Wirbelstürme mit Deutschland-Effekt

Hurrikane auf Europa-Kurs - sie beeinflussen auch unser Wetter

von Paul Heger

Auf den europäischen Wetterkarten taucht aktuell ein Hurrikan mit Kurs auf Westeuropa auf. Der zweite Hurrikan wird folgen und sich genauso in die Wetterlage in Europa einmischen. Auch in Deutschland bekommt man die Auswirkungen zu spüren, wenngleich noch Details der Art und Weise offen sind. Aufpassen sollte man auch in beliebten Urlaubsregionen.

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Hurrikan DANIELLE - als Tropensturm mit Wucht nach Europa

Zugbahn Hurrikan Danielle vom 5. September
Die berechnete Zugbahn des Amerikanischen Hurrikan-Zentrums zeigt, wie Wirbelsturm DANIELLE als Tropensturm in Richtung Europa zieht. Quelle: NHC/NOAA

Mit Hurrikan DANIELLE hat sich in den letzten Tagen ungewöhnlich weit nördlich ein tropischer Wirbelsturm gebildet. Er dreht sich aktuell zwischen Kanada und den Azoren auf dem Nordatlantik und zieht bis zu Donnerstag exakt in Richtung Westeuropa.

Zum Glück schwächt der Wirbelsturm sich dabei auf das Niveau eines Tropensturms ab, der aber immer noch schwere Sturmböen und große Regenmengen im Gepäck hat. Einzelne Modelle berechnen, dass er mit dieser Wucht am Wochenende auf Portugal, Spanien und Frankreich trifft. Realistischer ist zur Zeit, dass der Sturm in die Fänge eines Tiefs in seiner Nähe gerät.

Major-Hurrikan EARL ist noch heftiger unterwegs

Zugbahn Hurrikan Earl vom 5. September
Die Zugbahn zeigt: Stropensturm Earl verstärkt sich auf seinem Weg über den Nordatlantik erst zum Hurrikan (Markierung "H"), dann zu einem Major-Hurrikan (Markierung "M") und dreht langsam in Richtung Europa. Quelle: NHC/NOAA

Wenn DANIELLE seine Energie an ein anderes Tief übergibt oder uns vielleicht ja doch direkt erreicht, taucht weiter westlich schon der nächste dicke Brummer auf. Tropensturm EARL dreht sich gerade noch in der Karibik und nimmt Kurs auf die aktuelle Position von DANIELLE. Dabei verstärkt sich EARL am Wochenende wohl zum Major-Hurrikan – also einem Wirbelsturm mit mindestens Kategorie 3 von 5. Das entspräche Mittelwinden von mindestens 178 km/h, in Böen deutlich mehr.

Hurrikan EARL wird dann ebenfalls in Richtung Westeuropa ziehen. Manche Wettermodelle lassen ihn nach nur kurzer Zeit abschwächen und als Islandtief weiterleben, andere lassen ihn mal mehr, mal weniger stark nächste Woche über die Azoren ziehen. Danach könnte er von Portugal bis Frankreich und die Britischen Inseln auf Festland treffen. Sturm bis Orkan und große Regenmengen wären die Folge – wären, denn die Lage ist eben noch sehr unsicher aufgrund des zeitlichen Abstands.

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Wetterlage in Europa bleibt spannend!

Windböen von Amerika bis Europa für den 13. September
Tropensturm Earl könnte als heftiger Sturm auf Westeuropa treffen, wie es diese Berechnung für den 13. September zeigt. Gleichzeitig dreht sich vor Nordamerika schon der nächste Hurrikan, welcher nach Europa driften könnte.

Der direkte Einfluss dieser Wirbelstürme auf Wetter in Europa sind zum einen heftige Niederschläge und Winde. Auch Deutschland erlebte schon Sturmtiefs, welche ursprünglich Hurrikane waren. Im September bringen solche ehemals tropischen Tiefs dann paradoxer Weise die volle Herbstklatsche mit sich.

Der indirekte Einfluss bewirkt meist das komplette Gegenteil. Dreht sich ein derart starkes Tief vor den Küsten Westeuropas, löst das bei uns meist eine südliche Strömung aus. Damit wird es warm und oft sogar sonnig. Das erlebten wir sehr eindrucksvoll beim Hurrikan OPHELIA.

Zu hoffen bleibt, dass die Hurrikane DANIELLE und EARL für uns und alle ungefährlich bleiben. Sind diese beiden Stürme abgezogen oder aufgelöst, ist die Gefahr jedoch nicht vorbei. Einzelne Modelle sehen neue Wirbelstürme in der Nähe Europas. Die Hurrikansaison reicht ohnehin bis weit in den Herbst und geht damit nahtlos in unsere „normale“ Sturmsaison über.

Klimakrise: Atlantik und Golfstrom befeuern Hurrikane

HANDOUT - 19.08.2020, ---: Auf diesem von der US-Raumfahrtbehörde Nasa zur Verfügung gestellten Bild ist der Hurrikan «Genevieve» aus der ISS vor der mexikanischen Westküste zu sehen. Der Hurrikan hat die mexikanische Halbinsel Baja California mit bi
Hurrikane und andere Wirbelstürme sind die heftigsten Sturmtiefs auf der Erde und sie könnte durch die Klimakrise heftiger werden und auch uns erreichen. Archiv: Hurrikan GENEVIEVE

Dass sich Hurrikane so weit nördlich bilden und in Richtung Europa ziehen, ist eher selten. Die Klimakrise könnte das aber verändern. Durch die Erderhitzung werden auch die Meere wärmer, womit auch immer weiter nördlich die nötige Energie bereit steht. Demnach könnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis ein Hurrikan Westeuropa auch mit Hurrikan-Stärke erreicht.

Der Golfstrom spielt dabei auch eine Rolle. Er wird aktuell schwächer und Klimamodelle berechnen, dass dieser Trend anhält und er sogar kollabieren könnte. Sein Strom aus warmem Wasser könnte damit stark abgeschwächt werden, womit es bei uns deutlich kälter werden könnte. Sein warmes Wasser entnimmt er dem Golf von Mexiko und der Karibik – daher der Name. Bricht der Golfstrom zusammen, könnte das Wasser hier noch wärmer werden und damit könnten noch heftigere Wirbelstürme entstehen.

Ob Hurrikane noch bis nach Europa kommen könnten, wenn der Atlantik vor unserer Haustür kälter wird, ist nochmal eine andere Frage. In unseren Breiten spielen zudem andere Faktoren in der Entwicklung von Stürmen eine Rolle. Da der Golfstrom sich aber nur sehr langsam verändert, bleibt der Effekt der Erwärmung der Meere auch bei uns dominierend – und damit die Gefahr in Europa strandender Wirbelstürme.

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(phe)