Wohnungsnot mit Echoortung

Fledermausarten in Deutschland & wie man hilft

von Amelie von Kruedener

Die Graue Langohrenfledermaus ist eine relativ große europäische Fledermausart.
Fledermäuse fressen pro Nacht bis zu 3.000 Mücken – pro Tier. Ohne sie würden viele Ökosysteme kippen. Umso wichtiger, dass ihre Lebensräume geschützt und neue geschaffen werden.

Fledermäuse flattern lautlos durch die Nacht – und geraten dabei immer häufiger in Schwierigkeiten. Wohnungsnot, Futtermangel und der Klimawandel setzen ihnen zu. Zeit, mit Vorurteilen aufzuräumen und den Nachtschwärmern unter die Flügel zu greifen.

Lautlos, flink – und schwer bedroht

In Deutschland sind alle 25 heimischen Fledermausarten geschützt, viele davon sogar stark gefährdet. Der Grund: Sie finden kaum noch Lebensräume. Alte Dachböden werden gedämmt, Scheunen abgerissen, Bäume gefällt – Spalten, Ritzen und Höhlen verschwinden. Auch Insekten, ihre Hauptnahrung, werden durch Pestizide und Monokulturen knapp.

Dazu kommt der Klimawandel. Hitzewellen können junge Tiere in Quartieren regelrecht „verkochen“, plötzliche Kälteeinbrüche verwirren den Jahresrhythmus. Und wenn milde Winter zum verfrühten Aufwachen aus dem Winterschlaf führen, fehlt oft das Futter – dann verhungern die Tiere.

Wer flattert da eigentlich?

Keine Sorge, in Deutschland gibt’s keine Vampirfledermäuse, dafür aber ziemlich spannende Arten:

  • Großes Mausohr: Der Klassiker unter den Fledermäusen. Lebt gern auf Dachböden, liebt Käfer.
  • Zwergfledermaus: Die Winzlinge unter den Fledermäusen. Passen locker in eine Streichholzschachtel.
  • Breitflügelfledermaus: Fliegt niedrig über Wiesen, wendig und flott.
  • Abendsegler: Echte Weitflieger – legen im Herbst hunderte Kilometer zurück.
  • Wasserfledermaus: Jagd direkt über der Wasseroberfläche – mit spektakulären Manövern.

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Gärten wild statt steril

Ein aufgeräumter Garten ist für Fledermäuse ein toter Ort. Sie jagen Insekten – und die wiederum lieben wilde Ecken, blühende Wiesen, Laubhaufen, Totholz. Wer auf Pestizide verzichtet, heimische Pflanzen setzt und etwas Unordnung zulässt, schafft ein Schlaraffenland für Fledermäuse.

Licht aus für die Nachtjäger

Fledermäuse sind lichtscheu. Dauerbeleuchtung in Gärten, an Hausfassaden oder Wegen kann ihre Orientierung stören und ganze Flugrouten blockieren. Bewegungsmelder mit kurzer Leuchtdauer oder warmes, insektenfreundliches Licht helfen, Lichtverschmutzung zu verringern. Je dunkler die Nacht, desto entspannter der Flug.

Quartierkästen aufhängen – Bauanleitung

Holzhaus für Fledermäuse
Am Baum oder am Haus, mit einer kleinen Box hilft man den Flattermännern ein gutes Stück weiter.

Ein Fledermauskasten ist wie ein Tiny House für Nachtschwärmer: platzsparend, gemütlich, trocken. Wer keinen alten Schuppen mit Spalten hat, kann so ein Ersatzquartier leicht selbst bauen oder kaufen. Das Prinzip: Spalt statt Villa - Fledermäuse lieben enge, dunkle Spalten. Der klassische Kasten sieht daher eher aus wie eine dicke Wandtafel mit schmalem Eingang unten – also kein Vogelhäuschen mit Loch, sondern ein schlanker Kasten mit Spaltenöffnung.

Das wird gebraucht:

  • 1x Rückwand (z. B. 50 × 30 cm, 2 cm dick)
  • 2x Seitenwände (50 × 10 cm)
  • 1x Frontplatte (etwas kürzer als Rückwand, z. B. 45 × 30 cm)
  • 1x Dachplatte (30 × 10 cm)
  • 1x Leiste als Einflughilfe (ca. 5 × 30 cm)
  • Schrauben, wetterfester Holzleim, Akkuschrauber
  • Unbehandeltes, raues Holz (z. B. Fichte oder Lärche) - oder ein Rest Drahtgitter für extra Griffigkeit im Innenraum.

So wird gebaut:

  • Rückwand vorbereiten - Die Rückwand ist das Herzstück. Darauf werden alle anderen Teile befestigt. Wichtig: Die Innenseite darf nicht glatt sein – also entweder mit Nutensäge waagerechte Rillen einziehen oder ein Stück grobes Drahtgitter aufnageln.
  • Seiten und Front montieren - Die Seitenwände kommen bündig auf die Rückwand, die Frontplatte davor. Oben bleibt ein kleiner Spalt zur Belüftung, unten ein schmaler Einflugschlitz (ca. 1,5 cm). Alles fest verschrauben und zusätzlich verleimen.
  • Dach drauf - Die Dachplatte schützt vor Regen und darf leicht überstehen. Auch hier: festschrauben und abdichten.
  • Einflughilfe anbringen - Unten an den Kasten eine kleine, raue Leiste schrauben – das erleichtert das Festklammern beim Anflug.
  • Lasur nur außen, wenn überhaupt - Falls Holzschutz nötig: nur außen mit umweltfreundlicher, geruchsloser Lasur streichen. Innen bleibt alles roh.

Aufhängen: Wohin damit?

  • Mindestens 3 Meter hoch, am besten an der Hauswand, ruhig südostseitig.
  • Freier Anflug – keine Äste oder Kabel direkt davor.
  • Nicht in praller Sonne braten lassen, aber auch nicht in tiefem Schatten.
  • Möglichst wind- und wettergeschützt, und in der Nähe von Bäumen oder Gewässern. Denn dort jagen Fledermäuse am liebsten.

Mythen, Märchen und Missverständnisse

Fledermäuse saugen Blut? Falsch – zumindest in Europa. Die einzigen Vampirfledermäuse leben in Mittel- und Südamerika. Unsere heimischen Arten futtern ausschließlich Insekten – und davon reichlich. In die Haare fliegen? Auch Quatsch. Dank Echoortung erkennen Fledermäuse selbst winzige Mücken im Flug. Menschenköpfe werden elegant umkurvt, nicht attackiert. Und blind sind sie auch nicht. Im Gegenteil: Fledermäuse sehen gut, besonders in der Dämmerung. Die Echoortung ist nur ein cleveres Extra für nächtliche Jagden. Kurz gesagt: Wer Fledermäusen mit Vorurteilen begegnet, liegt meistens daneben. Wer sich die Mühe macht, genauer hinzusehen, entdeckt faszinierende Flugkünstler mit ziemlich unfairer Presse.

(avo)