Beim Eyjafjallajökull war vieles anders

Vulkanausbruch auf Island: Warum nicht jeder Ausbruch der Feuerberge massive Auswirkungen hat

von Laura Kranich

Nach Wochen des Bangens und Wartens wegen teils heftiger Erdbebentätigkeit auf der Reykjanes-Halbinsel auf Island schießen nun aus einer bis zu vier Kilometer langen Spalte riesige Lavafontänen. Dennoch kann die Eruption nur für ein unmittelbar benachbartes Dorf noch gefährlich werden. Wir schauen darauf, warum Europa jetzt kein Vulkan-Desaster droht wie 2010.

Im Video: Sehen Sie erste Aufnahmen des spektakulären Vulkanausbruchs

Große Aufregung auf Island schon Anfang November

General view of the town of Grindavik, which was evacuated due to volcanic activity, in Iceland, November 17, 2023. REUTERS/Marko Djurica
Tiefe Risse hatten sich bereits im November in dem Örtchen Grindavik aufgetan.

Schon Anfang November deutete sich das jetzt begonnene Vulkan-Spektakel auf Island an, als zuerst die Bodenhebung und kurz darauf auch die Erdbebentätigkeit im Südwesten Islands plötzlich in die Höhe schnellten. Zum Teil gab es tausende Erdbeben pro Tag. Sorge bereitete dabei vor allem, dass die Aktivität sehr nah an dem Fischerdörfchen Grindavík lag und sich tiefe Risse, Spalten und Erdlöcher mitten im Ort auftaten. Selbst auf Island war das alles andere als ein normales Ereignis. Manche befürchteten, dass ein Vulkanausbruch mitten im Ort stattfinden oder ihn von außen mit Lava fluten könnte, ähnlich wie 1973 auf der Insel Heimaey im Süden Islands.

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Vermeintliche Beruhigung war nur die Ruhe vor dem Sturm

19.12.2023, Island, Grindavik: Lavafontänen sind zu sehen, bei einem vulkanischen Ausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel in Island. Foto: Marco Di Marco/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Hohe Lavafontänen schießen nördlich von Grindavik in den Himmel.

Bis Ende November schien sich die Lage aber erst einmal wieder zu beruhigen. Die Erdbebentätigkeit und Bodenbewegung nahmen deutlich ab und es wurde spekuliert, dass eine Eruption auch ausbleiben könnte. Doch der Boden hob sich an der berühmten Blauen Lagune wenige Kilometer nördlich von Grindavík weiter um etwa einen Zentimeter pro Tag und erreichte nun erneut einen kritischen Punkt. Der Untergrund gab dem stetig steigenden Druck aus der etwa fünf Kilometer tiefen Magmakammer endgültig nach und eine etwa vier Kilometer lange Spalte öffnete sich. Aus ihr schießen nun die Lavafontänen teils über 100 Meter hoch in die Luft.

Was ist das Besondere an der Eruption?

**VIDEO AVAILABLE: CONTACT INFOCOVERMG.COM TO RECEIVE** These spectacular images and this video footage show the eruption of a volcano on Icelands Reykjanes peninsula just after 10pm on Monday night 18December2023. The eruption came after weeks of intense earthquake activity. Around 4,000 people were evacuated from the fishing town of Grindavik. The peninsula, which is just south-west of Icelands capital Reykjavik has been experiencing an increase in seismic activity since late October. Officials from the Icelandic Met Office said the eruption was located about 4km 2.5 miles north-east of Grindavik. The length of the fissure in the volcano is about 3.5km, with the lava flowing at a rate of around 100 to 200 cubic metres per seco Copyright: xx 53314465
Spektakuläre Spalteneruption auf Island: Aus dem Helikopter ist gut zu sehen, wie die dünnflüssige Lava zu den Seiten abfließt.

Der Vulkanismus auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt von den meisten anderen bekannten Vulkanen: Es handelt sich hier um eine aktive Plattengrenze, bei der die Nordamerikanische und die Eurasische Kontinentalplatte auseinanderdriften. Dabei wird durch den Vulkanismus neue Erdkruste gebildet. Die Lava, die dort an die Oberfläche tritt, ist sehr dünnflüssig und die darin gelösten Gase können wie aus einer Sprudelflasche sehr leicht austreten. So entstehen die beeindruckenden Lavafontänen – aber keine explosiven Phasen mit großen Aschewolken, dies wird auch als effusive Eruption bezeichnet.

„Worst-Case-Szenario“ für Grindavík, aber Gefahren auf unmittelbare Umgebung beschränkt

HANDOUT - 19.12.2023, Island, Grindavik: Dieses Bild, das aus einem von der isländischen Küstenwache zur Verfügung gestellten Video stammt, zeigt ihren Hubschrauber, der in der Nähe von Magma fliegt, das auf einem Hügel in der Nähe von Grindavik auf der isländischen Halbinsel Reykjanes fließt, am späten 18.12.2023 oder frühen 19.12.2023. Nach einer wochenlangen Erdbebenserie hat es auf der Reykjanes-Halbinsel in Island am späten Montagabend einen vulkanischen Ausbruch gegeben. Foto: Uncredited/Icelandic Coast Guard/AP/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Derzeit am besten aus dem Helikopter zu beobachten: Die Spalteneruption bei Grindavik

Weil die Lava so dünnflüssig ist, fließt sie sehr schnell zu den Seiten ab und bildet keinen großen Vulkankegel. So entstanden dort schon in der Vergangenheit große Lavaplateaus und auch die beeindruckenden Bilder der wie in einem Fluss fließenden, glühenden Lavaströme am benachbarten Fagradalsfjall. Die jetzige Eruption ist aber deutlich größer und viel näher an dem Dorf Grindavík. Sie könnte deshalb Teile des Ortes sowie das nahegelegene Geothermalkraftwerk in Mitleidenschaft ziehen. Isländische Vulkanologen sprechen deshalb von einem „Worst-Case-Szenario“.

Kein Touristen-Vulkan: Isländer in Sorge um ihre Häuser

18.12.2023, Island, Reykjavik: Menschen beobachten, wie der Nachthimmel nach dem Ausbruch eines Vulkans auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten Islands von der Hauptstadt Reykjavik aus gesehen erhellt wird. Auf der Reykjanes-Halbinsel in Island ist am späten Montagabend ein Vulkan ausgebrochen. Das teilte das isländische Wetteramt mit. Foto: Brynjar Gunnarsson/AP +++ dpa-Bildfunk +++
Am besten aus sicherer Entfernung: Schaulustige beobachten die Vulkaneruption bei Grindavik in der Nacht

Zwar wurde in den vergangenen Wochen ein großer Deich um die berühmte Blaue Lagune und das Geothermalkraftwerk gebaut, um sie vor Lavaströmen aus einer möglichen Eruption zu schützen. Doch die genaue Position einer Eruption war nur bedingt absehbar und könnte nun so ungünstig sein, dass dennoch erhebliche Schäden entstehen. Die Eruption ist außerdem bedeutend größer als die Eruptionen am Fagradalsfjall der letzten drei Jahre und hat laut der Nachrichtenseite ruv.is bereits mehrere Quadratkilometer Land mit Lava bedeckt. Der Großteil der Lava wird voraussichtlich nach Nordwesten in unbewohntes Gebiet fließen, könnte aber eine wichtige Straße nach Grindavík zerstören.

Zwar hat die Intensität der Eruption bereits abgenommen, sie könnte jedoch noch lange andauern, deshalb ein großes Gebiet betreffen und auch noch den Ort Grindavík erreichen. Die Behörden bitten die Menschen zum jetzigen Zeitpunkt, nicht zum Ort der Eruption zu fahren oder extra anzureisen: „Wir haben es hier nicht mit einer Touristenattraktion zutun.“

Keine Gefahr für den Flugverkehr – Unterschied zu explosiven Vulkaneruptionen

Die Grafik veranschaulicht die Plattentektonik der Erde. Als Motor der Bewegung werden Wärmeströmungen im Erdmantel angenommen.
Die Vorgänge im Erdinneren, die zur Plattentektonik führen: Island liegt auf einem Mittelozeanischen Rücken und auf einem Hotspot, wo viel heißes Gestein aus dem Erdinneren aufsteigt.

Der Flugverkehr am nahegelegenen Flughafen Keflavík ist bisher kaum durch die Eruption beeinträchtigt, zwar gibt es derzeit teilweise größere Verspätungen, mit unklarer Ursache. Einige Flüge sollen auf jeden Fall pünktlich abgewickelt werden. Für das europäische Festland sind keinerlei Beeinträchtigungen zu erwarten, wie etwa beim Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010.

Der Grund dafür ist, dass es auf Island mehrere Faktoren gibt, die die Art und Intensität von Eruptionen beeinflussen. Zum einen die erwähnte Plattentektonik, die hauptsächlich zu effusiven Spaltenausbrüchen führt. Nur wenn die Lava in den Ozean fließt oder im flachen Wasser ausbricht kann es zu kleineren Explosionen kommen, die aber kaum in der Lage sind, in weiterem Umkreis für Probleme zu sorgen.

Explosive Vulkanausbrüche mit großen Aschewolken haben andere Ursachen

Explosive Eruptionen wie die des Eyjafjallajökull dagegen stehen auch im Zusammenhang mit dem Hotspot, auf dem sich Island befindet sowie den isländischen Gletschern. Island liegt über einem sogenannten Mantelplume, in dem heißes Material tausende Kilometer aus dem Erdinnern bis zur Oberfläche strömt. Dort wird mehr Magma, eine dickere Erdkruste und auch etwas dickflüssigere Lava gebildet, aus der die Gase weniger leicht entweichen können. Schon dadurch kann die Explosivität der Eruptionen ansteigen.

Durch die Bildung von höheren Vulkanbergen liegen im Zentrum von Island zudem noch heute große Gletscher auf deren Gipfeln. Trifft die über eintausend Grad heiße Lava auf das Gletschereis, können Eruptionen in eine explosive Phase übergehen, bei der die Lava durch Kontakt mit dem Gletscherwasser in feinste Stücke gerissen und hoch in die Luft geschleudert wird.

Dann können riesige Aschewolken aus feinen Partikeln vulkanischen Gesteins gebildet werden, die in große Höhen gelangen und den Flugverkehr zum Erliegen bringen können. Denn gelangen die feinen Gesteinspartikel in die Triebwerke von Flugzeugen, können sie sich dort festsetzen und großen Schaden anrichten. Flugzeuge dürfen in solche Aschewolken deshalb auf keinen Fall hineinfliegen.

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(ukr)