Schnee und Frost im Mai?

Bauernregeln sagen Winterwetter im Frühling 2023 voraus

von Henning Liss

Mit einem lockeren Spruch oberschlau daherkommen? Dafür eignen sich Wettervorhersagen mit Bauernregeln besonders gut. Hier finden Sie ein paar Regelsätze, die beschreiben, wie das Wetter im Frühling 2023 weitergehen könnte – ausgehend von den Wettermessungen im Winter 2022/2023. Unter dem Strich deuten mehrere dieser Regeln darauf hin, dass noch viele kalte Tage vor uns liegen, bis der Frühling so richtig zu spüren ist.

Rückblick: Der Winter 2022/2023 war in Deutschland zu warm

Schlüsselblumen sind am 26.04.2016 auf einer Wiese bei Degenfeld (Baden-Württemberg) eingeschneit. In Teilen Deutschlands herrschte starker Schneefall. Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Schnee im Frühling sind natürlich nicht ungewöhnlich. Dieses Foto zeigt Schlüsselblumen im Schnee. (Archivbild vom 26. April 2016)

Eigentlich ist der Winter 2022/2023 noch gar nicht vorbei, denn laut Kalender beginnt der Frühling 2023 erst am 20. März. Die Wetterstatistiken für Jahreszeiten der Meteorologen beginnen und enden allerdings stets mit einem Monatswechsel. Deshalb ist der 1. März der meteorologische Frühlingsbeginn und der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat bereits einen (vorläufigen) Schlussstrich unter die Wetteraufzeichnungen aus dem Winter gezogen.

Demnach war der Winter 2022/2023:

  • 2,7 Grad zu warm im Vergleich zu den Wintern aus dem Zeitraum 1961 bis 1990. Es war der zwölfte zu warme Winter in Folge! Selbst im Vergleich zur Referenzperiode 1991 bis 2020, in der der Klimawandel bereits eingeflossen ist, war der vergangene Winter noch 1,5 Grad zu warm.
  • leicht zu trocken: Im Vergleich zu 1961 bis 1990 fehlten diesem Winter etwa 6 bis 10 Prozent Regen.

Auffällig waren außerdem:

  • eisige Tage um die Dezembermitte. Die tiefste gemessene Temperatur wurde mit -19,3 Grad am 18.12. in Heinersreuth-Vollhof im Landkreis Bayreuth gemessen.
  • Dafür gab es einen besonders Jahreswechsel. Am 31.12. wurden in der oberbayerischen Station Wielenbach 20,8 Grad gemessen.

Bauernregeln: Langfristige Wettervorhersagen mit langer Geschichte

Wer Felder bestellt und erntet, hat wohl einen anderen Blick auf Natur und Wetter, als ein Büroarbeiter. Früher arbeitete ein großer Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Regen, Kälte oder Hitze bedeuteten nicht nur erschwerte Arbeitsbedingungen, sondern gegebenenfalls Ernteausfälle oder sogar Hunger. Früher gab es auch keine Wettersatelliten oder wissenschaftlich fundierte Wettervorhersagen für mehrere Tage, wie wir sie heute kennen. Aus dieser Zeit stammen Bauernregeln, die Zusammenhänge zwischen Wetterbeobachtungen und Langfristprognosen knüpfen. Die Berechtigung der Siebenschläfer-Regel ist inzwischen sogar belegt, in vielen anderen Fällen sind die Merksätze eher eine Glaubensfrage, beziehungsweise Glückssache. Respektlos sollte man allerdings nicht darüber urteilen – Bauernregeln stammen mutmaßlich von Menschen, die das Wetter sehr genau beobachtet und sehr direkt gespürt haben.

Lese-Tipp: Das sagen die Bauernregeln im März über den Frühling

Welche Vorhersagen leiten diese Bauernregeln nun für Frühling und Sommer 2023 aus dem Winter ab?

Bauernregeln für den Frühling 2023: Ist’s im Februar zu warm, friert man zu Ostern bis in den Darm.

Prognose und Vorhersage für das Frühlingserwachen in Deutschland
Für die meisten wird das nachhaltige Frühlingserwachen wohl noch länger dauern

Für den Frühling gibt es zahlreiche Sprüche, hier sind ein paar aufgelistet und erläutert.

  • Der Januar muss krachen, soll der Frühling lachen: Dieser Spruch lässt viel Spielraum für Interpretation. Was bedeutet „krachen“? Extreme Kälte? Davon kann man in diesen Jahr nicht sprechen. Viel Regen? Das wäre je nach Region schon der Fall. In der Nordhälfte verbreitet über 100 Prozent der üblichen Regensumme, teils sogar mehr als 200 Prozent. In der Thüringer Station Ellrich-Werna wurden sogar fast 325 Prozent gemessen. Im Südosten Deutschlands war es oft zu trocken. Unter dem Strich würde diese Regel darauf hinaus laufen, dass es im Norden und der Mitte Deutschlands besonders sonnig werden könnte.
  • Ist an Pauli Bekehr das Wetter schön, werden wir ein warmes Frühjahr seh’n; ist es aber feucht und schlecht, kommt das Frühjahr spät als fauler Knecht. Sonnenschein gab’s am 25. Januar (dem hier genannten Stichtag) fast gar nicht. Im Mittel wurden 0,3 Sonnenstunden in der Statistik verbucht! Das war kein Ausrutscher, der Vor- und der Folgetag waren kaum besser. Feucht war es allerdings auch nur ein kleines bisschen. Dennoch würde diese Regel wohl eher auf einen späten Frühlingsdurchbruch hindeuten.
  • So viele Tropfen im Januar, so viel Schnee im Mai. Diese Regel ist brisant. Denn wir zuvor beschrieben, war der Januar ziemlich regnerisch. Es könnte diesem Spruch zufolge also nochmal Schnee im Mai geben.
  • Kommt der Frost im Januar nicht, zeigt im März er sein Gesicht. Im Mittel wurden im Januar etwa 13 Frosttage im Januar gemessen. Das ist nicht unbedingt viel. Zum Vergleich: Im Januar 2017 wurden etwa doppelt so viele gemessen! Insgesamt war der Januar 2023 mehrere Grad zu warm. Diese Regel würde also Frost im März andeuten.
  • Ist der Februar trocken und kalt, kommt im Frühjahr Hitze bald. Trocken war’s bei etwa 43 Prozent des üblichen Niederschlags (im Schnitt), aber war es kalt? Die letzten Februartage schon, aber insgesamt war der Februar zu warm. Diese Regel trifft also eher nicht zu.
  • Ist’s im Februar zu warm, friert man zu Ostern bis in den Darm. Auch hier gilt: Der Februar war zu warm. Demnach könnte es bis Ostern kalt bleiben.


Fazit: Diesen Bauernregeln zufolge könnte der Winter noch lange dauern

Prognose und Vorhersage der Tiefstwerte in der Nacht zum 9. März 2023
Auch die Prognosen in den März hinein wollen frostige Temperaturen

Unter dem Strich laufen die aufgelisteten Bauernregeln auf einen späten Frühlingsdurchbruch, beziehungsweise einen langen Winter hinaus. Immerhin lässt auf viel Sonnenschein hoffen. Zu ernst darf man das natürlich nicht nehmen, aber unsere aktuellen Wetterprognosen (Stand: 1. März) sehen ebenfalls noch keinen klaren Frühlingsbeginn. Es könnte also wirklich sein, dass die oben aufgeführten Sprüche Recht behalten.

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