Wintergigant macht schlapp

Polarwirbel bricht ein und macht den Weg für den Sommer frei

von Björn Alexander und Karim Belbachir

Nicht nur hierzulande macht sich der voranschreitende Frühling bemerkbar. Auch die großen Wettermotoren des Winters begeben sich nun schrittweise in den Ruhemodus. Insbesondere der Polarwirbel kollabiert in den nächsten Wochen immer weiter - mit Folgen auch für unser Wetter in Deutschland.

Oben im Video: Sommertage, Hitzetage – das hat das Sommerhalbjahr normalerweise für uns im Programm

Was geschieht aktuell in unserer Wetterküche?

RTL-Meteorologe Björn Alexander:„Momentan erleben wir letzte Zuckungen des Winters in Form von Nachtfrost, der mit den östlichen Winden bei uns in Deutschland und Mitteleuropa immer wieder ins Spiel gebracht wurde und wird. Schlussendlich hat damit der März bisher schon mehr Tage mit Nachtfrost im Gepäck gehabt als der Februar 2022. Da gab es nämlich im deutschlandweiten Durchschnitt gut 9 sogenannte Frosttage, während es im März bis jetzt schon über 12 Tage sind.”

Prognose: Nachtfrost legt wieder zu

Deutschlandkarte mit den Tiefstwerten in der Nacht zum Sonntag, 20. März 2022
Ohne Frost geht es auch im kalendarischen Frühling nicht

Wie schlägt sich der Februar im Vergleich zu den anderen beiden Wintermonaten?

Björn Alexander: „Weil es ja auch in nächster Zeit wieder vermehrt Frost und Bodenfrost geben wird, kommen sogar der Januar (knapp 14 Frosttage) und der Dezember 2021 (etwa 15) in greifbare Nähe. Und natürlich können frostige Tiefstwerte auch locker noch im April und Mai eine Rolle spielen.” Wobei unser Wetterexperte ebenfalls darauf hinweist, das die Stunden, in denen es nachts im Frühjahr friert, aufgrund der Tageslängen immer kürzer werden: „Winterlicher Nachtfrost und Frost im Frühling oder gar im Sommer sind somit nicht ganz vergleichbar.”

Wetter im Prognosecheck – die Aussichten für Deutschland, Europa und weltweit

RTL-Meteorologe Björn Alexander zur Umstellung der Jahreszeiten

Das Bild zeigt den RTL-Meteorologen Björn Alexander
RTL-Meteorologe Björn Alexander

Frost und nächste Woche wieder die 20 Grad im Blick - warum ist das so?

„Weil die Wetterwelt auf der Nordhalbkugel sich im März und April genau zwischen den letzten Aufbäumversuchen des Winters und dem gleichzeitigen Aufleben des Sommers befindet. Spätwinter- und erste Ansätze von Frühsommerluft können sich somit auf engem Raum begegnen. Ein Grund hierfür ist unter anderem auch der Polarwirbel und seine letzten Zuckungen, bevor er in die Sommerpause geht - es ist momentan also eine wichtige Weichenstellung für den Frühling und den nachfolgenden Sommer”, erläutert der Meteorologe weiter.

Was passiert jetzt mit dem Polarwirbel?

„Grundsätzlich hat der Polarwirbel seine intensivste Phase im Hochwinter”, beginnt Alexander und bezieht sich somit auf den Januar und den Februar. Dann seien die Temperaturunterschiede zwischen dem Nordpol und dem Äquator am größten, bevor die Unterschiede im Laufe des Frühjahrs wieder geringer werden: „Dementsprechend baut sich der Wintergigant im Herbst und Spätherbst auf und verliert im Laufe der Frühjahrs immer mehr an Bedeutung beziehungsweise schwächt sich ab - so wie es eben auch aktuell der Fall ist. Denn momentan hat eine starke Schwächung des Wirbels begonnen - er kollabiert allmählich.” In der Folge hätten es die sommerlichen Luftmassen aus dem Süden damit grundsätzlich gesehen leichter, bis zu uns nach Mitteleuropa und Deutschland voran zu kommen.

Lese-Tipp: Was ist der Polarwirbel?

Polarwirbel in der Vorhersage

In der Vorhersage wird die Temperatur in einigen Kilometern Höhe dargestellt. Je gleichförmiger die blauen, also kalten Bereiche zusammenhängen, umso stärker ist der Polarwirbel. Werden hingegen große Lücken und mildere Einschübe in Richtung Nordpol berechnet, dann ist der Wirbel instabiler.

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(bal, kfb)