Versiegelung ist ein großes Problem

Stadt oder Land: Die neue Landlust ist nicht gut für die Natur

von Bernd Fuchs und Oliver Scheel

Klar, wer möchte nicht gern in einem kleinen Bauernhaus mit großem Garten und herrlicher Aussicht auf dem Land leben? Nicht erst seit der Pandemie haben die Menschen das Umland der großen Städte entdeckt und ziehen raus aus der Stadt. Getrieben werden die Menschen zusätzlich von horrenden Immobilienpreisen in den Städten. Doch die neue Landlust hat auch Nachteile – in erster Linie für Natur, Klima und Umwelt. Warum, das erklären wir hier.

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Die Natur mag den Trend gar nicht

Wohnen im Grünen
Der Traum vom Haus im Grünen. Für die Natur gar nicht so toll.

Die neue Landlust – ein seit Jahren ungebrochener Trend. Warum in engen Stadtwohnungen hausen, wenn nur wenige Kilometer vor der Stadt die ruhige und hübsche Natur mit günstigen Baugrundstücken wartet? Es sind vor allem junge Familien, die sich derzeit den Traum vom Haus im Grünen erfüllen.

Allerdings ist dieser Trend für die Natur gar nicht so gut, denn: die meisten Jobs sind nach wie vor in der Stadt, die Autobahnanbindung spielt eine große Rolle beim Wahl des Wohnortes. Mit anderen Worten: Die neuen Landbewohner pendeln in die Stadt, meist mit dem Auto, weil der ÖPNV auf dem Land nicht vernünftig ausgebaut ist. Also: wieder mehr CO2 in der Atmosphäre.

Schlimmer noch: Städte haben den Vorteil, dass viele Menschen auf wenig Raum leben. Das gibt der Natur Luft zum Atmen. Wenn nun aber alle in einem Eigenheim wohnen wollen, wird mehr Platz für Bebauung in Anspruch genommen. Zudem bauen die ländlichen Regionen ihre Infrastruktur aus, um attraktiver für die Einwohner zu werden: Neue Wohnhäuser, neue Geschäfte, neue Parkplätze. Dafür wird Boden versiegelt. Das wiederum bedeutet weniger Grundwasser und weniger Lebensraum für Tiere. Die Versiegelung ist dabei ein Riesen-Problem.

Fortwährende Versiegelung bedeutet einen nicht mehr zu stoppenden Teufelskreis

Das Örtchen Züntersbach im Main-Kinzig-Kreis: Hier leben viele Pendler aus dem Rhein-Main-Gebiet.
Leben auf Lande - romantisch und im Einklang mit der Natur? Das sieht die Natur leider anders.

In der Klimakrise sehen wir uns vielen Gefahren und Herausforderungen gegenüber. Und unser menschliches Handeln hat enormen Einfluss auf die Klimaerwärmung. Die Versiegelung des Bodens geht immer weiter: Neue Verteilerzentren für die Millionen von Paketen, die wir bestellen, neue Straßen, neue Wohnanlagen, Parkplätze, neue Geschäftshäuser, die Liste ist lang.

Warum ist das so gefährlich? Da unsere Luft immer wärmer wird, steigt die Wasserverdunstung an. Je mehr Flächen versiegelt sind, umso weniger Raum gibt es für Regenwasser, langsam durch die Bodenschichten zum Grundwasser zu gelangen. Es fließt schnell über die Kanalisation ab. Weniger Wasser steht also für unseren Grundwasserspiegel zur Verfügung. Die Böden werden trockener, der Grundwasserspiegel sinkt.

Je mehr wir versiegeln, umso weniger Grundwasser werden wir haben und umso trockener werden die Böden. Und wenn es dann mal ausgiebig regnet, fehlen die natürlichen Möglichkeiten für das Wasser, in die Böden zu gelangen. Sprich: Es kommt schneller zu Sturzfluten. Das mahnende Beispiel dafür ist die Regen-Katastrophe im Westen im vergangenen Sommer. Je mehr Boden versiegelt ist, umso höher die Wahrscheinlichkeit von plötzlich auftretenden Überflutungen.

Die Natur verzeiht uns nichts. Und im Endeffekt ist die Idee, auf engem Raum in der Stadt zu leben, gar nicht so dumm. Zumindest aus Sicht der Natur.

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(osc)