Rekord-Rodung in drei Monaten

Abholzung des Regenwaldes geht weiter - und wird schneller

von Henning Liss

Abholzung der Regenwälder
Eine Fläche abgeholzter Regenwald. (Symbolfoto)

Frustrierend: Obwohl immer wieder betont wird, wie wichtig der brasilianische Regenwald ist, wird er weiter abgeholzt. Das Tempo der Zerstörung nimmt offenbar sogar zu! In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurde die größte Fläche gerodet, die das brasilianische Raumfahrtinstitut INPE je innerhalb eines Quartals registriert hat. Das INPE hatte im Jahr 2016 begonnen, die Veränderungen im Regenwald zu beobachten. So schlimm wie in diesem Quartal war es seitdem noch nie.

Der Regenwald am Amazonas ist bereits erheblich geschwächt

Bereits im Januar hatte die Abholzung des Regenwaldes am Amazonas ein Rekord-Ausmaß erreicht. Inzwischen befürchten Wissenschaftler, dass bereits jetzt große Teile des Dschungels derart geschwächt seien, dass sie sich nicht mehr von Dürren oder Bränden erholen könnten.

Am Freitag wurde der nächste Negativ-Rekord bekannt: 941 Quadratkilometer seien im ersten Quartal dieses Jahres im brasilianischen Regenwald abgeholzt worden, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf INPE-Daten berichtet. Das sei der größte Waldverlust in der Region mindestens seit 2016.

Eine winzige positive Nachricht hat sich in der Statistik dennoch versteckt: Immerhin sei im März 2022 15 Prozent weniger Waldfläche verschwunden als im März des Vorjahres. Doch das hat offenbar nicht gereicht um die rücksichtslosen Rodungen der Monate Januar und Februar auszugleichen.

Brasilianische Regierung um Präsident Jair Bolsonaro schützt den Regenwald nicht

Die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes hat generell zugenommen, seit Jair Bolsonaro im Jahr 2019 zum Präsidenten Brasiliens gewählt wurde. Die Greenpeace-Waldexpertin Gesche Jürgens sieht in der brasilianischen Regierung eine wichtige Ursache für die Abholzung. Gegenüber wetter.de und RTL erklärte sie: „Die zunehmende Abholzung des Amazonas-Regenwaldes ist leider wenig überraschend. Die brasilianische Regierung ermutigt durch Rhetorik und Gesetzesvorstöße illegale Landräuber, Holzfäller und Goldgräber. Die Zerstörung bringt den riesigen Wald zunehmend an einen Kipppunkt, von dem aus große Teile unwiederbringlich austrocknen würden.“

Deutschland trägt ebenfalls Verantwortung

Doch Bolsonaro sei nicht allein an der Abholzung des Regenwaldes schuld. Jürgens betont auch die Verantwortung der EU, bzw. von Deutschland: „Gleichzeitig trägt auch der Konsum der EU von Fleisch und weiteren Agrargütern wie Futtersoja massiv zur Waldzerstörung im Amazonas bei. Die EU und Deutschland können und müssen daher ebenfalls Verantwortung für den Schutz des Amazonas-Waldes übernehmen.“ Das EU/Mercosur-Handelsabkommen, über das seit Jahren verhandelt wird, lehnt sie deshalb ab.

Der Regenwald: Ein hoffnungloser Fall? Keineswegs!

Trotz der niederschmetternden Fakten gibt es Chancen für Verbesserungen.

Die EU arbeitet bereits an einem Gesetz zum globalen Waldschutz. Aus Sicht der Waldexpertin sollte sich Deutschland dafür einsetzen, dass dieses Gesetz wirklich verhindert, dass „im großen Stil Produkte auf dem EU-Binnenmarkt landen, die mit Waldzerstörung in Verbindung stehen.“ Bürger können beim Einkaufen darauf achten, dass sie ökologisch besser vertretbare Produkte erwerben.

In Brasilien wird im Oktober gewählt. Einerseits kann das die Abholzung beschleunigen, denn einige Holzfäller könnten vorher noch zuschlagen wollen. Andererseits besteht zumindest die Chance, dass eine mögliche neue Regierung das Thema „Schutz des Regenwaldes“ wieder ernster nimmt.

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