Da waren es nur noch vier Gletscher

Deutschland verliert einen Gletscher: Eismassen des Südlichen Schneeferner abgeschmolzen

Schneeferner Gletscher
Bergsteiger geniest die Aussicht vom Schneeferner Kopf im Wettersteingebirge, (Aufnahme aus dem Jahr 2007)

Es ist eine amtliche Degradierung: Der Südliche Schneeferner hat seinen Status als Gletscher verloren. Das Eis ist so stark geschmolzen, dass es an vielen Stellen nicht weniger als zwei Meter dick ist. In wenigen Jahren dürfte es ganz verschwunden sein. Nun bleiben Deutschland noch vier Gletscher, und auch für sie sind die Aussichten düster.

Bayerische Akademie der Wissenschaften begründet ihr Urteil über den Südlichen Schneeferner

Neue Georadar-Messungen von Mitte September würden zeigen, dass der Südliche Schneeferner nur noch halb so groß sei wie vor vier Jahren und massiv an Dicke eingebüßt habe, wie Forscher bekannt gaben. Fließen würde der ehemalige Gletscher wohl nicht mehr. In ein, zwei Jahren, so die Prognose, dürfte er ganz verschwunden sein.

Deshalb verliert der Südliche Schneeferner seinen Status als Gletscher, wie die Bayerische Akademie der Wissenschaften am Montag mitteilte. „Aufgrund der geringen Eisdicke kann auch keine Eisbewegung mehr erwartet werden, so dass der Südliche Schneeferner nicht länger als eigenständiger Gletscher betrachtet wird.“

Als Konsequenz würden die Vermessungen der Eismassen des Südlichen Schneeferner eingestellt, die erstmals 1892 stattfanden und seit der Mitte des 20. Jahrhunderts regelmäßig wiederholt wurden, hieß es.

Gletscher ist schneller geschmolzen als erwartet

Wissenschaftler sehen als Ursache den Klimawandel und warnen seit langem vor den Folgen. Die Lage am Südlichen Schneeferner sei nicht überraschend, aber „für alle, die sich damit beschäftigen“, sei es dennoch eine schlechte Nachricht, sagte der Glaziologe Olaf Eisen vom Alfred-Wegener-Institut, dem Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. „Es passiert schneller als wir dachten. Vielleicht wacht der Rest der Republik jetzt auf und versteht, auf welchem Weg wir hinsichtlich der Klimakrise gerade sind - und welche Auswirkungen das in Deutschland haben wird.“

Erst im vergangenen Jahr hatte ein Expertengremium seine Prognose für die den Gletschern verbleibende Zeit von zuvor 30 auf nur noch rund 10 Jahre zurückgenommen - selbst das scheint nun überholt. Neben der extremen Hitze des Sommers spielte in diesem Jahr der Saharastaub im März eine Rolle, der sich als rötliche Schicht auf den Schnee legte. Der dunklere Staub absorbierte mehr Energie, das Eis darunter taute stärker.

Vier Gletscher bleiben Deutschland noch

Auch das Eis der anderen vier Gletscher in Deutschland - Nördlicher Schneeferner und Höllentalferner an der Zugspitze sowie Blaueis und Watzmanngletscher in Berchtesgadener Alpen - war in diesem Sommer weiter geschmolzen.

Seit der Kaltzeit Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich das Eis immer weiter zurückgezogen. Damals waren Südlicher und Nördlicher Schneeferner sowie Höllentalferner an der Zugspitze ein großer Gletscher namens Plattachferner, wie Inga Beck, Sprecherin der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus erläuterte. Er soll zeitweise eine Ausdehnung von etwa 300 Hektar gehabt haben. Zum Vergleich: Der Höllentalferner, der sich bisher recht gut hielt, hatte 2018 noch 16,7 Hektar - etwa die Hälfte des Oktoberfest-Geländes.

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(dpa/cli)