Klimaschädlich statt Klimapositiv?
Finger weg von Fake-Werbung im Supermarkt
Es gibt einem ein gutes Gefühl, im Supermarkt nach vermeintlich umweltfreundlichen Artikeln zu greifen. Doch zur großen Enttäuschung aller, die sich an Siegeln wie „klimaneutral“ oder „klimapositiv“ orientieren, sind diese Produkte irreführend. Warum Sie eine Mogelpackung sind und sogar gefordert wird die Klima-Labels zu verbieten.
Im Video: Wie klimaneutral viele beliebte Lebensmittel wirklich sind und worauf wir beim Einkauf achten sollten, erklärt Bernd Fuchs im Klima Update.
Klimaneutralität als Marketing-Strategie

Damit zu werben, dass ein Produkt angeblich klimaneutral produziert wurde, kommt beim Verbraucher gut an. Da die Lebensmittelbranche rund 30 Prozent der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland erzeugt, ist es für die Branche besonders wichtig, um ihr klimabewusstes Image aufzupolieren.
Im Supermarkt sieht man die Werbung mit dem Siegel „klimaneutral“ oder „klimapositiv“ immer häufiger. Beim Einkaufen liest man auf Produkten, dass der Hersteller mit einem Teil des Preises ein Regenwald-Projekt finanziert. Andere Firmen versprechen wiederum, neue Bäume zu pflanzen oder Plastikmüll zu sammeln. Beispielsweise steht auf einem Saft, das Siegel „Co2 neutral“ – dabei wurden nur 7 Prozent der, bei der Produktion anfallenden Treibhausgase kompensiert.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2020 im Auftrag der Europäischen Kommission wurden bei 10 Prozent der Lebensmittel und 8 Prozent der anderen Produkte klimapositive Siegel gefunden. Mittlerweile wird der Anteil vermutlich gestiegen sein. Doch die Wahrheit hinter diesen Siegeln ist eine andere: Hinter den Unternehmen stehen Zertifizierungsfirmen, die ihnen helfen, ihre Produkte als klimaneutral zu vermarkten und laut der Verbraucherorganisation Foodwatch auch selbst daran verdienen.
Fake-Werbung bald verboten?
Die Verbraucherorganisation Foodwatch, die auf die Nahrungsmittelbranche spezialisiert ist, fordert ein Verbot für Werbung mit Klima-Claims, wie „Klimaneutralität". Die Verbraucher können sich auf vermeintlich klimafreundliche Siegel noch nicht verlassen und wissen nicht, in welchem Ausmaß Emissionen kompensiert werden. Hierzu hat Foodwatch verschiedene Anbieter von Klimaneutral-Labeln untersucht und festgestellt, dass es keine konkreten Vorgaben oder Regulierungen zur Reduktion gäbe.
Das Freiburger Öko-Institut hat für die EU-Kommission 2016 hunderte zertifizierte Klimaschutzprojekte analysiert und dabei herausgefunden, dass nur 2 Prozent der Projekte die untersucht wurden sehr wahrscheinlich ihre Versprechen halten können.
Auch Ramona Pop, die Vorständin der Verbraucherzentrale Bundesverband, bezeichnet das als „Greenwashing“ und steht klar hinter den Forderungen nach einem Verbot.
Klima entlasten geht auch ohne Siegel
Um klimafreundlich einzukaufen, kann man auch ohne irreführende Labels Erfolg haben. Vor allem auf tierische Produkte wie Fleisch oder Milchprodukte sollte man verzichten, denn die haben im Vergleich eine schlechte Klimabilanz.
Besser für das Klima sind Obst und Gemüse aus Deutschland, das zum Beispiel von einem Bauernhof in der Nähe stammt. So werden Transportwege gespart.
Außerdem sollte man versuchen, so wenige Lebensmittel wie möglich wegzuwerfen und prüfen, ob ein Produkt auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch essbar ist. Vor allem bei Fisch und Fleisch sollte man aber vorsichtig sein.
Weitere Tipps zum Kampf gegen Lebensmittelverschwendung sehen Sie im Video.
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(jjo)



