Riesenzulauf nach Social-Media-Kampagne

Ocean Clean up: Wie zwei Taucher das Meer vom Plastikmüll befreien

aus Jordanien: Oliver Scheel

Die jordanische Küstenstadt Akaba ist ein Tauchparadies. Klares Wasser, intakte Riffe, eine große Vielfalt an Meeresbewohnern. Doch auch das Rote Meer ist vom Plastikmüll nicht verschont geblieben. In den Weltmeeren treiben insgesamt mehr als 150 Millionen Tonnen Plastik und belasten das Ökosystem. Im Roten Meer vor Akaba aber gibt es Abhilfe: Seif Al Madanat und Beisan Alsharif organisieren Tauchgänge, bei denen Freiwillige das Meer vom Müll befreien. Mit erstaunlichem Erfolg.

Alle News rund um das Thema Klima und Klimakrise

Mit unseren „Klima Update“-Sendungen immer informiert sein

Die vermüllten Riffe ließen nur einen Schluss zu: Das muss weg

tauchen seif beisan akaba plastik
Seif Al Madanat und Beisan Alsharif, die Gründer des "ProjectSea" (Quelle: Oliver Scheel)

Alles begann mit der Pandemie: Als wegen Corona auch in Jordanien das öffentliche Leben runtergefahren wurde, war Tauchen eine der wenigen verbliebenen Freizeitaktivitäten. Al Madanat traf bei einem Tauchgang in Akaba auf Beisan. Als die beiden die vermüllten Riffe vor Akaba im Roten Meer sahen, wussten sie sofort, was zu tun ist. „Wir mussten da gar nicht groß drüber reden, es war völlig klar, dass wir diese Vermüllung bekämpfen wollten“, erklärt Al Madanat, der im wahren Leben als Pharmazeut arbeitet.

Sie gaben einander das Versprechen, mindestens einen Tauchgang im Monat zu unternehmen, bei dem sie das Riff von Plastik befreien. Das haben sie bis heute geschafft, obwohl beide in der Hauptstadt Amman wohnen und arbeiten und drei bis vier Stunden Anfahrt zum Meer haben.

Mit Social Media unverhofft ins Rampenlicht

muell akaba aqaba tauchen plastik
Erschreckendes Ergebnis eines 25-minütigen Tauchgangs im Riff vor Akaba.

Die beiden starteten eine Social-Media-Kampagne und wurden von ihrem Erfolg völlig überrascht. Es kamen immer mehr Freiwillige, die ihnen bei den „Clean-up-Dives“ halfen. „Mittlerweile waren Leute aus 34 Nationen mit uns im Riff. Wir haben mehr als 70.000 Einzelteile aus dem Meer geholt, die insgesamt mehr als 5 Tonnen wiegen“, so Alsharif: „Das meiste ist einfach Plastik – etwa 80 Prozent. Flaschen, Wegwerfgeschirr, aber auch viele Getränkedosen und Glas.“

Weil Jordanien kein gutes Recyclingsystem hat, haben Seif und Beisan gleich einen Schritt weitergedacht. Aus Plastikbeuteln, Seilen und Leinen, die sie mit den Freiwilligen aus dem Meer holen, entstehen schicke Umhängetaschen. Die werden in einem palästinensischen Flüchtlingslager hergestellt. „So schaffen wir nicht nur eine Kreislaufwirtschaft, sondern auch noch Jobs für die Menschen in den Lagern. Außerdem finanzieren wir mit dem Verkauf der Produkte die nächsten Tauchgänge“, erklärt Al Madanat.

Am liebsten wäre es den beiden, sie müssten die Dives nicht mehr organisieren

Strand Akaba
Der Strand von Akaba - hier entsteht der Müll oft. Allerdings treibt auch die Strömung viele Plastikteile in die Bucht und große Containerschiffe verlieren Ladung - oft genug Plastikteile.

Denn tauchen ist teuer und aufwändig. Das Boot muss gechartert werden, das Equipment muss stimmen. „Hier gilt safety first“, so Al Madanat. „Jeder kann bei uns mitmachen, aber einen Tauchschein braucht man schon.“ Al Madanat hat bisher noch immer Lösungen gefunden, wie der nächste Dive über die Bühne gehen kann. Und so läuft ihr „ProjectSea“ richtig gut. Mittlerweile gibt es im Webshop schon T-Shirts und Badehosen, die auch aus Altplastik gefertigt werden.

„Am liebsten wäre mir allerdings, wir könnten aufhören, diese Tauchgänge zu organisieren“, sagt Al Madanat. Aber so weit sind sie leider noch nicht.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legenkönnen wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Klima-Rekorde - Ist Deutschland noch zu retten? Die Doku im Online Stream auf RTL+

(osc)