Unwetterdaten von 37 Ländern untersucht
Extremwetter im Sommer: Deutschland wird zum Hotspot

Unsere Sommer werden heißer, es ist immer mehr Energie in der Atmosphäre. Und die entlädt sich immer wieder in schweren Unwettern. Eine Analyse des Energieunternehmens Enpal zeigt, dass Deutschland vom Klimawandel besonders hart getroffen wird. Im Sommer wird das Land zu einem der Hotspots von Extremwettern.
Klar, die berühmte Ahrflut 2021. Dieses außerordentliche und zerstörerische Unwetter kommt einem am ehesten in den Sinn, wenn man an Extremwetter in Deutschland denkt. Aber es trifft uns weit häufiger als wir glauben. Ob Hochwasser, Hagel oder Starkregen - Deutschland wird Extremwetter-Land.
Enpal analysierte die Unwetterdaten, die in der Unwetter-Datenbank ESWD (European Severe Weather Database) verzeichnet wurden. Und zwar für 37 Länder von Mai bis September der vergangenen 15 Jahre. Das Ergebnis: In Polen ging in diesen 15 Jahren mit 38.157 Fällen die höchste Zahl an Unwettern runter, Deutschland folgt auf Platz zwei mit 34.911 Unwettern. Es sind vor allem schwere Windböen, Starkregen und Hagel, die im Sommer am häufigsten auftreten. Aus Frankreich (15.222 Ereignisse) und Italien (15.219) wurden weit weniger Unwetter gemeldet.
Im Fokus der Untersuchung standen großer Hagel, Starkregen, Tornados (einschließlich Wind-, Wasserhosen und Großtromben), schwere Windböen, starke Schneefälle bzw. Schneestürme sowie Schadensblitze. Die Unwetter schlagen in Europa sehr unterschiedlich zu: In Irland beispielsweise ist der der starke Wind hauptverantwortlich für Unwetter: Dort wüten im Sommer prozentual die meisten Windböen – 88,29 Prozent aller dortigen Unwetter entfallen auf sehr starke Böen.
Zunahme an Extremwettern gut belegt
Generell werden die europäischen Sommer immer extremer. Während 2020 in den Sommermonaten in den untersuchten Ländern 9.525 Fälle registriert wurden, waren es 2024 bereits 24.954, berichtet Enpal. Das Jahr mit den meisten Unwettern war das Jahr 2023 mit 30.331 Meldungen. Damals gab es in Deutschland, Frankreich und Polen wahre Unwetter-Sommer.

Dass die Extremwetter bei höheren Temperaturen zunehmen, ist auch physikalisch leicht erklärbar. Warme Luft kann mehr Wasser speichern. Dieses Wasser muss irgendwann irgendwo hin. Leider kommt dieses Wasser nur selten feindosiert als wohltuender Landregen runter. Meist werden einzelne kleinräumige Regionen von sehr starkem Regen heimgesucht. Die Faustformel hier: Ein Grad wärmere Luft kann etwa 7 Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen, was zu etwa 14 Prozent mehr Starkregen führt. Volle Keller, Überflutungen, Hangrutsche sind die Folge. Das hatten wir auch in diesem Jahr schon alles genau so in Deutschland - erinnert sei an das schreckliche Zugunglück in Riedlingen, als ein Erdrutsch nach Starkregen die Gleise verschüttete und der Zug entgleiste.
Hitze nimmt sowieso zu

Während Wasserextreme wie Dürren und Überschwemmungen weltweit massiv zugenommen haben, steigen auch die Temperaturen in immer höhere Sphären. Das ist alles sehr gut dokumentiert. Mit den höheren Temperaturen sind auch Hitzewellen häufiger geworden. Sie sind zudem heißer und dauern länger als früher. Parallel dazu ist die Häufigkeit von Trockenphasen gestiegen.
Wie ist das zu erklären? Unsere Wetterlagen zeichnen sich mehr und mehr dadurch aus, dass sie persistenter sind, das bedeutet, sie halten längere Zeit an. Immer häufiger sind die Wetterlagen am Himmel wie festgetackert. Manchmal gibt es dann sechs, sieben Wochen lang keine Wetteränderung. Dies führt dann zu Dürrephasen oder zu Phasen, in denen extrem viel Regen fällt. Mit der Zunahme der trockenen Phasen nimmt auch die Waldbrandgefahr zu - das ist mittlerweile jeden Sommer vor allem rund ums Mittelmeer zu sehen, aber auch bei uns in Deutschland.
Belegt ist auch, dass durch die Erderwärmung die Zahl der beobachteten Tornados steigt und es eine Gefahr höherer Sturmfluten gibt. All diese Wetterextreme kosten uns in erster Linie sehr viel Geld, aber natürlich auch Menschenleben. Vor allem Hitze ist ein heimlicher Killer.
Wir können es drehen und wenden wie wir wollen: Aber Geld für Klimaschutz in die Hand zu nehmen, ist am Ende billiger, als für die Schäden aufkommen zu müssen.