch besonders viele.

Bei uns tritt die Ambrosia-Pflanze besonders an Straßenrändern und vor allem in Gärten auf, wo Vögel gefüttert werden. Denn: Ambrosia-Samen können in Vogelfutter enthalten sein. Schlimmer dran ist aber Südosteuropa: Dort ist sie nicht nur unter Allergikern, sondern auch in der Landwirtschaft gefürchtet. Um sie zu bekämpfen, hilft vor allem: raus reißen (mit Wurzel!) und im Restmüll in eine Tüte gewickelt entsorgen.

Info-Tipp: Allergiker-Albtraum Ambrosia: So erkennen Sie die gefährliche Pflanze

Pollenallergie im Winter mit der Purpur-Erle

Purpur-Erle, Purpurerle, Spaeths Erle, Grossblaettrige Erle (Alnus spaethii, Alnus x spaethii), Zweig mit Fruechten | Spaeth's Alder (Alnus spaethii, Alnus x spaethii), branch with fruits, Germany, Baden-Wuerttemberg
Die Pupur-Erle hat besonders schöne Blätter und blüht besonders früh. Pollen-Allergiker bekommen das schon rund um Weihnachten zu spüren.

Und noch ein Sonderfall ist die Purpurerle. Diese robuste Baumart soll die klimatischen Veränderungen gut überstehen, wächst schnell und wird verstärkt gepflanzt – auch wegen ihrer schönen Blätter. Sie entstand aus der Kreuzung zwischen einer kaukasischen Erle und einer japanischen oder sibirischen Erle, heißt es auf der Website der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst.

Ungünstigerweise blüht sie teilweise bereits an Weihnachten, wurde in Buchs in der Schweiz beobachtet. Eine mögliche Erklärung für ihren frühen Pollenflug: Die Purpurerle kann offenbar dank ihrer sibirischen Gene mehr Frost nach dem Erblühen riskieren als heimische Baumarten. Erst recht in den immer milder werdenden Wintern.

Lese-Tipp: Stirbt der Winter aus? Die Hitliste der mildesten Winter

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(hha, ctr)