Wieso noch Hoffnung besteht
Nochmal bestätigt: 2024 hat sich die Erde über 1,5 Grad erhitzt
Der Klimawandel schreitet voran. Das hat der Klimadienst des europäischen Copernicus-Programms erneut deutlich gemacht. Einzelne Berichte und Vermutungen gab es schon zum Jahreswechsel, doch jetzt zeigte Copernicus in seinem jährlichen Klima-Report: Das Jahr 2024 war das wärmste Jahr seit Messbeginn und überschritt erstmals den Richtwert von 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Welche negativen und positiven Schlüsse konnten die Experten aus 2024 ziehen?
Im Video: Christian Häckl zeigt noch mehr Fakten im Klima Update.
Werte zeigen eine Erwärmung von 1,6 Grad

In der Diskussion um den Klimawandel wird häufig das 1,5-Grad-Ziel genannt. Dieser Richtwert orientiert sich an der globalen Mitteltemperatur vor der Industrialisierung. Seit 1850 zeichnen Experten jedes Jahr die mittlere Temperatur der Erde auf. Nun hat der Klimawandeldienst „Copernicus“ in einem Bericht bekannt gegeben, dass das Jahr 2024 sogar 1,6 Grad wärmer war als die geschätzte Mitteltemperatur zwischen 1850 und 1900. Gleichzeitig waren die letzten 10 Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen.
Somit werden die Werte der Weltwetterorganisation in Genf vom vergangenen Jahr von Copernicus bestätigt. Sie gaben im Dezember einen Wert von 1,55 Grad über dem vorindustriellen Wert an. Dazu wurden sechs verschiedene Datensätze verglichen.
Auch die globale Durchschnittstemperatur erreicht einen neuen Höchststand
Laut den Copernicus-Experten lag die globale Durchschnittstemperatur bei 15,10 Grad und damit 0,12 Grad über dem Wert von 2023. Ein neuer Rekord für den wärmsten Tag wurde demnach am 22. Juli 2024 mit einer globalen Durchschnittstemperatur von 17,16 Grad aufgestellt. 2024 war auch das wärmste Jahr in Europa.
„Alle international zusammengestellten globalen Temperaturdaten zeigen, dass 2024 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1850 war, betonte der Direktor des Copernicus-Klimawandeldienstes, Carlo Buontempo. Der riesige Datensatz stammt von Satelliten, Schiffen, Flugzeugen und Wetterstationen auf der ganzen Welt.
Stöber-Tipp: Alles rund um den Klimawandel auf einen Blick.
Landflächen und Ozeane im Hitzestress

Wie sich die Erwärmung bereits auswirkt, sehen wir derzeit an den massiven Waldbränden. Die Fläche der Erde, die von starker Hitzebelastung betroffen ist, hat am 10. Juli 2024 mit 44 Prozent einen neuen Rekord erreicht.
Nicht nur die Fläche über dem Meeresspiegel ist von der Erderwärmung betroffen. Auch die Ozeane waren im Jahresmittel so warm wie noch nie seit Beginn der Messungen. Das gilt sowohl für die Temperaturen an der Oberfläche als auch für die gespeicherte Wärme bis in 2.000 Meter Tiefe, berichtet ein Team um Lijing Cheng von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Die Meere nehmen rund 90 Prozent der durch Treibhausgase verursachten Wärme auf. Sie sind wahre Klimahelden, denn sie beeinflussen auch unser Wetter, indem sie Feuchtigkeit an die Atmosphäre abgeben.
Ist jetzt alles verloren?
Nein. Im Pariser Klimaabkommen von 2015 wurde zwar vereinbart, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Der Betrachtungszeitraum beträgt mindestens 20 Jahre. Copernicus weist auch darauf hin, dass der Zweijahresdurchschnitt von 2023 und 2024 bereits bei 1,54 Grad liegt.
Die Betrachtung eines längeren Zeitraums bedeutet jedoch nicht, dass der Klimawandel ein Problem von morgen ist. „Der Bericht ist ein Warnsignal, denn wir müssen alles tun, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren“, sagt Niklas Höhne, Mitbegründer des NewClimate Institute. "Wir müssen mehr tun als bisher.“
Warum wir dennoch hoffen dürfen
Als Hauptursache für die hohen Temperaturen sehen die Copernicus-Experten den hohen Ausstoß von Treibhausgasen. Die Konzentration von Kohlendioxid und Methan in der Atmosphäre erreichte 2024 Rekordwerte. Auch das Klimaphänomen El Niño beeinflusste das erste Halbjahr.
Allerdings verwies Niklas Höhne auch auf positive Entwicklungen: „Vor zehn Jahren berechneten wir, dass die Erdtemperatur bis Ende des Jahrhunderts um 3,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit steigt.“ Dank der rasanten Entwicklung im Klimaschutz seien die Berechnungen nun auf 2,7 Grad zurückgegangen. Wenn alle Länder ihre angekündigten Klimaneutralitätsziele einhalten, wären es 1,9 Grad.
Video- und Lese-Tipp: Was 2024 beim Klima gut lief.
(nzo)



