Schlimmer als bei YLENIA

Schwere Sturmflut droht - bis zu 12 Stunden Dauerorkan

von Karim Belbachir und Christian Häckl

Die Nordsee ist seit Tagen aufgepeitscht. Bereits Orkan YLENIA hat hier gewütet. Doch nun droht schon neues Ungemach. Mit ZEYNEP dürfte die Sturmflut-Lage nochmals intensiver werden. In der Nacht und am frühen Samstagmorgen droht eine schwere Sturmflut.

Auslöser sind bis zu 12 Stunden Orkanböen

RTL-Meteorologe Christian Häckl schaut die aktuellen Windkarten für die Nordsee und schildert: „An der Küste wird es ein lang gezogenes Sturmereignis. Denn während es für die meisten anderen Regionen ein kurzes und intensives Intermezzo mit dem Durchgang der Kaltfront von ZEYNEP wird, schaukelt sich der Orkan an der Nordsee richtig auf. Derzeit lassen die Wettermodelle auf bis zu über 12 Stunden Orkanböen schließen.”

In der Nacht wird es brenzlig

Zeynep in Deutschland in der Nacht zu Samstag
In der Nacht zum Samstag liegt das Windfeld schon breit über der Nordhälfte Deutschlands.

Es sei eine sehr gefährliche und durchaus außergewöhnliche Situation mit entsprechenden Auswirkungen, weiß Häckl und erläutert weiter: „Mit dem Wind aus westlichen Richtungen und mit Böen bis 150 km/h bis in den Elbbereich und bis zu 160 km/h direkt an der Küste wird das Wasser stundenlang an die Küsten und in die Elbmündung bis nach Hamburg gedrückt. Damit erwarten wir mit dem Nacht- bzw. Morgenhochwasser eine schwere Sturmflut mit bis zu 3 Meter über Normal.”

Sturmlage weckt Erinnerung an die Sturmflut von 1962

ARCHIV - 17.02.1962, Hamburg: Bundeswehrsoldaten bringen von der Sturmflut betroffene Menschen in einem Schlauchboot in Sicherheit. Im Hamburger Elbgebiet und im norddeutschen Küstenraum verursacht Sturmtief «Vincinette» in der Nacht zum 17. Februar
Bundeswehrsoldaten bringen von der Sturmflut betroffene Menschen in einem Schlauchboot in Sicherheit. Im Hamburger Elbgebiet und im norddeutschen Küstenraum verursacht Sturmtief "Vincinette" in der Nacht zum 17. Februar 1962.

Der erfahrene Wetterfachmann verweist mit dem Blick auf ältere Sturm- und Wetterdaten auf gewisse Analogien zur Sturmflut aus dem Jahr 1962: „Es zeichnet sich eine ähnliche Wind-Situation wie bei Sturmflut 1962 ab.” Damit sei über lange Zeit Westwind aktiv, der das Wasser an die Küste drückt und nie so richtig abfließen lasse. Dann „werden mit Winddrehung auf Nordwest die Wassermassen in die Elbe gedrückt”. Daraus resultiere eben auch die Gefahr einer schweren Sturmflut im Bereich Elbmündung bis rauf nach Nordfriesland und elbaufwärts bis nach Hamburg „mit mehr als 3 Metern über dem mittlerem Hochwasser”.

BSH rechnet ebenfalls mit schwerer Sturmflut

17.02.2022, Hamburg: Der Fischmarkt mit der Fischauktionshalle ist am Nachmittag während einer Sturmflut beim Hochwasser der Elbe überschwemmt. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Hamburg: Der Fischmarkt mit der Fischauktionshalle ist am Nachmittag des 17.02.2022 beim Hochwasser der Elbe überschwemmt.

Auch das zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) rechnet laut Dr. Bernd Brügge (Leiter der Abteilung Meereskunde und Vizepräsident des BSH) „durchaus mit einer schweren Sturmflut”. In einem morgendlichen Pressebriefing ging er beispielsweise für Hamburg ebenfalls von 3 Metern aus. Es könne auch sein, dass „wir sogar noch etwas höher gehen müssen”. Rekordstände sehe das BSH dabei zwar nicht, aber mit einer schweren Sturmflut müsse man jetzt eben rechnen. Er sei aber auch sehr zuversichtlich, dass die Deiche halten und „dass wir diese Situation gut meistern können”.

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(kfb/bal)