Rennt uns die Zeit davon?

Atomuhr-Messung zeigt: So schnell hat sich die Erde seit 1960 noch nie gedreht

Wir sind daran gewöhnt, dass unsere Tage 24 Stunden haben – die Erde also 24 Stunden braucht, um sich einmal um sich selbst zu drehen. Wissenschaftler haben jetzt aber festgestellt, dass das zumindest an einzelnen Tagen nicht mehr der Fall ist. Schon mehrfach hat sich unser Planet schneller bewegt. Doch wie ist das möglich? Und welche Konsequenzen kann das für uns haben?

Neuer Rekord der Erdrotation am 29. Juni 2022

Sternbahnen über dem Grootmeer, Niederlande, am 28. August 2018
Die 28 kürzesten Tage fanden alle im Jahr 2020 statt - bisher.

Die Geschwindigkeit der Erdumdrehung wird seit 1960 von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mittels Atomuhren gemessen. Am 29. Juni 2022 haben sie dabei festgestellt: Der Tag hatte keine vollen 24 Stunden, beziehungsweise 86.400 Sekunden. Die Erde hat sich 1.59 Millisekunden schneller gedreht, als üblich (eine Millisekunde entspricht dabei 0.001 Sekunden).

Die Beobachtung, dass die Erde für eine Umdrehung weniger als 24 Stunden braucht, haben die Forschenden auch schon früher gemacht. Laut der Website timeanddate hätten die zuvor 28 kürzesten Tage alle 2020 stattgefunden. Der kürzeste Tag damals war der 26. Juli. An dem Sonntag drehte sich die Erdkugel 1,50 Millisekunden schneller.

Wieso dreht sich die Erde schneller?

Mehrere Faktoren könnten die Geschwindigkeit der Erdumdrehung beeinflussen. Dazu zählen die Gezeiten. Diese verformen die Erde und sind einer der Hauptgründe, weshalb sie dich Erdrotation verändert. Weitere Faktoren für eine unterschiedliche Tageslänge können seismische Aktivität, Gletscherbildung, das Wetter, die Ozeane und das Erdmagnetfeld sein. Ob die Auswirkungen des Klimawandels ebenfalls einen Einfluss haben, ist noch unklar.

Auch das sogenannte „Chandler-Wackeln“ könnte eine Rolle spielen. Das Chandler-Wackeln bezeichnet eine kleine, gelegentliche Bewegung der geografischen Pole der Erde über die Erdoberfläche – unser Planet eiert als leicht. „Die normale Amplitude des Chandler-Wobble beträgt etwa drei bis vier Meter an der Erdoberfläche“, sagte Leonid Zotov auf dem Treffen der Asiatisch-Ozeanischen Gesellschaft für Geowissenschaften, „aber von 2017 bis 2020 ist sie verschwunden“.

Sich schnell drehender Globus
Im Normalfall braucht die Erde 86.400 Sekunden, um sich einmal um ihre Achse zu drehen.

Eine Sekunde weniger pro Tag

Wenn die Erdrotation immer schneller wird, müsste bald eine erste negative Schaltsekunde eingeführt werden. Dann würden die Uhren, die auf den Atomuhren basieren, eine Sekunde überspringen. Das wiederum könnte zu Problemen in der IT führen, da zum Beispiel unsere Smartphones, Computer und GPS-Systeme auf äußerst genaue Zeitsysteme angewiesen sind. Probleme gab es bereits in der Vergangenheit, als positive Schaltsekunden eingeführt wurden.

Sorgen muss sich wegen der fehlenden Millisekunde aber zunächst niemand machen. Zotov vermutet zu 70 Prozent, dass wir am Minimum der möglichen Geschwindigkeit sind, die Erde sich also nicht noch langsamer drehen wird. Dementsprechend bräuchten wir bald keine negative Schaltsekunde.

Seit 1972 gab es 27 Schaltsekunden

Menschen in Japan fotografieren eine Uhr, die eine Schaltsekunde anzeigt, am 1. Juli 2015
Der 1. Juli 2015 war eine Sekunde länger als 24 Stunden.

In den vergangenen Jahrhunderten hat sich die durchschnittliche Tageslänge etwa alle hundert Jahre verlängert, die Erde sich also langsamer gedreht. 27 Mal wurde deswegen seit 1972 eine Schaltsekunde einführt, um sicherzugehen, dass unsere Uhren richtig ticken. Die letzte Schaltsekunde gab es am 31.12.2016. Damals konnten sich die Internetserver eines großen Dienstleisters nicht mehr erreichen und Dienste und Websiten fielen aus. Auch in der Nacht zum 1. Juli 2012 gab es Ausfälle bei Mozilla und Reddit, die Website war 30 bis 40 Minuten nicht erreichbar.

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(zre)