Wie Meeressäuger das Klima retten können

So macht Wal-Kot die Meere gesund

von Amelie von Kruedener

Die Ozeane und unser Klima werden von Walen mehr beeinflusst, als wir uns vorstellen konnten. Sie sind der Schlüssel für einen Kreislauf, der die Ozeane im Gleichgewicht hält und CO2 aus der Atmosphäre holen kann. Wie Wale und ihre Fäkalien alles zusammenhalten, hat auch die Forschung überrascht.

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Wale fressen mehr, scheiden mehr aus und düngen so das Meer

Die Bedeutung für ein ökologisches Gleichgewicht der Meere hängt enger mit den Walen zusammen, als wir bisher dachten. Bartenwale fressen viel mehr, als wird bislang wussten – und scheiden daher auch viel mehr Kot aus, als wir angenommen haben – teilweise sogar das Dreifache. Der Walkot düngt damit regelrecht das Meer. Große Mengen an Eisen gelangen so an die Meeresoberfläche und sorgen für eine große Menge an Phytoplankton. Das wirke sich auf die Nahrungskette der Ozeane aus und könne auch den Klimawandel dämpfen, schreibt ein Forschungsteam um Matthew Savoca von der kalifornischen Stanford University im Fachblatt „Nature“.

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Wale beeinflussen das Ökosystem der Ozeane stärker als gedacht.
Die Erkenntnis ist noch recht jung; im letzten Jahr zeigte eine Studie, dass der brutale Walfang im 20. Jahrhundert drastische Folgen für die Meere hatte.

Wal-Studie hat Rätsel gelöst

Blauwale gehören zu den Bartenwalen, sie sind mit mehr als 33 Metern das größte Tier der Erde. Ihre Nahrung besteht aus gigantischen Mengen Krill, kleine Krebstiere, die zum Zooplankton gehören. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts brachten Walfänger die meisten Bartenwale an den Rand der Ausrottung. Seit langen haben Forscher nicht verstanden, warum es immer weniger Krill gibt, obwohl gleichzeitig auch immer weniger Wale in den Meeren leben. Gleichzeitig gingen auch die Bestände von Seevögeln, Raubfischen und anderen Meeressäugern zurück. Durch das Verständnis des Nahrungskreislaufs ist dieses Paradoxon nun wahrscheinlich gelöst.

Wale fressen viel mehr als Forscher dachten

  • Ein Blauwal im Nordpazifik frisst 16 Tonnen Krill pro Tag
  • Ein Glattwal im Nordatlantik frisst täglich rund 5 Tonnen
  • Ein Grönlandwal etwa 6 Tonnen Zooplankton

Insgesamt fressen die untersuchten Arten der Studie pro Tag zwischen 5 und 30 Prozent ihrer Körpermasse – je nach Beutetyp. Das ist viel mehr als bislang angenommen, das Forscherteam ging von einem Drittel aus.

Wale als ideale Düngerspender

Bartenwale sind wichtige Meeresgärtner.
Die großen Säuger aus dem Meer: Gejagt, unterschätzt und für unseren Planeten extrem wichtig.

Das Recycling-System funktioniert. Dadurch, dass so enorme Mengen von Bartenwalen gegessen und dann wieder ausgeschieden werden, kommt auch eine große Menge der mit der Beute aufgenommenen Nährstoffe ins Wasser. Und das ganz nah an der Meeresoberfläche. Das ausgeschiedene Eisen ist ein perfekter Dünger für das zum größten Teil aus Kieselalgen bestehende Phytoplankton – die Basis der gesamten Nahrungskette im Meer. Die Forscher schätzen, dass Bartenwale den Nordatlantik pro Jahr mit 1200 Tonnen Eisen düngen.

Walfang hat gigantische Schäden angerichtet

Walfang nach Fangzeck
Das Töten der Wale nimmt kein Ende. Quelle: Statista

Das, was heute durch die Walfäkalien als Dünger ins Meer gelangt, ist nur ein Bruchteil der vor gut 100 Jahren ausgeschiedenen Menge. Nach der Auswertung alter Daten konnte man die ungefähre Zahl der Wale vor der Waljagd bestimmen. Dabei wurde klar, welche Mengen an Dünger fehlen. Blauwale wurden im Südpolarmeer fast ausgerottet. Um 1900 fraßen Blauwale laut den Berechnungen jährlich 167 Millionen Tonnen Krill, Im Jahr 2000 waren es nur noch 0,6 Millionen Tonnen – ein Rückgang um 99,6 Prozent. Inzwischen haben sich die Blauwalbestände zwar ein wenig erholt, doch gelten sie immer noch als stark gefährdet.

Wale düngen die Ozeane mit Eisen und retten das Klima

Krill in der Antarktischen See
Der Antarktische Krill (Euphausia superba) gilt als die wohl bekannteste Art des Zooplanktons. Im Antarktischen Ökosystem kommt dem Krill eine zentrale Schlüsselstellung zu.

Insgesamt konsumierten Bartenwale zum Anfang des 20. Jahrhunderts in dem Meer 430 Millionen Tonnen Krill pro Jahr. Das ist etwa das Doppelte jener Krillmenge, die der Ozean heutzutage enthält. Damals düngten diese Wale das Meer den Berechnungen zufolge mit 12.000 Tonnen Eisen pro Jahr – also mit dem Zehnfachen der heutigen Menge.

Würden die Walbestände wieder das Niveau wie vor gut 100 Jahren erreichen, würde nicht nur die Produktivität der Ozeane deutlich steigen, sondern die größere Menge Phytoplankton könnte mit ihrer Photosynthese wesentlich mehr CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen – und so den Klimawandel bremsen.

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(avo)